UPS Frachtflugzeugabsturz: Boeing-Warnung von 2011 im Fokus der NTSB

UPS Frachtflugzeugabsturz: Boeing-Warnung von 2011 im Fokus der NTSB

Aktualisiert:
4 Min. Lesezeit
AI-Generated
Human-verified
Teilen:

Keine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken

Der verheerende Absturz eines UPS Frachtflugzeugs im November 2025, bei dem 15 Menschen ums Leben kamen, wirft neue Fragen zur Flugsicherheit und Wartung älterer Flugzeugmodelle auf. Eine aktuelle Untersuchung des National Transportation Safety Board (NTSB) enthüllt, dass Boeing bereits 2011 vor einem Bauteil gewarnt hatte, das zum Absturz beitrug, es damals jedoch nicht als Sicherheitsrisiko einstufte.

Tragischer Absturz in Louisville

Am 4. November 2025 stürzte ein UPS Frachtflugzeug kurz nach dem Start in Louisville, Kentucky, ab. Das Flugzeug, eine MD-11, war auf dem Weg nach Hawaii, als das linke Triebwerk abriss, während es über die Startbahn rollte. Bei dem Unglück kamen alle drei Piloten an Bord sowie zwölf weitere Personen in einem Geschäftskomplex nahe des Muhammad Ali International Airport ums Leben. Das Flugzeug, beladen mit bis zu 20.000 Paketen und 38.000 Gallonen Treibstoff, erreichte zum Zeitpunkt des Absturzes eine Geschwindigkeit von fast 320 km/h.

Boeing-Warnung von 2011 im Fokus

Das NTSB gab am Mittwoch bekannt, dass Boeing bereits 2011 vier frühere Ausfälle eines Teils dokumentiert hatte, das die Triebwerke der MD-11 an den Flügeln befestigt. Diese Vorfälle betrafen drei verschiedene Flugzeuge. Damals kam der Flugzeughersteller, dessen Unternehmen McDonnell Douglas die MD-11 ursprünglich gebaut hatte, zu dem Schluss, dass dies "keine Gefahr für die Flugsicherheit" darstellen würde.

Ermittler fanden nach dem UPS-Absturz Risse in den Halterungen des Triebwerks. Diese Risse waren bei routinemäßigen Wartungsarbeiten nicht entdeckt worden, was Fragen zur Angemessenheit des Wartungsplans aufwirft. Die letzte detaillierte Inspektion dieser kritischen Triebwerkshalterungen erfolgte im Oktober 2021, wobei die nächste umfassende Überprüfung erst nach etwa 7.000 weiteren Starts und Landungen fällig gewesen wäre.

Parallelen zu historischem Unglück

Der UPS-Absturz weist Ähnlichkeiten mit einem tödlichen Unglück aus dem Jahr 1979 in Chicago auf, bei dem ebenfalls ein Triebwerk einer American Airlines DC-10 während des Starts abriss und 273 Menschen tötete. Die DC-10 gilt als Vorgängermodell der MD-11. Dieser frühere Absturz führte zu einem weltweiten Startverbot für 274 DC-10-Flugzeuge.

Obwohl die NTSB damals feststellte, dass Wartungspersonal das Flugzeug durch unsachgemäßen Einsatz eines Gabelstaplers beschädigt hatte, identifizierte ein Service Bulletin von McDonnell Douglas aus dem Jahr 1980 Ausfälle des Kugelgelenklagers (spherical bearing race) als "Gefahr für die Flugsicherheit". Dies wirft die Frage auf, warum Boeing 2011 eine andere Einschätzung vornahm.

Kritik an fehlenden FAA-Vorschriften

Das von Boeing 2011 herausgegebene Service Bulletin forderte die Flugzeugbesitzer nicht auf, Reparaturen vorzunehmen, wie es eine Lufttüchtigkeitsanweisung der FAA (Federal Aviation Administration) getan hätte. Die FAA erließ damals keine solche Anweisung. Der ehemalige Bundesermittler Alan Diehl erklärte, die Mitteilung von Boeing habe zwar den Austausch der Lager durch ein neu konstruiertes, weniger fehleranfälliges Teil empfohlen, aber auch erlaubt, defekte Lager durch ältere, bekanntermaßen anfällige Teile zu ersetzen.

Diehl betonte: "Die NTSB wird im Zuge der weiteren Untersuchung klären müssen, ob dieses Service Bulletin eine adäquate Lösung für ein bekanntes Problem war, das katastrophale Folgen haben konnte." Er fügte hinzu, der UPS-Absturz unterstreiche die Notwendigkeit erhöhter Wartungsmaßnahmen bei älteren Flugzeugzellen.

Finanzielle und rechtliche Konsequenzen

Obwohl der NTSB-Bericht vom Mittwoch noch keine endgültige Absturzursache nennt, konzentrieren sich die Ermittler klar auf das Versagen des Kugelgelenklagers. Die endgültigen Schlussfolgerungen werden erst im Abschlussbericht des NTSB erwartet, der üblicherweise mehr als ein Jahr nach einem Absturz veröffentlicht wird.

Der Bericht wird jedoch zweifellos in der ersten Klage, die bereits im letzten Monat eingereicht wurde, und in weiteren folgenden Klagen zitiert werden. Anwalt Brad Cosgrove von der Kanzlei Clifford Law, die die erste Klage eingereicht hat, kommentierte: "Ich denke, dies zeigt noch deutlicher, dass es Warnzeichen gab, die dem Absturz vorausgingen und die jede vernünftige Organisation hätte nutzen sollen, um sicherzustellen, dass der Absturz in Louisville nicht passiert." Die Klagen werden untersuchen, was Boeing zu diesem Zeitpunkt wusste und wie UPS auf das Bulletin von 2011 reagierte.

Alter der Flugzeuge und Branchenauswirkungen

Das abgestürzte MD-11-Flugzeug war 34 Jahre alt und hob nur etwa 9 Meter vom Boden ab, bevor es in mehrere Industriegebäude einschlug und einen massiven Feuerball verursachte. Kommerzielle Fluggesellschaften haben diesen Flugzeugtyp aufgrund seiner geringeren Effizienz im Vergleich zu neueren Modellen bereits vor Jahren ausgemustert. Frachtfluggesellschaften wie UPS und FedEx sowie einige Feuerlöschflugzeuge nutzten sie jedoch weiterhin. Seit dem Absturz wurden alle noch im Einsatz befindlichen MD-11s und zehn verwandte DC-10s gegroundet.

Cosgrove äußerte die Meinung, dass sich letztendlich herausstellen werde, dass diese MD-11s "wahrscheinlich hätten ausgemustert werden sollen und ihre Lebensdauer überschritten hatten." Boeing, UPS und die Federal Aviation Administration lehnten eine Stellungnahme zum NTSB-Bericht ab, da die Untersuchung noch läuft. UPS-Sprecher Jim Mayer drückte sein tiefes Beileid aus: "Unsere Gedanken sind weiterhin bei den Familien und der Gemeinde von Louisville, die trauern, und wir konzentrieren uns weiterhin auf die Bergungsarbeiten."

Erwähnte Persönlichkeiten