
Trumps Executive Order: Cannabis-Neuklassifizierung und ihre Finanzfolgen
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Präsident Donald Trump hat mit einer Executive Order eine bedeutende Verschiebung in der US-Drogenpolitik eingeleitet. Diese Anordnung ebnet den Weg für die Neuklassifizierung von Marihuana von einer Schedule I- zu einer Schedule III-Substanz unter dem Controlled Substances Act. Für die Cannabis-Branche könnte dies weitreichende finanzielle und regulatorische Vorteile mit sich bringen, obwohl der Freizeitkonsum auf Bundesebene weiterhin illegal bleibt.
Trumps Executive Order und die Neuklassifizierung von Cannabis
Am 18. Dezember unterzeichnete Präsident Trump eine Executive Order, die die Neuklassifizierung von Marihuana von einer Schedule I- zu einer Schedule III-Substanz vorsieht. Diese Maßnahme ist eine der bedeutendsten Änderungen in der Drogenpolitik seit Jahrzehnten und wurde von Trump als Reaktion auf zahlreiche Anrufe von Menschen in Schmerz und Not begründet. Er betonte, dass dies einen "tremendously positive impact" haben werde.
Die Drogenpolitik in den USA wird durch den Controlled Substances Act (CSA) bestimmt, der Substanzen in fünf Kategorien oder "Schedules" einteilt. Schedule I ist die strengste Klassifizierung und gilt für Drogen mit hohem Missbrauchspotenzial, keiner akzeptierten medizinischen Anwendung in den USA und keiner sicheren Anwendung selbst unter medizinischer Aufsicht. Beispiele hierfür sind Heroin und LSD. Mit der Neuklassifizierung würde Marihuana in Schedule III eingestuft, zusammen mit Substanzen wie anabolen Steroiden, Ketamin und Tylenol mit Codein, die ein moderates bis geringes Potenzial für physische und psychische Abhängigkeit aufweisen.
Was die Neuklassifizierung für die Cannabis-Branche bedeutet
Die Umstufung von Marihuana zu einer Schedule III-Substanz könnte Cannabis-Unternehmen auf verschiedene Weisen zugutekommen:
- Forschung und Entwicklung: Unternehmen, die Marihuana- oder CBD-Produkte verkaufen, dürften weniger Hürden bei der klinischen Forschung und finanziellen Regulierung erfahren. Dies könnte die Erforschung von Nutzen, potenziellen Gefahren und zukünftigen Behandlungen erheblich erleichtern.
- Bankbeziehungen: Theoretisch könnte dies die Tür für verbesserte Beziehungen zu Banken öffnen. Diese sind derzeit eingeschränkt, wenn es darum geht, Unternehmen zu bedienen, die Produkte verkaufen, die nach Bundesgesetz verboten sind.
- Steuerlast: Die Neuklassifizierung könnte die erhebliche Steuerlast für die Cannabis-Industrie reduzieren. Nach Bundesgesetz sind Unternehmen, die Schedule I-Substanzen verkaufen, von bestimmten Steuerabzügen ausgeschlossen.
- Partnerschaften: Sollten Marihuana und CBD stärker in die moderne Medizin integriert werden, wäre es nicht überraschend, wenn führende Cannabis-Unternehmen Partnerschaften mit Pharma-Giganten eingehen würden.
Es ist wichtig zu betonen, dass diese Neuklassifizierung Marihuana nicht für den Freizeitkonsum auf nationaler Ebene legalisiert. Auch die Art und Weise, wie Strafverfolgungsbehörden mit Marihuana-bezogenen Verhaftungen umgehen, würde sich laut hochrangigen Regierungsbeamten nicht ändern.
Auswirkungen auf Forschung und CBD-Produkte
Die Executive Order fordert auch eine erweiterte Forschung und den Zugang zu CBD, einem legalen und zunehmend beliebten Hanf-Derivat. Die Vorteile von CBD zur Behandlung von Schmerzen, Angstzuständen und Schlafproblemen werden von Experten diskutiert.
Ein neues Medicare-Pilotprogramm würde älteren Erwachsenen den kostenlosen Zugang zu legalen, aus Hanf gewonnenen CBD-Produkten ermöglichen, sofern diese von einem Arzt empfohlen werden. Dr. Mehmet Oz, der die Centers for Medicare and Medicaid Services leitet, bestätigte dies. Das Gesundheitsministerium (HHS) wird zudem angewiesen, Forschungsmethoden und -modelle zu entwickeln, die reale Daten nutzen, um die langfristigen gesundheitlichen Auswirkungen von medizinischem Marihuana und Hanf-Cannabinoid-Produkten zu untersuchen.
Der Weg zur Umsetzung und politische Reaktionen
Die Umstufung erfordert noch einen aufwendigen Prozess, einschließlich eines formellen Regelsetzungsverfahrens durch die Drug Enforcement Administration (DEA). Dieses Verfahren beinhaltet eine öffentliche Kommentierungsphase, die bereits Zehntausende von Reaktionen aus den USA hervorgerufen hat. Präsident Trump hat angeordnet, dass dieser Prozess "so schnell wie rechtlich möglich" vorangetrieben wird, ein genauer Zeitplan bleibt jedoch unklar.
Die Idee einer Neuklassifizierung ist nicht neu; bereits unter Trumps demokratischem Vorgänger Joe Biden hatte das Justizministerium eine Umstufung zu einer Schedule III-Substanz vorgeschlagen. Die Meinungen innerhalb der Republikanischen Partei sind jedoch geteilt. Während Trump angab, überwältigende Unterstützung für diesen Schritt erhalten zu haben, haben sich über 20 republikanische Senatoren, angeführt von Senator Ted Budd aus North Carolina, gegen eine Änderung ausgesprochen. Sie argumentierten, dass Marihuana weiterhin gefährlich sei und eine Umstufung die Bemühungen, "Make America Great Again" zu untergraben, würde.
Marktstimmung und Anlegerperspektiven
Die Spekulationen über Trumps Politikänderungen führten zunächst zu kurzzeitigen Kursanstiegen bei großen Akteuren der Marihuana-Industrie, darunter Trulieve Cannabis, Curaleaf Holdings, Tilray Brands und Green Thumb Industries. Nach der Unterzeichnung der Executive Order kam es jedoch zu einem scharfen Ausverkauf der Cannabis-Aktien zum Wochenschluss.
Die öffentliche Meinung in den USA tendiert stark zu einem weniger restriktiven Ansatz. Eine Gallup-Umfrage zeigt, dass die Unterstützung für die Legalisierung von Marihuana von 36 % im Jahr 2005 auf 64 % in diesem Jahr gestiegen ist, obwohl sie in den letzten Jahren leicht gesunken ist, hauptsächlich aufgrund abnehmender Unterstützung unter Republikanern. Eine Pew-Umfrage ergab, dass 57 % der Amerikaner Cannabis für medizinische und Freizeitzwecke legalisieren möchten, während 32 % es nur für medizinische Zwecke befürworten.