
US-Arbeitsmarkt 2025: Ungleiches Wachstum und Herausforderungen für 2026
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Das Jahr 2025 endete für den US-Arbeitsmarkt mit einem verhaltenen Wachstum, das von starken Ungleichgewichten geprägt war. Während das Gesundheitswesen als Motor für die Jobschaffung glänzte, kämpften andere Sektoren mit Stellenabbau und Stagnation, was die Jobsuche für viele frustrierend gestaltete.
Ein Arbeitsmarkt der Extreme: 2025 im Rückblick
Im Jahr 2025 wurden in den USA lediglich 584.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, ein deutlicher Rückgang gegenüber den Vorjahren, insbesondere im Vergleich zu den 2 Millionen neuen Jobs im Jahr 2024. Dies markierte das schwächste Jahr für das Beschäftigungswachstum seit 2020 und, abgesehen von 2020, das niedrigste jährliche Jobwachstum seit 2009. Daniel Zhao, Chefökonom bei Glassdoor, kommentierte, der Arbeitsmarkt ende das Jahr eher mit einem "Zischen als mit einem Knall".
Die Ungleichheit des Arbeitsmarktes war ein zentrales Thema. Laura Ullrich, Direktorin für Wirtschaftsforschung bei Indeed Hiring Lab, stellte fest, dass es 2025 keinen einzigen Monat gab, in dem so viele Arbeitsplätze geschaffen wurden wie im Durchschnitt des Jahres 2024. Diese Entwicklung zeigt, dass das Wachstum in nur wenigen Sektoren die zugrunde liegende Schwäche des Rests der Wirtschaft überdeckte.
Das Gesundheitswesen als Jobmotor
Das Gesundheitswesen und die Sozialfürsorge erwiesen sich 2025 als die klaren Gewinner auf dem Arbeitsmarkt. Zusammen schufen diese Sektoren über 700.000 Arbeitsplätze. Allein das Gesundheitswesen war für etwa 69 % des gesamten Jobwachstums verantwortlich.
Das Wachstum im Gesundheitssektor war breit gefächert:
- Über 100.000 neue Stellen im ambulanten Gesundheitswesen.
- Über 100.000 neue Stellen in Krankenhäusern.
- Rund 84.000 neue Stellen in Pflege- und Wohneinrichtungen.
Die Gründe für dieses anhaltende Wachstum liegen laut dem Bureau of Labor Statistics in den Bedürfnissen einer alternden Bevölkerung und der Zunahme chronischer Erkrankungen. Auch die Sozialfürsorge, insbesondere individuelle und familiäre Dienstleistungen, trug mit rund 289.000 neuen Jobs erheblich bei. Laura Ullrich merkte jedoch an, dass ein einfacher Wechsel von anderen Branchen, wie dem verarbeitenden Gewerbe, ins Gesundheitswesen aufgrund der erforderlichen speziellen Fähigkeiten und Ausbildungen nicht leicht ist.
Rückgang in der Bundesverwaltung und bei Dienstleistern
Während das Gesundheitswesen florierte, erlebten andere Sektoren einen deutlichen Rückgang. Die Beschäftigung in der Bundesverwaltung sank im Dezember 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 274.000 Stellen. Dies war der größte Rückgang innerhalb eines Jahres seit 1946, kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, und vergleichbar mit dem Stellenabbau im Jahr 1953 nach dem Koreakrieg. Keith Sonderling, stellvertretender Arbeitsminister, erklärte, dies sei eine Folge des Versprechens des Präsidenten, die Bundesregierung "auf die richtige Größe zu bringen".
Auch einige "White-Collar"-Sektoren verzeichneten Jobverluste. Der Sektor der professionellen und geschäftlichen Dienstleistungen verlor 97.000 Stellen, wobei die Zeitarbeitsdienste um 99.200 Stellen zurückgingen. Laura Ullrich führte die Schwäche in diesen Bereichen auf mehrere Faktoren zurück, darunter die Verschiebung von Investitionen in KI statt in Personal, wirtschaftliche Unsicherheit und eine mögliche Überbesetzung in den Vorjahren. Das verarbeitende Gewerbe verlor im Dezember 8.000 Arbeitsplätze und befindet sich seit zehn Monaten in einer Flaute, beeinflusst durch Zölle und steigende Komponentenkosten, was die Moral der Mitarbeiter beeinträchtigt.
Junge Arbeitnehmer und die Angst vor der Zukunft
Besonders junge Menschen trugen die Hauptlast des verlangsamten Arbeitsmarktes, wie Guy Berger vom Burning Glass Institute feststellte. Dies betraf nicht nur Hochschulabsolventen, sondern auch Absolventen mit High-School- oder Associate-Abschlüssen. Eine Umfrage von Careerminds unter 3.011 Amerikanern im Alter von 18 bis 25 Jahren offenbarte eine Mischung aus Optimismus und tiefer Besorgnis über die Zukunft.
Die Hauptsorgen junger Arbeitnehmer umfassen:
- Arbeitsplatzsicherheit: 32 % der derzeit Beschäftigten erwarten bis Ende 2026 keine stabile Anstellung.
- Einfluss der KI: Fast die Hälfte (48 %) gab an, dass negative Nachrichten über Automatisierung ihre Karriereplanung direkt beeinflusst haben.
- **Lebenshaltungskosten:** 66 % mussten ihre Karriereentscheidungen aufgrund steigender Ausgaben anpassen.
- Nebenjobs: Mehr als ein Drittel (36 %) hält es für "sehr wahrscheinlich", 2026 einen zweiten Job zu benötigen, um die Grundkosten zu decken.
Die Motivation verschiebt sich weg von prestigeträchtigen Jobtiteln hin zu langfristigen Lebenszielen, wobei finanzielle Freiheit für 32 % der Befragten der größte Motivator ist. Regional gab es auch Unterschiede in der Zuversicht, wobei Staaten wie Nevada, Georgia und Texas optimistischer waren als Delaware, Rhode Island oder West Virginia.
Herausforderungen und Ausblick für 2026
Der Arbeitsmarkt im Dezember 2025 zeigte eine Arbeitslosenquote von 4,4 %, leicht gesunken von 4,5 % im November, aber immer noch erhöht im Vergleich zum Jahresbeginn. Die Zahl der Arbeitslosen lag bei 7,5 Millionen. Besorgniserregend ist der Anstieg der Langzeitarbeitslosigkeit (27+ Wochen) auf 1,9 Millionen Arbeitnehmer, ein Anstieg von 26 % im Jahresverlauf. Diese Gruppe macht nun 26,0 % aller Arbeitslosen aus, was darauf hindeutet, dass Arbeitslosigkeit zunehmend zu einem dauerhaften Zustand wird.
Auch die Zahl der unfreiwillig Teilzeitbeschäftigten stieg um 23 % auf 5,3 Millionen, da viele Arbeitnehmer keine Vollzeitstellen finden konnten. Änderungen in der US-Einwanderungspolitik, wie strengere Grenzkontrollen und das Ende temporärer Arbeitsprogramme, haben zudem das Arbeitskräfteangebot in Sektoren wie Bauwesen, Gastgewerbe und Landwirtschaft verknappt. Gleichzeitig sinkt das Interesse ausländischer Fachkräfte an US-Jobs, was zu engeren Arbeitsbedingungen führt.
Für 2026 erwarten Ökonomen ein etwas einfacheres Jahr für die Jobsuche, da Unternehmen weniger mit der Unsicherheit einer neuen Regierung zu kämpfen haben. Aaron Terrazas, ein unabhängiger Ökonom, prognostiziert mehr Investitionen und Geschäftsplanungen, die zu einer robusteren Jobschaffung führen könnten. Guy Berger sieht trotz der aktuellen Berichte keine Rezession am Horizont, sondern eher eine Verringerung der Wahrscheinlichkeit dafür. Der Arbeitsmarkt könnte sich langsam erholen, aber wie Terrazas es ausdrückt: "Der Arbeitsmarkt ist in gewisser Weise wie jemand, der sich von einem Skiunfall erholt – irgendwann wird es besser, aber man kommt nie ganz dahin zurück, wo man vorher war." Die Federal Reserve senkte im Dezember zum dritten Mal seit September ihren Leitzins, um den Arbeitsmarkt zu stützen.