US-Gerichtshof kippt Trumps Tarife: Neue Ära der Handelsunsicherheit

US-Gerichtshof kippt Trumps Tarife: Neue Ära der Handelsunsicherheit

Aktualisiert:
5 Min. Lesezeit
AI-Generated
Human-verified
Teilen:

Keine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken

Der Oberste Gerichtshof der USA hat in einer wegweisenden Entscheidung die weitreichenden globalen Tarife von Präsident Donald Trump für unrechtmäßig erklärt. Dies stellt einen erheblichen Rückschlag für Trumps Wirtschaftspolitik dar und fügt sich in eine Reihe von Ereignissen ein, die seine vermeintliche Unbesiegbarkeit infrage stellen. Trotz scharfer Kritik an den Richtern hat der Präsident umgehend neue Zölle unter anderen gesetzlichen Grundlagen verhängt, was eine neue Phase der wirtschaftlichen und rechtlichen Unsicherheit einläutet.

Historische Entscheidung des Obersten Gerichtshofs

Mit einer Mehrheit von 6 zu 3 Stimmen erklärten die Richter des Obersten Gerichtshofs am Freitag Trumps umfassende Tarife für unzulässig. Die Entscheidung besagt, dass der Präsident seine Befugnisse gemäß dem International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) von 1977 überschritten hat. Dieses Gesetz ermächtigt den Präsidenten, den Handel bei nationalen Notständen zu regulieren, die durch ausländische Bedrohungen entstehen. Das Gericht stellte jedoch klar, dass die Befugnis zur Erhebung von Zöllen – die als Steuern gelten – ausschließlich dem Kongress zusteht.

Harvard-Rechtsprofessor und Bloomberg-Kolumnist Noah Feldman bezeichnete das Urteil als Wendepunkt und verglich es mit der Entscheidung des Obersten Gerichtshofs von 1935, die Franklin Roosevelts ersten New Deal kippte. Feldman schrieb, dass Chief Justice John Roberts und der Oberste Gerichtshof "endlich einen Weg gefunden haben, sich dem Missbrauch der Exekutivgewalt von Präsident Donald Trump entgegenzustellen".

Trumps Reaktion und neue Zollmaßnahmen

Präsident Trump reagierte mit heftiger Kritik auf das Urteil und bezeichnete die sechs Richter der Mehrheit als "Schande für unsere Nation", "Narren und Schoßhunde für die RINOs und die radikalen linken Demokraten". Er lobte hingegen die drei Richter, die eine abweichende Meinung vertraten, darunter Justice Brett Kavanaugh, den er als seinen "neuen Helden" bezeichnete.

Trotz der gerichtlichen Niederlage zeigte sich Trump entschlossen, seine Zollpolitik fortzusetzen. Er kündigte umgehend die Einführung eines neuen globalen Zolls von 10 Prozent an, der einen Tag später auf 15 Prozent erhöht wurde. Diese neuen Tarife sollen unter Section 122 eines Handelsgesetzes von 1974 verhängt werden und sind zunächst auf 150 Tage begrenzt, sofern sie nicht legislativ verlängert werden. Neal Katyal, der Anwalt, der die Klage vor dem Obersten Gerichtshof gewonnen hatte, stellte jedoch die Gültigkeit dieser neuen umfassenden Zölle infrage und betonte, dass solche Maßnahmen ebenfalls der Zustimmung des Kongresses bedürfen könnten.

Einbruch der "Unbesiegbarkeit" und politische Implikationen

Das Urteil des Obersten Gerichtshofs ist der jüngste in einer Reihe von Rückschlägen, die Trumps "scheinbare Unbesiegbarkeit" (Kurt Campbell, Diplomat und Vorsitzender der Asia Group) durchbrechen. Campbell wies darauf hin, dass es eine Reihe von innenpolitischen Maßnahmen gab, die Trumps wirtschaftliche Vision untergraben haben, darunter der Rückzug der Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) aus Minneapolis und die Abgrenzung einiger Republikaner vom Weißen Haus bei innenpolitischen Gesetzen.

Weitere Ereignisse, die Trumps Unterstützung schwächten, waren:

  • Die fast einstimmige Anordnung des Kongresses zur Freigabe der Epstein-Akten im November.
  • Eine strafrechtliche Untersuchung gegen den Vorsitzenden der Federal Reserve, Jerome Powell, im Dezember, die parteiübergreifende Unterstützung für die Unabhängigkeit der Zentralbank hervorrief.
  • Trumps Versuch, Grönland zu erwerben, der zu Zöllen gegen NATO-Länder führte, von denen er jedoch zurücktreten musste.
  • Die Tötung eines zweiten US-Bürgers in Minnesota durch Bundesagenten während einer Deportationskampagne, die zu einem teilweisen Regierungsstillstand und wachsender Besorgnis bei Republikanern führte.

Diese Entwicklungen könnten laut dem Politikwissenschaftler Lee Drutman einen "historischen Wendepunkt" markieren. Das Urteil des Obersten Gerichtshofs könnte auch ein Signal sein, dass die Judikative sich der Legislative anschließt, um der Exekutive Grenzen zu setzen. Dies ist besonders bedeutsam im Hinblick auf die Midterm-Wahlen 2026, bei denen die Demokraten die Kontrolle über mindestens eine Kammer des Kongresses erlangen könnten, was Trumps Handlungsspielraum erheblich einschränken würde.

Offene Fragen und wirtschaftliche Unsicherheit

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs beendet zwar ein Kapitel der wirtschaftlichen Unsicherheit, eröffnet aber gleichzeitig ein neues. Eine der drängendsten Fragen ist die Rückerstattung der bereits erhobenen Zölle. Schätzungen zufolge wurden im Jahr 2025 über 200 Milliarden US-Dollar an Importsteuern eingezogen. Das Justizministerium hatte zuvor erklärt, dass im Falle einer Aufhebung der Tarife Rückerstattungen erfolgen würden. Trump warnte jedoch, dass Importeure und Regierung "die nächsten fünf Jahre vor Gericht verbringen werden", um dies auszuhandeln.

Gregory Daco, Chefökonom von EY-Parthenon, kommentierte: "Das Urteil stellt eine Deeskalation der US-Handelspolitik dar. Es ist jedoch kein vollständiger Neustart. Die Unsicherheit bleibt bestehen hinsichtlich der Dauerhaftigkeit der Entlastung, der potenziellen Wiedereinführung von Zöllen unter alternativen gesetzlichen Befugnissen und der Behandlung der bereits erhobenen Zölle." Justice Brett Kavanaugh wies in seiner abweichenden Meinung darauf hin, dass die Rückerstattung von Milliarden von Dollar an Importeure erforderlich sein könnte und die Entscheidung "Unsicherheit bezüglich verschiedener Handelsabkommen" erzeugen könnte.

Der Kontext der Gewaltenteilung

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs ist ein klares Zeichen für die Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Gewaltenteilung. Barb McQuade, Rechtsprofessorin an der University of Michigan, rief aus: "Endlich!" und betonte, dass das Gericht sich daran erinnert habe, "dass der Kongress eine separate und gleichberechtigte Regierungsinstanz ist". Sie fügte hinzu: "Einer von Trumps Lieblingshebeln wird aus dem Erpressungsarsenal entfernt."

In den ersten Jahren seiner zweiten Amtszeit hatte der Oberste Gerichtshof Trump in vielen Fällen entgegengekommen. So hatte das Gericht in "Trump v US" dem Präsidenten absolute Immunität vor strafrechtlicher Verfolgung für offizielle präsidiale Handlungen gewährt, was von einigen Beobachtern als "Macht eines Königs" interpretiert wurde. Auch 24 vorläufige Entscheidungen auf dem sogenannten "Schatten-Docket" hatten Trumps Position gestärkt. Das aktuelle Urteil in der Sache "Learning Resources v Trump" stellt jedoch eine Abkehr von dieser Tendenz dar und unterstreicht die verfassungsmäßige Rolle des Kongresses als Hüter der Staatskasse und der Steuerhoheit.

Erwähnte Persönlichkeiten