
Unilevers Influencer-Strategie: Wie ein Konsumgüterriese die Creator Economy revolutioniert
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Der Konsumgüterriese Unilever hat mit seiner "Influencer-First"-Strategie eine massive Umwälzung im Marketingsektor angestoßen. Die Entscheidung, die Zusammenarbeit mit Influencern drastisch zu erhöhen und einen Großteil des Werbebudgets auf soziale Medien zu verlagern, hat einen Goldrausch in der Creator Economy ausgelöst und andere Marken zum Umdenken bewegt.
Unilever setzt auf Influencer: Eine Branchenrevolution
Im März kündigte Fernando Fernández, CEO von Unilever, eine neue "Influencer-First"-Strategie an. Das Unternehmen, bekannt für Marken wie Dove, Hellmann's und Vaseline, plant, mit der 20-fachen Anzahl von Influencern zusammenzuarbeiten und die Hälfte seines Werbebudgets – eine Steigerung von 30% auf 50% – in soziale Medien zu investieren. Diese strategische Neuausrichtung ist eine Reaktion auf eine fragmentierte Medienlandschaft, in der traditionelle Kanäle an Bedeutung verlieren und algorithmusgesteuerte Plattformen ein zielgerichtetes Engagement ermöglichen.
Die Auswirkungen dieser Ankündigung waren weitreichend. Marketingberater, Führungskräfte, Talentagenten und Brancheninsider sprechen von einem galvanisierenden Ereignis für den Influencer-Marketing-Bereich. Ruben Schreurs, CEO der Marketing- und Medienberatung Ebiquity, kommentierte, dass Unilevers Engagement unweigerlich zu einer erhöhten Nachfrage auf der Angebotsseite führe, was eine "signifikante Preisinflation und eine Welle neuer Marktteilnehmer" zur Folge habe. Aktuell arbeitet Unilever bereits mit "nahezu 300.000 Influencern" weltweit zusammen.
Der Dominoeffekt: Andere Marken ziehen nach
Unilevers hochgestecktes "20X"-Ziel hat andere Werbetreibende dazu ermutigt, ihre Influencer-Marketing-Strategien zu überdenken und in einigen Fällen ihre Ausgaben zu erhöhen. Ein Marketingberater berichtete von einer "unglaublichen Menge eingehender Anrufe" von Fortune 500-Marken, die seit Unilevers Ankündigung im März ihr Influencer-Marketing-Investment steigern wollten. Eine dieser Anfragen, so der Berater, zitierte Unilever direkt als Inspiration für den Aufbau einer Influencer-Marketing-Roadmap.
Sarah Mansfield, eine Marketingberaterin und bis 2024 VP Global Media bei Unilever, bestätigte den Nachahmungseffekt: "Wo Unilever hingeht, folgen andere." Während der jüngsten Quartalsberichtssaison haben Führungskräfte großer Werbetreibender wie General Mills, SharkNinja, Victoria's Secret, Gap, Allbirds, Bath & Body Works und Asos detailliert dargelegt, wie sie ihre Influencer-Marketing-Budgets erhöht haben oder dies planen. José Antonio Ramos, CEO des Online-Modehändlers Asos, betonte in einem aktuellen Earnings Call die geplante stärkere Integration von "Community und Influencern" als große Veränderung. Laut einem Bericht des Interactive Advertising Bureau (IAB) wird der US-Werbeaufwand für Creator im Jahr 2025 voraussichtlich 37 Milliarden US-Dollar erreichen, was einem Anstieg von 26% gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Nicht alle Creator profitieren gleichermaßen
Obwohl Unilevers Strategie einen "Goldrausch" ausgelöst hat, kommt dieser nicht allen Creatorn gleichermaßen zugute. Asti Wagner, CEO der App Invyted, die Marken mit Influencern verbindet, beobachtet, dass die Preisinflation "weitgehend auf das Makro-Segment des Marktes konzentriert" ist. Dies betrifft Creator mit über 100.000 Followern und einer Vertretung durch Talentmanager, die schnell auf Nachrichten über steigende Budgets großer Marken reagieren, indem sie ihre Honorare erhöhen.
Im Bereich des User-Generated Content (UGC), bei dem Creator Inhalte für die Nutzung auf den Firmenkonten von Marken verkaufen, stieg die Zahl der UGC-Creator im Jahr 2024 um 93% gegenüber dem Vorjahr. Dies führte jedoch zu einem Rückgang des durchschnittlichen Markenaufwands pro Influencer-Kooperation von 214 US-Dollar auf 202 US-Dollar. Raf McDonnell, Gründer der Talentagentur Talent & Brands, merkt an, dass ein gesättigter Markt auf der Angebotsseite dem Anstieg der Nachfrage von Marken wie Unilever entgegenwirkt. In reiferen Märkten wie den USA und Großbritannien beginnen sich die Raten für Creator-Marketing zu stabilisieren. Ein Beispiel für Unilevers breite Strategie ist eine Knorr-Kampagne, bei der 284 Dating- und Koch-Creator in 29 Märkten eingesetzt wurden, um Gen Z anzusprechen.
Die Professionalisierung der Creator Economy
Die Creator Economy hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt und professionalisiert. Goldman Sachs prognostizierte vor zwei Jahren, dass der Sektor bis 2027 auf 480 Millionen US-Dollar anwachsen würde; neuere Studien schätzen, dass der Markt bis 2032 sogar über 1,18 Milliarden US-Dollar erreichen wird, mit einer jährlichen Wachstumsrate von 24,6%. Der globale Wert des Sektors wird Ende 2025 voraussichtlich über 190 Milliarden Pfund erreichen. Creator agieren zunehmend als eigene Unternehmen und werden zu strategischen Partnern für Marken.
Sie entwickeln sich zu echten Medienmachtzentren, die die Zukunft von Nachrichten, Unterhaltung und Handel prägen. Das Reuters Institute stellte fest, dass unter 35-Jährige Nachrichten eher über Creator (48%) als über traditionelle Kanäle (41%) konsumieren. Plattformen wie TikTok, Instagram, Substack und YouTube sind primäre Zielgruppenadressen. Einige Creator haben ihre Reichweite genutzt, um eigene Marken aufzubauen: Jimmy "Mr. Beast" Donaldson erzielte mit Feastables-Schokolade 250 Millionen US-Dollar Umsatz, Logan Pauls Prime Hydration-Getränke sind ein Milliarden-Dollar-Geschäft, und Kendall Jenner lancierte 818 Tequila. Auch Streaming-Plattformen wie Roku und Tubi integrieren Creator-Kanäle in ihr Angebot.
Zukunftsperspektiven: KI und neue Medienmacht
Die Creator Economy steht weiterhin vor dynamischen Veränderungen, wobei Künstliche Intelligenz (KI) eine immer größere Rolle spielt. KI-Technologien unterstützen Creator bereits mit datengestützten Einblicken und Analysen zu Nutzerverhalten und Markttrends, um ihre Strategien zu optimieren. Gleichzeitig wachsen die Bedenken: Mehr als sechs von zehn Creatorn befürchten, dass virtuelle Influencer die Konkurrenz erhöhen könnten. Überraschenderweise vertrauen 76% der Konsumenten virtuellen Influencern bei Produktempfehlungen.
Unilever selbst erforscht den Einsatz von Generativer KI in seinen Marketingprozessen, einschließlich der Entwicklung einer "AI beauty marketing assembly line" zur Rationalisierung der Content-Erstellung und Steigerung der Marketingeffizienz. Für Großereignisse wie die FIFA Weltmeisterschaft plant Unilever eine "Social-First"-Strategie, die eine große Anzahl von Creatorn und KI nutzt, um Storytelling und Engagement zu verstärken. Die Aktivierung von Sponsoring durch Creator kann die Markenbekanntheit erheblich steigern; Zack Sugarman von Two Circles stellte fest, dass Marken eine 200%ige Steigerung der Bekanntheit erfahren, wenn sie offizielle Sport-IPs aktivieren. Dies unterstreicht die wachsende Bedeutung von Creatorn als integraler Bestandteil moderner Marketingstrategien.