
Trump erwägt Marihuana-Neuklassifizierung: Finanzielle Folgen für US-Cannabis-Markt
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US-Präsident Donald Trump hat erneut bekräftigt, dass er eine Neuklassifizierung von Marihuana als weniger gefährliche Droge in Erwägung zieht. Dieser potenzielle Schritt, der bereits während seines Wahlkampfs 2024 und früher in diesem Jahr diskutiert wurde, könnte weitreichende finanzielle und regulatorische Auswirkungen auf die milliardenschwere Cannabis-Industrie in den Vereinigten Staaten haben.
Trump erwägt Neuklassifizierung von Marihuana
Präsident Trump erklärte am Montag im Oval Office gegenüber Reportern, dass er eine Exekutivverordnung zur Neuklassifizierung von Marihuana als Schedule III-Droge in Betracht ziehe. Er betonte: "Wir ziehen das in Betracht. Viele Leute wollen es sehen, die Neuklassifizierung, weil sie zu enormen Mengen an Forschung führt, die nicht durchgeführt werden kann, es sei denn, man klassifiziert neu." Er fügte hinzu, dass man dies "sehr stark" prüfe.
Diese Äußerungen spiegeln frühere Kommentare Trumps wider. Bereits im August hatte er angekündigt, eine Neuklassifizierung zu prüfen. Einem Bericht zufolge diskutierte Trump den Plan auch in einem Telefonat mit dem Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson (R-Louisiana), wobei auch Führungskräfte der Marihuana-Industrie, Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. und der Leiter der Centers for Medicare and Medicaid Services, Mehmet Oz, anwesend waren.
Von Schedule I zu Schedule III: Was bedeutet das?
Marihuana ist derzeit als Schedule I-Substanz eingestuft, was es in dieselbe Kategorie wie Heroin, Ecstasy und Peyote einordnet. Diese Einstufung impliziert ein hohes Missbrauchspotenzial und keinen derzeit anerkannten medizinischen Nutzen. Eine Neuklassifizierung als Schedule III-Droge würde Marihuana in eine Kategorie mit Substanzen wie Tylenol mit Codein, Ketamin und Testosteron bringen.
Schedule III-Substanzen gelten als medizinisch wertvoll und weisen ein geringeres Missbrauchspotenzial auf als Schedule I- oder II-Drogen. Dieser Schritt würde Marihuana erstmals unter Bundesgesetz als Substanz mit anerkanntem medizinischem Nutzen anerkennen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass eine Neuklassifizierung nicht gleichbedeutend mit einer vollständigen Legalisierung oder Entkriminalisierung von Marihuana auf Bundesebene wäre; bundesstaatliche Strafen für Konsum und Besitz würden bestehen bleiben.
Massive Auswirkungen auf die Cannabis-Industrie
Die potenzielle Umstufung von Marihuana von einer Schedule I- zu einer Schedule III-Droge könnte die Cannabis-Industrie erheblich beeinflussen. Sie würde den Kauf und Verkauf von Cannabisprodukten deutlich erleichtern und die Profitabilität der Branche steigern. Insbesondere würde sie Barrieren für die Forschung abbauen und einen erheblichen Schub für die Multi-Milliarden-Dollar-Cannabis-Industrie bedeuten.
Eine der größten finanziellen Erleichterungen wäre die Befreiung vom IRS Code 280E. Dieser verhindert derzeit, dass Unternehmen, die mit Schedule I- oder II-Substanzen handeln, Standardbetriebsausgaben abziehen können. Ryan Hunter, Chief Revenue Officer bei Spherex, merkte an, dass einige Cannabis-Unternehmen unter dem aktuellen Gesetz effektive Steuersätze von bis zu 80 % haben. Die Eliminierung von 280E könnte angeschlagene Betreiber stabilisieren und Investitionen attraktiver machen.
Zudem könnte die Neuklassifizierung den Zugang zu Finanzierungen erleichtern, da bundesstaatliche Beschränkungen viele Banken und institutionelle Investoren vom Sektor fernhalten. Erste Berichte über Trumps Pläne, die bundesstaatlichen Beschränkungen für die psychoaktive Droge zu lockern, führten bereits zu einem Anstieg der Aktienkurse von Cannabis-Unternehmen wie Trulieve Cannabis, Canopy Growth und Tilray Brands. Mark Lewis, Präsident von Specialty Banking bei Lüt, bezeichnete die Neuklassifizierung als "den wichtigsten drogenpolitischen Schritt seit Jahrzehnten".
Politische Reaktionen und offene Fragen
Die Pläne Trumps stoßen auf unterschiedliche Reaktionen. Senator Ron Wyden (D-Ore.), der die Neuklassifizierung unterstützt, warf Trump vor, die Amerikaner "gaslighten" zu wollen, indem er den Eindruck erwecke, er habe Marihuana legalisiert. Wyden äußerte auf X: "Er hat Cannabis nicht entkriminalisiert oder die Akten von Schwarzen und Latinos gelöscht, die wegen geringfügiger Drogendelikte im Gefängnis sitzen. Dies ist nur ein Versuch, seine erbärmlichen Zustimmungsraten zu steigern."
Auch im Gespräch mit Sprecher Mike Johnson zeigte sich dieser skeptisch und führte Studien und Daten an, die seine Position gegen eine Neuklassifizierung stützten. Die anwesenden Branchenvertreter widersprachen Johnsons Argumenten. Obwohl Trump das Gespräch offenbar mit der Absicht beendete, die Beschränkungen zu lockern, betonen Insider, dass die Pläne noch nicht finalisiert sind und Trump seine Meinung noch ändern könnte. Ein Beamter des Weißen Hauses bestätigte am Freitag, dass "keine endgültigen Entscheidungen über die Neuklassifizierung von Marihuana getroffen wurden."
Die Biden-Administration hatte bereits vor Trumps Amtsantritt eine Neuklassifizierung von Marihuana angestrebt. Das Gesundheitsministerium (HHS) empfahl eine Umstufung zu Schedule III, doch dieser Vorschlag stockte. Die Drug Enforcement Administration (DEA) muss diese Empfehlung noch prüfen und wird die endgültige Entscheidung über die Neuklassifizierung treffen.
Aktueller Stand der Cannabis-Gesetze in den USA
Unabhängig von den bundesstaatlichen Diskussionen haben bereits mehr als 40 US-Bundesstaaten medizinisches Marihuana legalisiert. Darüber hinaus haben 24 Bundesstaaten und Washington, D.C. auch den Freizeitkonsum von Marihuana legalisiert. Diese lokalen Entwicklungen zeigen eine wachsende Akzeptanz und einen sich wandelnden Markt, der durch eine bundesstaatliche Neuklassifizierung weiter beschleunigt werden könnte.