
United CEO Kirby strebt American-Fusion an: Eine Analyse der Mega-Deal-Pläne
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Der CEO von United Airlines, Scott Kirby, hat erneut sein Interesse an einer Übernahme des Konkurrenten American Airlines bekundet. Diese Mitteilung, die Mitte April 2026 bekannt wurde, markiert den dritten Versuch des Luftfahrtmanagers, die Branchenlandschaft neu zu gestalten. Obwohl American Airlines am Freitag erklärte, "nicht an Gesprächen über eine Fusion mit United Airlines beteiligt oder interessiert" zu sein, halten Quellen, die mit Fortune sprachen, einen solchen Zusammenschluss angesichts eines Präsidenten, der "große Deals liebt", für "nicht unmöglich".
Kirbys kühne Vision: Eine Mega-Fusion im Blick
Scott Kirbys Ambitionen, American Airlines zu erwerben, sind nicht neu. Bereits im Februar und Ende Februar 2026 soll er die Idee einer Fusion mit American Airlines gegenüber Beamten der Trump-Administration und Präsident Donald Trump selbst geäußert haben. Berichten zufolge argumentierte Kirby, dass ein kombiniertes United-American-Unternehmen besser positioniert wäre, um mit ausländischen Fluggesellschaften zu konkurrieren, die typischerweise die Langstreckenkapazität, internationale Routen und den globalen Marktanteil von und nach den USA dominieren. In einem Interview im September 2025 mit CBS News betonte Kirby, dass etwa zwei Drittel der internationalen Langstreckenflüge in die und aus den Vereinigten Staaten von ausländischen Fluggesellschaften durchgeführt werden, obwohl nur 40 % der Passagiere US-Bürger sind. Er sieht es als Mission, "diesen Handelsdefizit mit internationalen Fluggesellschaften zu schließen" und eine "großartige amerikanische Fluggesellschaft zu schaffen".
Ein Architekt der Airline-Konsolidierung
Kirby hat eine lange Geschichte kühner Ideen und erfolgreicher Fusionen. Anfang der 2000er Jahre stieg er bei America West zum Top-Leutnant von CEO Doug Parker auf. Im Jahr 2005 orchestrierten die beiden die Übernahme der deutlich größeren U.S. Airways aus Chapter 11. Im Jahr 2007 stieß der heutige American-CEO Robert Isom als Chief Operating Officer zu U.S. Airways (das den Namen des übernommenen Unternehmens annahm) und diente zusammen mit CEO Parker und Präsident Kirby in einem Team, das als "Dream Team" der Branche bekannt wurde. Kirby erwarb sich einen Ruf als einer der Besten im Bereich Netzwerkplanung und Ertragsmanagement. Jim Olson, der mit Kirby bei US Airways und United zusammenarbeitete, beschreibt ihn als "die intelligenteste Person, mit der ich je gearbeitet habe" und vergleicht ihn mit einem "KI-Supercomputer" bei der Routenplanung.
Im Dezember 2013 wiederholte das Führungstrio das "David gegen Goliath"-Manöver, als U.S. Airways American Airlines aus der Insolvenz rettete und erneut den Namen des größeren Unternehmens annahm. Parker, Kirby und Isom führten das Unternehmen als CEO, Präsident und COO weiter und schafften ein Comeback, das den Aktienkurs von American Mitte der 2010er Jahre wieder auf das Niveau vor der globalen Finanzkrise brachte. Nachdem Parker deutlich gemacht hatte, dass Kirby nicht sein Nachfolger werden würde, wechselte Kirby 2016 als Präsident und designierter Nachfolger zu United Airlines. Dort baute er auf dem Erfolg seines Vorgängers Oscar Munoz auf, indem er das Geschäft im oberen Marktsegment ausbaute und sich als Meister darin profilierte, hochpreisige Geschäftskunden zu gewinnen, ähnlich dem von Delta Airlines entwickelten Modell.
Americas Herausforderungen und Kirbys Strategie
Im Gegensatz zu United und Delta, die auf wohlhabende Fluggäste setzten, konzentrierte sich American Airlines auf den Preiswettbewerb und entfernte sogar Premium-Reihen aus seinen Flugzeugen. Diese Strategie führte zu niedrigen Erträgen pro verkauftem Sitzplatz, da American seine Konkurrenz eher in Billigfluggesellschaften wie Spirit und Frontier sah. Die geringe Profitabilität und die hohen Schuldenstände machten die Fluggesellschaft extrem anfällig für den COVID-Shutdown. Um zu überleben, häufte American gigantische Schulden an, die die Finanzen des Unternehmens bis heute belasten. Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei etwas über 8 Milliarden US-Dollar, was einem Viertel bzw. einem Fünftel der Werte von United und Delta entspricht. Angesichts der enormen Umsätze von American unterstreicht diese geringe Bewertung die Skepsis der Investoren hinsichtlich der Zukunftsaussichten.
Kirby würde somit zum zweiten Mal ein angeschlagenes American Airlines verfolgen. Er sieht in Zeiten hoher Treibstoffpreise eine Chance für United, "Vermögenswerte zu erwerben" und "stärker aus der Krise hervorzugehen".
Regulatorische Hürden und Wettbewerbsbedenken
Eine Fusion zwischen United und American Airlines wäre ein beispielloser Schritt in der modernen Airline-Branche und würde voraussichtlich auf erheblichen Widerstand stoßen. Die Genehmigung eines solchen Zusammenschlusses ist "alles andere als klar". Eine Kombination der beiden Fluggesellschaften würde ein Gigantenunternehmen schaffen, das nach Daten vom April 2026 über 40 Millionen Sitze pro Monat anbieten würde – fast doppelt so viele wie der nächste Konkurrent Delta. Basierend auf Daten des Bureau of Transportation Statistics halten United und American derzeit etwa 16 % bzw. 17 % des US-Inlandsmarktanteils. Ein Zusammenschluss würde rund 33 % des gesamten US-Inlandsverkehrs kontrollieren und zwei der drei großen globalen Allianzen, Star Alliance und oneworld, vereinen.
Kritiker warnen eindringlich vor den Folgen für Passagiere. Ganesh Sitaraman, Direktor des Vanderbilt Policy Accelerator, bezeichnete eine potenzielle United-American-Fusion als "absolute Katastrophe für die fliegende Öffentlichkeit". Er befürchtet: "Weniger Auswahl bedeutet höhere Ticketpreise, mehr Gebühren und weniger Optionen für jeden, der von Punkt A nach Punkt B gelangen möchte." William McGee vom American Economic Liberties Project nannte den angedachten Deal "zweifellos die absurdeste Airline-Fusion, von der ich in 41 Jahren in dieser Branche je gehört habe". Er betonte, dass eine solche Konzentration an der Spitze der Branche historisch beispiellos wäre und bereits die bisherige Konsolidierung den Verbrauchern geschadet habe.
Regulierungsbehörden würden sich primär auf die Aufrechterhaltung eines wettbewerbsfähigen Marktes konzentrieren. Die Entfernung eines großen Akteurs aus dem Markt würde Bedenken hinsichtlich steigender Preise und eingeschränkter Flugoptionen für Verbraucher aufwerfen. Frühere Versuche, Fluggesellschaften zu fusionieren, wie der geplante Zusammenschluss von JetBlue und Spirit im Jahr 2024, wurden vom Justizministerium wegen kartellrechtlicher Bedenken blockiert.
Potenzielle Auswirkungen auf Passagiere und Markt
Sollte eine Fusion genehmigt werden, könnten sich die Auswirkungen auf Passagiere und den Markt vielfältig gestalten. Les Alexander, Professor an der University of Virginia’s Darden School of Business und Fusionsexperte, vermutet, dass es bei diesem Deal vor allem um Kosteneinsparungen zur Steigerung der Profitabilität geht. Durch die Kombination zweier Fluggesellschaften könnten Effizienzen erzielt werden.
- Hub-Konsolidierung: Beide Fluggesellschaften betreiben Drehkreuze an den Flughäfen Chicago O’Hare und Los Angeles International. Auch in den Regionen New York und Washington, D.C. könnten Hubs zusammengelegt werden, was zu Effizienzsteigerungen und Kosteneinsparungen führen könnte.
- Wettbewerbsdruck: Eine Fusion würde einen Konkurrenten vom Markt nehmen, der möglicherweise Druck auf die Flugpreise ausübt.
- Preise und Vielfliegermeilen: Alexander warnt, dass Ticketkosten und Vielfliegermeilen für Reisende gefährdet sein könnten.
Trotz der Bedenken äußerte Captain Dennis Tajer, Sprecher der Allied Pilots Association, der Gewerkschaft, die 16.000 Piloten von American Airlines vertritt, ein "durchaus faszinierendes" Interesse an einer möglichen Fusion. Er betonte die Bedenken der Gewerkschaft hinsichtlich der finanziellen, operativen und kundenbezogenen Unterperformance von American Airlines unter der aktuellen Führung.
Zukunftsaussichten und weitere Konsolidierung
Die Luftfahrtbranche ist seit den 2000er Jahren von einem Dutzend großer Fluggesellschaften zu den "Big Four" (American, Delta, United, Southwest) konsolidiert worden. Der Verkehrsminister Sean Duffy deutete an, dass die Trump-Administration offen für weitere Konsolidierungen in der Luftfahrtindustrie sei. United wird als potenzieller, wenn auch nicht wahrscheinlicher, Käufer von JetBlue angesehen, sollte die Marktlage einen Verkauf erzwingen. Kirby selbst sagte in einem Interview im letzten Monat, dass anhaltend hohe Treibstoffpreise eine Gelegenheit für United sein könnten, zu expandieren und "Vermögenswerte zu erwerben".
Experten halten eine Fusion zwischen United und American jedoch für unwahrscheinlich, da United so viele Zugeständnisse machen müsste, dass sich der Kauf von American möglicherweise nicht lohnen würde. Dennoch zeigt Kirbys bisherige Erfolgsbilanz, dass er bei seinen Deal-Absichten ernsthaft ist. Die jüngste Genehmigung der Übernahme von Hawaiian Airlines durch Alaska im Jahr 2024 zeigt, dass Konsolidierungen weiterhin möglich sind, auch wenn große Fusionen wie die von JetBlue und Spirit im Jahr 2024 blockiert wurden.