US-Futures erholen sich: Handelsspannungen, Gold-Rekord und Fed-Dilemma

US-Futures erholen sich: Handelsspannungen, Gold-Rekord und Fed-Dilemma

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Nach einer der schwächsten Handelssitzungen seit Monaten zeigen die US-Aktienfutures am Dienstagabend eine leichte Erholung. Die Märkte bleiben jedoch angespannt, da erneute Drohungen von Präsident Donald Trump bezüglich Grönland und potenzieller Zölle gegen Europa die geopolitische Unsicherheit verstärken. In diesem Umfeld erreichen Edelmetalle wie Gold und Silber neue Allzeithochs, während die US-Notenbank mit einem komplexen wirtschaftlichen Dilemma ringt.

US-Aktienfutures erholen sich nach starkem Rückschlag

Die US-Aktienfutures zeigten am Dienstagabend eine moderate Aufwärtsbewegung, nachdem die Benchmarks zuvor den stärksten Rückgang seit Monaten verzeichnet hatten. Die S&P 500 Futures stiegen um 0,29% oder 20 Punkte auf 6.849,50. Die Nasdaq Futures legten um 0,30% oder 72,75 Punkte auf 25.205,25 zu, und die Dow Futures stiegen um 0,21% oder 103 Punkte auf 48.769,00.

Diese Erholung folgt auf einen deutlichen Ausverkauf in der regulären Handelssitzung nach dem verlängerten Martin Luther King Jr. Day Wochenende. Der S&P 500 fiel um 2,06%, der Nasdaq um 2,39% und der Dow Jones um 1,76%.

Geopolitische Spannungen belasten globale Märkte

Die Marktvolatilität wird maßgeblich durch erneute geopolitische Spannungen beeinflusst. Präsident Donald Trump drohte über das Wochenende mit neuen Zöllen gegen Europa, beginnend mit 10% am 1. Februar und steigend auf 25% bis Juni, sollte den Vereinigten Staaten nicht die Kontrolle über Grönland gewährt werden. Er warnte zudem, dass es nach einem Telefonat mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte "kein Zurück mehr" gäbe.

Europäische Staats- und Regierungschefs reagierten prompt. Der französische Präsident Emmanuel Macron forderte den Block auf, sein Anti-Zwangs-Instrument einzusetzen, das US-Exporte in die Region im Wert von bis zu 93 Milliarden Euro ins Visier nehmen könnte. Diese Eskalation der Spannungen führte am Mittwoch zu Rückgängen an den asiatischen Märkten. Japans Nikkei 225 fiel um 0,55% oder 291 Punkte auf 52.699,53, wobei Halbleiter- und Ingenieuraktien sowie Unternehmen mit Europa-Exposition die größten Verluste verzeichneten. Chinas SSE Composite Index stieg marginal um 0,05% auf 4.115,85, während Hongkongs Hang Seng Index um 0,02% auf 26.482,24 fiel.

Edelmetalle als sicherer Hafen in unsicheren Zeiten

Die zunehmende Unsicherheit an den Märkten hat zu einer Rallye bei Edelmetallen geführt. Gold erreichte ein neues Rekordhoch von 4.843 US-Dollar pro Unze und notiert aktuell bei 4.841 US-Dollar pro Unze, was einem Anstieg von 1,61% entspricht. Auch der Spotpreis für Silber stieg am Dienstag auf ein neues Allzeithoch von 95,87 US-Dollar pro Unze und wird derzeit bei 94,28 US-Dollar pro Unze gehandelt, ein leichter Rückgang von 0,32%.

Der US Dollar Index (DXY) fiel am Dienstag marginal um 0,07% auf 98,492 und verzeichnete damit den dritten Rückgang in Folge, was auf den wachsenden Druck auf amerikanische Vermögenswerte hindeutet.

Das Dilemma der US-Notenbank und die Marktstimmung

Die US-Notenbank (Fed) steht Anfang 2026 vor einem komplexen Dilemma. Trotz des Drucks der Investoren für mehrere Zinssenkungen zeigen die jüngsten Prognosen der Fed, dass für dieses Jahr nur eine einzige Zinssenkung geplant ist – deutlich weniger als die von der Wall Street eingepreisten drei bis vier Senkungen. Dies liegt an zwei konkurrierenden Realitäten: Die Inflation bleibt hartnäckig, und die 2025 verhängten Zölle haben sich noch nicht vollständig auf die Wirtschaft ausgewirkt. Zudem wartet die Fed auf ein Urteil des Obersten Gerichtshofs bezüglich deren Legalität.

Gleichzeitig überraschten die BIP-Zahlen positiv, was ein stärker als erwartetes Wirtschaftswachstum bis Mitte 2026 prognostiziert und größere Zinssenkungen politisch und wirtschaftlich erschwert. Auf der anderen Seite zeigen Daten des BLS JOLTS-Berichts weniger offene Stellen, und die Arbeitslosigkeit ist leicht gestiegen, was auf eine Abschwächung des Arbeitsmarktes hindeutet. Experten weisen darauf hin, dass sich die Marktbedingungen Anfang 2026 signifikant von denen des Vorjahres unterscheiden. Die Amtszeit von Jerome Powell als Fed-Vorsitzender endet im Mai.

KI-Rallye und Unternehmensgewinne im Fokus

Trotz der allgemeinen Marktunsicherheit befeuern starke Unternehmensgewinne in bestimmten Sektoren die Rallye. Taiwan Semiconductor Manufacturing Co. (TSM), ein führender Auftragschiphersteller, meldete Rekordgewinne für das Quartal: 505 Milliarden neue Taiwan-Dollar (16 Milliarden US-Dollar) Gewinn bei einem Rekordumsatz von über 1 Billion NT$ (33,1 Milliarden US-Dollar). Diese Zahlen übertrafen die Konsensschätzungen der Wall-Street-Analysten deutlich, woraufhin die in den USA gelisteten TSMC-Aktien im späten Nachmittagshandel um mehr als 5% stiegen.

TSMCs Prognose, die Ausgaben für Ausrüstung und Infrastruktur in diesem Jahr um mindestens 25% zu erhöhen, befeuerte auch die Aktien von Chiphersteller-Ausrüstern wie Applied Materials (AMAT) und KLA Corp. (KLAC), die um 7% bzw. 8% zulegten. Auch Designer von KI-Chips wie Nvidia (NVDA), Advanced Micro Devices (AMD) und Broadcom (AVGO) profitierten. Die Wall Street sucht zunehmend nach konkreten Beweisen für die finanziellen Vorteile von KI-Investitionen. Lori Calvasina, Leiterin der US-Aktienstrategie bei RBC Capital Markets, prognostiziert, dass der S&P 500 in den nächsten 12 Monaten 7750 Punkte erreichen könnte, was einem Aufwärtspotenzial von etwas mehr als 11% entspricht, wobei das Gewinnwachstum der Schlüssel sei. Im Gegensatz dazu gehören Software-Aktien wie Intuit (INTU), ServiceNow (NOW), Adobe (ADBE) und Salesforce (AVGO) zu den schlechtesten Performern im bisherigen Jahresverlauf 2026.

Wichtige Quartalsberichte und Wirtschaftsdaten erwartet

Investoren blicken am Mittwoch gespannt auf die Veröffentlichung wichtiger Quartalsergebnisse. Zu den Unternehmen, die ihre Zahlen vorlegen, gehören Johnson & Johnson (NYSE:JNJ), Charles Schwab Corp. (NYSE:SCHW) und Citizens Financial Group Inc. (NYSE:CFG).

  • Johnson & Johnson (JNJ): Für das vierte Quartal 2025 wird ein Konsens-Gewinn pro Aktie (EPS) von 2,49 US-Dollar erwartet, was einem Anstieg von 22,06% gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. JNJ hat die Erwartungen im letzten Jahr in jedem Quartal übertroffen. Das KGV für 2025 liegt bei 20,19 gegenüber einem Branchendurchschnitt von 16,90.
  • Charles Schwab Corp. (SCHW): Die Konsens-EPS-Prognose für das vierte Quartal 2025 liegt bei 1,37 US-Dollar, ein Plus von 35,64% gegenüber dem Vorjahr. Auch SCHW hat die Erwartungen im letzten Jahr stets übertroffen. Das KGV für 2025 beträgt 21,45 gegenüber einem Branchendurchschnitt von 20,40.
  • Citizens Financial Group Inc. (CFG): Das Unternehmen wird seine Ergebnisse für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 am 21. Januar 2026 bekannt geben. Zum 30. September 2025 verwaltete Citizens Financial Group Vermögenswerte von 222,7 Milliarden US-Dollar.

Neben den Unternehmensberichten werden am Mittwoch auch die Berichte zu den schwebenden Hausverkäufen (Pending Home Sales) und den Bauausgaben (Construction Spending) erwartet, die weitere Einblicke in die Wirtschaftslage geben könnten.

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