
US-Arbeitsmarktbericht: Fed-Zinspolitik, Dollar & globale Marktreaktionen
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Der mit Spannung erwartete US-Arbeitsmarktbericht (Non-Farm Payrolls, NFP), veröffentlicht am 16. Dezember 2025, liefert entscheidende Einblicke in die Wirtschaftslage und beeinflusst maßgeblich die Erwartungen an die Zinspolitik der Federal Reserve. Während der US-Dollar Stärke zeigt und der Yen unter Druck gerät, reagieren die globalen Märkte, darunter Wall Street und der Ölpreis, auf die jüngsten Daten und geopolitische Spannungen.
Der US-Arbeitsmarkt im Fokus
Der NFP-Bericht vom 16. Dezember 2025 bietet den ersten vollständigen Überblick über den US-Arbeitsmarkt seit September und ist ein entscheidender Faktor für die Zinsstrategie der Federal Reserve im Jahr 2026. Im Vorfeld des Berichts rechneten Analysten mit einem Anstieg der neuen Stellen auf 66.000 (von zuvor 64.000) und einem Rückgang der Arbeitslosenquote auf 4,5% bzw. 4,6%. Die durchschnittlichen Stundenlöhne (Average Hourly Earnings, AHE) wurden mit einem Anstieg von 3,5% auf 3,6% im Jahresvergleich prognostiziert.
Nach der Veröffentlichung zeigte der Bericht 64.000 neue Stellen, was die Erwartungen von 50.000 übertraf. Die Arbeitslosenquote stieg jedoch von 4,4% auf 4,6%. Zudem gab es Abwärtskorrekturen für die Daten vom September (-33.000) und Oktober (-105.000), was auf eine leichte Abschwächung des Arbeitsmarktes hindeutet. Experten empfehlen, sich auf die Anzahl der neu geschaffenen Stellen und die Entwicklung der AHE zu konzentrieren, da der Bericht durch den Regierungsstillstand und verzögerte Rücktritte von Bundesbediensteten verzerrt sein könnte.
Die US S&P Global PMIs, ebenfalls veröffentlicht, zeigten gemischte Ergebnisse. Der Dienstleistungs-PMI lag bei 52,9 und verfehlte die Erwartungen von 54,1. Der PMI für das Verarbeitende Gewerbe erreichte 51,9 gegenüber einer Schätzung von 52,2. Beide Werte lagen unter den Erwartungen, verblieben aber im Expansionsbereich.
Implikationen für die Fed-Zinspolitik
Der NFP-Bericht ist entscheidend, um zu beurteilen, ob die Federal Reserve mit ihren umstrittenen Zinssenkungen von 75 Basispunkten seit September richtig lag oder zu aggressiv vorgegangen ist. Aktuell preisen Investoren Zinssenkungen von rund 56 Basispunkten für dieses Jahr ein, was etwas mehr als zwei Viertelpunkt-Senkungen entspricht. Dies steht im Gegensatz zum jüngsten Dot Plot der Fed, der nur eine Senkung vorsah.
Eine starke Arbeitsmarktentwicklung, insbesondere bei beschleunigtem Lohnwachstum, könnte Händler dazu veranlassen, ihre Wetten auf Zinssenkungen zurückzuschrauben. Angesichts der Aufwärtsrevision des BIP-Wachstums im vierten Quartal auf 5,4% im Jahresvergleich (Atlanta Fed Modell) könnte ein robuster Arbeitsmarktbericht die Investoren davon überzeugen, dass weniger Zinssenkungen erforderlich sind. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte bei der Sitzung am 28. Januar wird nur auf 25% geschätzt, während die Chancen für spätere Senkungen moderat gestiegen sind.
Währungsentwicklungen: Dollar und Yen
Der US-Dollar konnte gegenüber seinen Hauptwährungspartnern zulegen, selbst nach einem leichten Anstieg der US-Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der Vorwoche. Investoren scheinen sich auf einen soliden Arbeitsmarktbericht eingestellt zu haben. Ein starker Bericht könnte die Erholung des US-Dollars fortsetzen, da die Erwartung geringerer Zinssenkungen den Greenback stützen würde.
Der japanische Yen leidet am stärksten, möglicherweise aufgrund geopolitischer Spannungen zwischen Japan und China sowie einer Verlangsamung des Lohnwachstums, was Investoren skeptisch gegenüber baldigen weiteren Zinserhöhungen der Bank of Japan macht. Das Währungspaar Dollar/Yen nähert sich dem Hoch vom 19. Dezember bei 157,77. Ein Überschreiten dieses Niveaus würde das Paar auf ein Jahreshoch treiben und könnte frische Interventionswarnungen des japanischen Finanzministeriums auslösen. Gold könnte unabhängig vom NFP-Ergebnis stark steigen, während der US-Dollar trotz seines derzeit niedrigen Niveaus ein größeres Potenzial für einen plötzlichen Wertanstieg hat.
Gemischte Signale von der Wall Street
Die großen US-Aktienindizes schlossen die Donnerstagssitzung uneinheitlich. Der S&P 500 legte zu, während der Nasdaq verlor und der Dow Jones nahezu unverändert schloss. Technologieaktien gaben nach, da ein potenziell starker NFP-Bericht höhere Kreditkosten und niedrigere Barwerte bedeuten könnte. Im Gegensatz dazu legten Verteidigungsunternehmen zu, nachdem US-Präsident Trump ein höheres Militärbudget von 1,5 Billionen US-Dollar forderte.
Trotz weiterhin aufgeblähter Bewertungen gibt es keine Anzeichen für ein Platzen der KI-Blase. Die Treiber, die die Wall Street 2025 auf Rekordhochs trieben, sind weiterhin intakt, insbesondere angesichts der Schätzungen für eine erstaunliche Leistung der US-Wirtschaft. Microsoft gehörte zu den wenigen Tech-Giganten, die zulegten, einen Tag nachdem es Apple bei der Marktkapitalisierung erstmals seit 2019 übertraf und zum zweitwertvollsten Unternehmen in den USA aufstieg.
Rohölpreise unter Spannung
Rohöl erholte sich am Donnerstag stark, da die Spannungen im Iran zunahmen und Bedenken hinsichtlich der iranischen Ölproduktion aufkamen. Ein landesweiter Internetausfall wurde gemeldet, während die Proteste gegen wirtschaftliche Schwierigkeiten anhielten.
Dennoch bleiben Bedenken hinsichtlich eines Überangebots bestehen, da es auf absehbare Zeit keine Begrenzung für den Verkauf von venezolanischem Öl gibt und die globalen Lagerbestände weiter steigen. Sofern sich die Situation im Iran nicht erheblich verschärft, dürfte die Erholung der Ölpreise begrenzt und kurzlebig bleiben.