US-Energiepolitik: Größter Kreditgeber richtet sich neu aus

US-Energiepolitik: Größter Kreditgeber richtet sich neu aus

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Das Office of Energy Dominance Financing (EDF), der weltweit größte Energiekreditgeber mit einer Kreditermächtigung von rund 289 Milliarden US-Dollar, hat unter der Leitung seines neuen Direktors Gregory Beard eine umfassende Neuausrichtung erfahren. Beard, ein ehemaliger Apollo-Manager, der im Januar die Leitung übernahm, plant, Kapital in Rekordzeit zu vergeben und die US-Energiepolitik maßgeblich zu gestalten.

Neuausrichtung des größten Energiekreditgebers

Gregory Beard, Direktor des Office of Energy Dominance Financing (EDF) im US-Energieministerium, hat seine Position am 29. Januar offiziell angetreten. Zuvor war er seit April 2025 als Senior Advisor tätig, nachdem er von Stronghold Digital Mining kam. Beard betonte in einem exklusiven Gespräch mit CNBC, dass er den privaten Sektor nur für diese Aufgabe verlassen hätte, da er leidenschaftlich hinter der Botschaft von Energieminister Chris Wright und der Wahl des Präsidenten stehe. Das EDF, ehemals bekannt als Loan Programs Office und Teil des Energieministeriums, ist der weltweit größte Energiekreditgeber.

Bilanz der Biden-Ära: Milliarden gestrichen und umstrukturiert

Eine der ersten Amtshandlungen Beards war die Überprüfung der während der Biden-Administration gewährten Darlehen. Laut Energieministerium betraf diese "Turnaround-Arbeit", wie Beard es nannte, über 80 % des Biden-Ära-Portfolios, was etwa 83,6 Milliarden US-Dollar an Krediten entspricht. Die meisten dieser Projekte waren auf emissionsreduzierende Maßnahmen ausgerichtet.

Im Zuge dieser Überprüfung wurden Darlehenszusagen im Wert von rund 30 Milliarden US-Dollar entweder annulliert oder von den Antragstellern zurückgezogen. Weitere etwa 53 Milliarden US-Dollar an Darlehen wurden umstrukturiert. Beard erklärte, das Ziel sei der Schutz der Steuerzahler und die Konzentration auf Erschwinglichkeit und Zuverlässigkeit. Er betonte: "Dies ist keine Umkehrung der Politik – es ist ein Schutz der Gelder." Energieminister Chris Wright fügte hinzu, dass in den letzten Monaten der Biden-Administration mehr Gelder aus dem Loan Programs Office ausgeschüttet oder angeboten wurden als in den 15 Jahren zuvor.

Neue Prioritäten und strategische Ausrichtung

Das EDF, dessen Ursprünge bis ins Jahr 2005 zurückreichen, diente traditionell als Brücke für US-Unternehmen, die aufgrund wahrgenommener Risiken Schwierigkeiten hatten, Finanzierungen über traditionelle Kapitalmärkte zu erhalten. Unter der Biden-Administration wurde die Behörde, auch durch Mittel aus dem Inflation Reduction Act, zu einer Art "grüner Bank" ausgebaut, wobei sich die Mitarbeiterzahl vervierfachte und die verfügbaren Mittel verzehnfacht wurden.

Mit der neuen Regierung hat das Amt seinen Kurs geändert und den "grünen" Fokus, den Präsident Donald Trump als Betrug bezeichnete, abgelegt. Neben der offiziellen Namensänderung konzentriert sich die Behörde nun auf sechs Schlüsselbereiche:

  • Nuklearenergie
  • Kohle, Öl, Gas und Kohlenwasserstoffe
  • Kritische Materialien und Mineralien
  • Geothermie
  • Netz und Übertragung
  • Fertigung und Transport

Beard erklärte, dass jedes Projekt dazu beitragen werde, Energie für Amerikaner erschwinglicher zu machen, den USA im Bereich der Künstlichen Intelligenz zum Sieg zu verhelfen und das Stromnetz zu stärken, um die chinesische Strategie zur Dominanz bestimmter kritischer Mineralien zu untergraben.

Das EDF: "Open for Business" mit Fokus auf die Zukunft

Während der ersten Trump-Administration war das EDF weitgehend inaktiv. Nun jedoch sei das Amt bereit, aktiv zu werden. "Wir haben eine Richtung. Wir sind offen für Geschäfte. … Wir werden, denke ich, dieses Kapital in Amerikas Zukunft in Rekordzeit investieren", sagte Beard. Derzeit befinden sich etwa 80 aktive Darlehensanträge in der Pipeline des EDF, darunter sowohl neue Projekte als auch solche, die an die Prioritäten der aktuellen Regierung angepasst wurden.

Drei Darlehen wurden bereits an AEP, Constellation Energy und Wabash Valley Resources vergeben, die alle aus der vorherigen Administration stammten. Beard deutete an, dass das Tempo bald anziehen werde, und stellte eine bevorstehende Ankündigung des größten Darlehens in der Geschichte der Behörde in Aussicht. Die ersten Quartale dienten der "Turnaround-Arbeit", nun liege der Fokus auf der Zukunft. Ein großer Teil des Kapitals werde sich auf die Stromkosten konzentrieren.

Energiebezahlbarkeit und Netzstabilität im Fokus

Die Energiebezahlbarkeit entwickelt sich zu einem immer wichtigeren Thema, insbesondere im Hinblick auf die Zwischenwahlen. Die Strompreise steigen schneller als die Gesamtinflation, was für Verbraucher eine Belastung darstellt. Die Stromnachfrage steigt aus mehreren Gründen rasant an, darunter der enorme Energiebedarf der Künstlichen Intelligenz, die Rückverlagerung von Produktionsstätten (Reshoring) und die breitere Elektrifizierung. Die Energy Information Administration (EIA) prognostiziert für 2026 und 2027 neue Rekorde beim US-Stromverbrauch, wobei Rechenzentren als Haupttreiber genannt werden.

Auch die Zuverlässigkeit des Netzes ist ein zentrales Anliegen. Ein Mangel an zugänglicher Energie wird als potenzieller Engpass im KI-Wettlauf mit China angesehen. Häufigere und schwerere Stürme, die dem Klimawandel zugeschrieben werden, belasten das Stromnetz zusätzlich. Die Trump-Administration hat Initiativen angekündigt, um die Nachfrage zu decken, darunter die Anweisung an das Verteidigungsministerium im Februar, Kohlekraft zu kaufen und Kohlekraftwerke am Laufen zu halten.

Beard hofft, dass das EDF den Versorgungsengpass angehen kann, indem es sich auf die Maximierung der bestehenden Energieerzeugung konzentriert. "Wir müssen die bestehende Erzeugung sanieren und erneuern, nicht abschalten. Und den Hügel, der bereits ein Berg ist, nicht noch schwieriger zu erklimmen", sagte er. Auch Neubauten sind Teil der Strategie.

Nuklearenergie: Eine zentrale Säule der Strategie

Die Nuklearenergie ist eine hohe Priorität für das EDF. Die Behörde war traditionell ein wichtiger Unterstützer kapitalintensiver Nuklearprojekte. Die Trump-Administration setzt sich stark für die Kernenergie ein und fordert eine Vervierfachung der US-Kapazität bis 2050. Beard erklärte, dass das EDF bis zu 80 % der Projektkosten finanzieren könne und in den kommenden Monaten und Quartalen mehr Aktivitäten in diesem Bereich erwartet werden.

Technologieunternehmen wenden sich ebenfalls der Kernenergie zu, um ihre Rechenzentren zu versorgen, da sie die einzige Quelle für emissionsfreie Grundlastenergie ist. Hyperscaler haben Stromabnahmeverträge mit Unternehmen wie Constellation und Vistra zu über dem Markt liegenden Preisen abgeschlossen, was die Attraktivität der Kernkraft unterstreicht – Reaktoren sind im Gegensatz zu Wind- und Solarenergie rund um die Uhr online. Auch Small Modular Reactor (SMR)-Unternehmen, die schnellere Zeitpläne und kontrollierte Kosten versprechen, werden von großen Technologieunternehmen unterstützt.

Das EDF hat im November ein Darlehen von 1 Milliarde US-Dollar an Constellation Energy zur Wiederinbetriebnahme des stillgelegten Reaktors in Three Mile Island, jetzt Crane Clean Energy Center, finalisiert. Zuvor gewährte die Behörde Southern Company 12 Milliarden US-Dollar für den Bau der Reaktoren 3 und 4 in Plant Vogtle sowie eine Darlehensgarantie von 1,5 Milliarden US-Dollar an Holtec zur Wiederinbetriebnahme des Kernkraftwerks Palisades in Michigan. Derzeit befinden sich in den USA keine kommerziellen Reaktoren im Bau, obwohl Westinghouse plant, bis 2030 zehn große Reaktoren zu bauen.

Beard hob die Verlängerung des Investitionssteuerkredits durch Trump als vorteilhaft für die Industrie hervor. Das EDF plant, diese Projekte mit langen Vorlaufzeiten zu unterstützen. "Wir haben das letzte Jahr damit verbracht, die Anreizstrukturen zu kalkulieren und zu schaffen, damit diese Industrie wieder florieren kann", sagte er. "Unsere Ansicht ist, dass alles, was zum Neustart dieser Industrie erforderlich ist, auf dem Tisch liegt."

Herausforderungen für erneuerbare Energien

Während die neue Ausrichtung des EDF die traditionellen Energieträger und die Nuklearenergie stärkt, stehen erneuerbare Energien vor neuen Herausforderungen. Die Verwaltung hat mehrere Offshore-Windprojekte, die zu über 90 % fertiggestellt waren, storniert, obwohl Richter später die Wiederaufnahme des Baus anordneten. Kritiker fordern eine offenere Haltung gegenüber Wind- und Solarenergie, die zu geringeren Kosten produziert werden und in einigen Fällen schneller an das Netz angeschlossen werden können.

Laut Daten von Lazard liegen die Kosten für neue Solarprojekte im Versorgungsmaßstab zwischen 38 und 78 US-Dollar pro Megawattstunde, während Onshore-Wind bei 37 bis 86 US-Dollar/MWh liegt. Gas-Kombikraftwerke kosten 48 bis 109 US-Dollar/MWh und Kohle 71 bis 173 US-Dollar/MWh. Diese Levelized Cost of Energy (LCOE) berücksichtigt jedoch nicht den Wert steuerbarer Ressourcen oder den Kapazitätsfaktor. Die Energy Information Administration (EIA) gibt den Kapazitätsfaktor für Nuklearenergie mit über 90 % an, für Gaskombikraftwerke mit etwa 69 %, für Kohle mit 43 %, für Wind mit 34 % und für Solar mit 23 %.

Zusätzlich hat Innenminister Doug Burgum Anfang letzten Jahres angeordnet, dass keine Genehmigungen für Wind- oder Solarprojekte von Bundesbehörden ohne seine persönliche Genehmigung erteilt werden dürfen. Mike Catanzaro, CEO von CGCN, sieht einen möglichen Durchbruch für Solarprojekte, wenn diese mit den Prioritäten der Regierung in Bezug auf KI und die Netzeinspeisung in Einklang gebracht werden können und Unterstützung von republikanischen Gouverneuren oder wichtigen Kongressabgeordneten erhalten. Für Windprojekte erwartet er jedoch keinen Durchbruch während der aktuellen Administration.

Haushaltsmittel und politische Weichenstellungen

Der Kongress hat Mitte Januar das Gesetz zur Bereitstellung von Mitteln für Energie und Wasser für das Geschäftsjahr 2026 verabschiedet, das dem Energieministerium (DOE) 49 Milliarden US-Dollar zur Verfügung stellt. Die Mittel für Energieeffizienz und erneuerbare Energien (EERE) belaufen sich auf 3,1 Milliarden US-Dollar, deutlich mehr als die ursprünglich angeforderten 888 Millionen US-Dollar, aber weniger als im Geschäftsjahr 2025.

Das Gesetz unterstützt ein breites Energieportfolio, einschließlich Investitionen in die Elektrifizierung von mittelschweren und schweren Fahrzeugen, Batterietechnologien, Pilotprojekte für emissionsfreie Mobilität und Forschung und Entwicklung im Bereich Batterierecycling. Auch die Diversifizierung von Batteriechemien und die Stärkung der heimischen Lieferketten werden gefördert. Die Mittel für Nuklearenergie wurden auf 1,79 Milliarden US-Dollar erhöht, während die Mittel für fossile Energien 720 Millionen US-Dollar betragen.

Die Energiepolitik im Jahr 2026 wird maßgeblich von der "Energiebezahlbarkeit" dominiert, wobei das Stromsystem im Mittelpunkt steht. Die Kombination aus schnellem Lastwachstum durch Rechenzentren, zunehmender Prüfung von Genehmigungen für Übertragung und Erzeugung sowie einem erneuten Vorstoß zur Finanzierung von gesicherter Kapazität (insbesondere Nuklearenergie) und einem breiteren Konsens über kritische Mineralien prägt die US-Energieagenda.

Erwähnte Persönlichkeiten