US-Börsen: Gemischter November trotz Thanksgiving-Rallye und Zinsfantasie

US-Börsen: Gemischter November trotz Thanksgiving-Rallye und Zinsfantasie

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Der November schloss an den US-Börsen mit einem gemischten Bild ab, obwohl eine starke Thanksgiving-Woche eine beeindruckende Rallye hervorrief. Während S&P 500 und Dow Jones leichte Monatsgewinne verbuchen konnten, beendete der technologielastige Nasdaq Composite seine siebenmonatige Gewinnserie mit einem Rückgang, beeinflusst von Bewertungsbedenken im KI-Sektor. Die Hoffnung auf eine mögliche Zinssenkung im Dezember beflügelte die Anlegerstimmung.

Gemischter Monatsabschluss trotz starker Rally

Der US-Aktienmarkt zeigte im November ein zweigeteiltes Bild. Eine kräftige Rallye in der Thanksgiving-Woche konnte die drei großen Indizes nicht alle ins Plus für den Monat befördern. Der S&P 500 legte in dieser Woche fast 4 % zu, während der Dow Jones Industrial Average über 3 % gewann. Dies reichte für beide Indizes aus, um leichte Monatsgewinne zu erzielen und ihre siebenmonatige Gewinnserie fortzusetzen.

Der technologielastige Nasdaq Composite verzeichnete in der Thanksgiving-Woche ebenfalls ein Plus von über 4 %. Dies genügte jedoch nicht, um frühere Verkäufe aufgrund von Bewertungsbedenken im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) auszugleichen. Der Nasdaq fiel im November um etwa 2 % und beendete damit seine siebenmonatige Gewinnserie.

Am Mittwoch, dem 27. November, schlossen die US-Aktienmärkte den vierten Tag in Folge höher, wobei alle drei großen Indizes im positiven Bereich lagen. Der Dow Jones stieg um 0,7 % auf 47.427,12 Punkte, der Nasdaq Composite um 0,8 % auf 23.214,69 Punkte und der S&P 500 um 0,7 % auf 6.812,61 Punkte. Am Freitag, dem 29. November, setzten die Märkte ihre Rallye fort und schlossen den fünften Handelstag in Folge mit Gewinnen. Der Dow kletterte um 0,6 % auf 47.716,42, der Nasdaq um 0,7 % auf 23.365,69 und der S&P 500 um 0,5 % auf 6.849,09.

Zinsfantasie beflügelt die Märkte

Die Hoffnung auf eine mögliche Zinssenkung im kommenden Monat beflügelte die Anlegerstimmung erheblich. Starke Wirtschaftsdaten trugen ebenfalls zu dieser positiven Entwicklung bei. Am 25. November berichtete Bloomberg, dass Kevin Hassett, Direktor des National Economic Council des Weißen Hauses, als wichtiger Kandidat für den nächsten Fed-Vorsitzenden gehandelt wird.

CNBC zitierte Finanzminister Scott Bessent mit der Aussage, dass Präsident Trump den Namen des nächsten Fed-Vorsitzenden voraussichtlich noch vor Weihnachten bekannt geben wird. Hassett ist bekannt für seine Befürwortung eines Niedrigzinsregimes. Aditya Bhave, Ökonom bei der Bank of America, prognostiziert, dass der Leitzins der Fed unter 3 % sinken könnte, sollte Hassett den Vorsitz übernehmen.

Zusätzlich unterstützten mehrere Fed-Vertreter Zinssenkungen. Die Präsidentin der San Francisco Federal Reserve, Mary Daly, am 24. November und der Präsident der New York Federal Reserve, John Williams, am 21. November, sprachen sich unter Verweis auf schwache Arbeitsmarktbedingungen für eine Zinssenkung im Dezember aus. Das CME FedWatch Tool zeigte am Freitag eine Wahrscheinlichkeit von 86,9 % für eine Zinssenkung um 25 Basispunkte im Dezember, gegenüber 42 % in der Vorwoche.

Tech-Giganten im Fokus: Apple, Broadcom und Nvidia

Einige Tech-Aktien zeigten in der verkürzten Handelswoche bemerkenswerte Bewegungen. Apple-Aktien erreichten an drei aufeinanderfolgenden Tagen (Montag bis Mittwoch) neue Allzeithochs. Positive Nachfragezeichen für die iPhone 17-Serie stützten den Kurs. Daten von Counterpoint Research vom Mittwoch zeigten, dass Apple auf dem besten Weg ist, Samsung als weltweit größten Smartphone-Hersteller im Jahr 2025 abzulösen – ein Erfolg, den der iPhone-Hersteller seit über einem Jahrzehnt nicht mehr verzeichnete. Analysten von Counterpoint erwarten, dass Apple im Jahr 2025 19,4 % des globalen Smartphone-Marktes erobern wird, verglichen mit Samsungs erwarteten 18,7 %. Die Aktie stieg am Freitag weiter und schloss die Woche mit einem Plus von fast 3 %.

Broadcom verzeichnete in jeder Handelssitzung der Woche neue Allzeithochs. Der Chip-Hersteller wird an der Wall Street zunehmend als indirekter Profiteur von Alphabets wachsender KI-Dominanz gesehen. Da Google sein neuestes KI-Modell einführt, sehen Anleger Vorteile für Broadcom als Mitentwickler seiner spezialisierten Chips, den sogenannten Tensor Processing Units (TPUs). Medienberichte, wonach Meta Platforms die TPUs von Google für seine Rechenzentren im Jahr 2027 in Betracht zieht, befeuerten den Kursanstieg von Broadcom zusätzlich. Die Aktie von Broadcom legte in der Woche über 18 % zu.

Der Chip-Hersteller Nvidia hingegen verzeichnete einen Rückgang, wobei die Aktien am Dienstag ein fast Dreimonatstief erreichten. Dieselben Berichte, die Broadcom beflügelten, zeigten auch, dass einige große Technologieunternehmen nach Alternativen zu Nvidias Chips suchen. Jim Cramer empfahl jedoch, am Ball zu bleiben und bezeichnete den Kursrückgang als Kaufgelegenheit für neue Anleger. Er betonte am Dienstag: "Die Nachfrage nach Nvidia ist unersättlich." Die Aktie fiel in der Woche um 1 %.

Dell Technologies (DELL) sprang am Mittwoch um fast 6 %, nachdem der Hersteller von PCs, Servern und Netzwerkgeräten seine Umsatz- und Gewinnaussichten für das Gesamtjahr angehoben hatte. Das Unternehmen verzeichnete eine starke KI-getriebene Nachfrage mit Rekordbestellungen für KI-Server von über 12 Milliarden US-Dollar seit Jahresbeginn. AppLovin Corp. (APP), ein KI-gestützter Technologiedienstleister, war am Mittwoch mit einem Anstieg von 5,5 % der größte Gewinner im Nasdaq Composite.

Einzelwerte mit Höhen und Tiefen

Abseits der großen Tech-Namen gab es ebenfalls bemerkenswerte Bewegungen. Nike-Aktien sprangen in der Woche um fast 3 %. Der Quartalsbericht von Dick's Sporting Goods enthielt positive Nachrichten für Nike. Jim Cramer bezeichnete die Einzelhandelsaktie am Dienstag als Kauf, nachdem Dick's Pläne zur Schließung mehrerer Foot Locker-Standorte bekannt gegeben hatte. Das Management von Dick's deutete eine Verbesserung der Beziehung zu Nike an, was ein positives Zeichen für Nikes Turnaround-Geschichte ist. Ed Stack, Executive Chairman von Dick's Sporting Goods, hob die starke Performance von Nikes Laufschuhlinie hervor, darunter Modelle wie Pegasus, Vomero und Structure.

Robinhood Markets (HOOD) stiegen am Mittwoch um fast 11 % und führten den S&P 500 an. Das Handelsplattform-Unternehmen kündigte Pläne an, in Zusammenarbeit mit der Susquehanna International Group eine Beteiligung an LedgerX, einer Clearingstelle für Kryptowährungsderivate, zu erwerben. Damit erweitert Robinhood sein Angebot im Bereich der Prognosemärkte.

Oracle (ORCL) legte am Mittwoch um 4 % zu. Die Aktie des Datenbanksoftware- und Cloud-Infrastrukturriesen hatte im letzten Monat erhebliche Verluste erlitten, ausgelöst durch Bedenken hinsichtlich der Beziehung des Unternehmens zu OpenAI, seiner hohen Bewertung und seiner umfangreichen KI-Ausgabenpläne. Analysten von HSBC und der Deutschen Bank deuteten jedoch an, dass der Ausverkauf übertrieben sein könnte.

Auf der Verliererseite fielen Workday (WDAY), ein Anbieter von Cloud-basierter Personalsoftware, am Mittwoch um fast 8 % und verzeichneten damit den stärksten Tagesverlust im S&P 500. Obwohl die Ergebnisse des dritten Quartals von Workday weitgehend den Erwartungen entsprachen, enttäuschte die Prognose für die Abonnementumsätze im vierten Quartal. Das Unternehmen verwies auf eine schwache Nachfrage von Kunden aus dem Hochschulbereich, die auf Bundesmittel angewiesen sind, sowie auf ein vorsichtiges Ausgabenumfeld bei Unternehmenskunden.

Deere & Company (DE) gaben um fast 6 % nach, nachdem der Hersteller von Land- und Baumaschinen davor gewarnt hatte, dass ein schwieriges Marktumfeld bis ins nächste Jahr anhalten könnte. CEO John May wies darauf hin, dass Zölle zu einem Druck auf die Margen von Deere beitragen und verwies auf Herausforderungen im gesamten Agrarsektor. SanDisk (SNDK) stieg am Freitag um 3,8 %, da das Speicherunternehmen vor Handelsbeginn in den S&P 500 aufgenommen wurde.

Strategische Portfolioanpassungen

Das Investing Club von Jim Cramer führte in der verkürzten Handelswoche zwei strategische Käufe durch. Am Montag kaufte der Club weitere Aktien von Palo Alto Networks. Der Rückgang der Cybersecurity-Firma nach den Quartalszahlen wurde als übertrieben und als Kaufgelegenheit angesehen. Palo Alto lieferte ein drittes Quartal mit übertroffenen Erwartungen in allen wichtigen Kennzahlen. Die "Platformization"-Strategie des Unternehmens, bei der Produkte und Dienstleistungen gebündelt werden, bleibt vielversprechend.

Palo Alto Networks kündigte zudem Pläne an, das Cloud-Management- und Monitoring-Unternehmen Chronosphere für 3,35 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Die Übernahme des Identity-Security-Führers CyberArk wurde am 13. November von den Aktionären genehmigt und soll im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 abgeschlossen werden. Jeff Marks, Director of Portfolio Analysis des Investing Club, kommentierte: "Palo Alto Networks hebt sich im KI-Zeitalter ab, indem es zwei Plattformen hinzufügt, genau dann, wenn ihre jeweiligen Märkte wichtige Wendepunkte erreichen."

Am Dienstag wurde die Position in Procter & Gamble (P&G) aufgestockt, der zweite Kauf des Konsumgüterriesen seit dem 18. November. Die These dahinter ist, dass die Aktien von einer Rotation aus Big Tech in wirtschaftlich widerstandsfähigere Unternehmen profitieren werden. Sollten die KI-Ausgaben nachlassen oder sich die US-Wirtschaft verlangsamen, dürften defensive Aktien wie P&G glänzen.

Marktstimmung und Ausblick

Die Thanksgiving-Woche 2025 bot eine aufschlussreiche Fallstudie zur kurzfristigen Marktpsychologie. Eine Rallye bei Futures und ein anschließender Rückgang der großen Indizes unterstreichen das fragile Gleichgewicht zwischen Hoffnung und Vorsicht in einem Markt, der mit verzögerten Wirtschaftsdaten, Unsicherheiten und sektorspezifischen Überbewertungen zu kämpfen hat. Die AAII Investor Sentiment Survey für die Woche bis zum 19. November 2025 zeigte eine deutlich pessimistische Stimmung. Das bullische Sentiment war gering, was auf mangelnde Überzeugung in die kurzfristige Entwicklung des Marktes hindeutet.

Diese Divergenz verdeutlicht eine kritische Spannung: Während die Feiertagseinkaufssaison und Einzelhandelsergebnisse kurzfristigen Optimismus erzeugten, hielten breitere Bedenken hinsichtlich makroökonomischer Gegenwinde die pessimistische Stimmung hoch. Das CBOE Volatility Index (VIX), ein wichtiger Indikator für die Angst am Markt, spiegelte ebenfalls die Marktunsicherheit wider.

Aus technischer Sicht zeigten kurzfristige Indikatoren Anzeichen von Unterstützung. Längerfristige Trends blieben jedoch pessimistisch, was auf eine mögliche kurzfristige Erholung hindeutet. Diese Dualität – kurzfristiger Optimismus versus strukturelle Bedenken – spiegelt den Kampf des Marktes wider, sofortige Hoffnung mit langfristigen Sorgen in Einklang zu bringen. Für Anleger, die das Jahresende 2025 navigieren, unterstreicht die Thanksgiving-Woche drei wichtige Lehren:

  • Die Marktvolatilität bleibt hoch, und schnelle Stimmungsumschwünge sind jederzeit möglich.
  • Angesichts der erhöhten pessimistischen Stimmung und verzögerter makroökonomischer Daten können defensive Strategien, wie der Kauf von Put-Optionen oder die Erhöhung der Kassenreserven, umsichtig sein.
  • Historische Rückblicke zeigen, dass die beste Performance in der Thanksgiving-Woche typischerweise am Dienstag auftritt.

Der Markt befindet sich in einem Spannungsfeld zwischen Optimismus und Vorsicht. Ein ausgewogenes Portfolio, das defensive Positionierung mit selektiven Sektorwetten kombiniert, könnte sich in den letzten Wochen des Jahres 2025 als am effektivsten erweisen.