
US-Wirtschaft wächst um 2%: KI-Boom trifft auf Iran-Krieg und Inflation
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Die US-Wirtschaft verzeichnete im ersten Quartal 2026 ein jährliches Wachstum von 2%, was eine Erholung gegenüber dem schwachen Vorquartal darstellt. Obwohl das Wachstum die Erwartungen der Analysten leicht verfehlte, zeigten sich Kernbereiche der Wirtschaft robust, angetrieben durch Investitionen in Künstliche Intelligenz und erhöhte Staatsausgaben. Der Ausblick wird jedoch durch den Iran-Krieg und die daraus resultierenden steigenden Energiepreise getrübt, die die Inflation anheizen.
Wirtschaftswachstum übertrifft Vorquartal
Die US-Wirtschaft expandierte in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 mit einer jährlichen Rate von 2%. Dies ist ein deutlicher Anstieg gegenüber dem vierten Quartal des Vorjahres, in dem die Wirtschaft nach einem Regierungsstillstand lediglich um 0,5% wuchs. Ökonomen, die von FactSet befragt wurden, hatten für das erste Quartal ein annualisiertes Wachstum von 2,2% prognostiziert, während Reuters-Analysten 2,3% erwarteten.
Das aktuelle BIP-Ergebnis ist die erste von drei Schätzungen des Handelsministeriums und zeigt eine Verbesserung, die Präsident Donald Trump entlastet, dessen wirtschaftliche Zustimmung aufgrund der hohen Inflation gesunken war. Im Gesamtjahr 2025 war das BIP noch um 2,1% auf Jahresbasis gestiegen.
KI-Boom und Staatsausgaben als Wachstumstreiber
Das solide Wachstum im ersten Quartal wurde maßgeblich durch zwei Faktoren gestützt: den Ausbau der Künstlichen Intelligenz (KI) und die beginnenden Auswirkungen von Steuersenkungen. Michael Pearce, Chefökonom für die USA bei Oxford Economics, kommentierte: "Der Kern der Wirtschaft blieb im ersten Quartal solide, angetrieben durch den KI-Ausbau und die beginnenden Steuersenkungen."
Die Unternehmensinvestitionen, die größtenteils durch den KI-Boom getrieben wurden, stiegen auf Jahresbasis um 8,7%. Dies umfasste erhebliche Ausgaben für Informationsverarbeitungsgeräte und den Bau von Rechenzentren. Gleichzeitig wuchsen die Staatsausgaben und -investitionen mit einer jährlichen Rate von 9,3%, was mehr als einen halben Prozentpunkt zum Wachstum beitrug und eine Umkehrung des Rückgangs im vierten Quartal 2025 darstellt.
Konsumausgaben verlangsamen sich, Inflation steigt
Die Konsumausgaben, die fast zwei Drittel der US-Wirtschaftsaktivität ausmachen, verlangsamten sich leicht. Sie fielen von 1,9% Ende 2025 auf 1,6% im ersten Quartal 2026. Daten der Bank of America zeigen, dass der Großteil des Wachstums im März von Haushalten mit höherem Einkommen getragen wurde.
Parallel dazu stieg die Inflation. Der Personal Consumption Expenditures Price Index (PCE), ein wichtiger Inflationsindikator, erhöhte sich im Jahresvergleich um 3,2%, was über dem 2%-Ziel der Federal Reserve liegt. Der Verbraucherpreisindex (CPI) stieg im März um neun Zehntel eines Prozentpunktes auf 3,3% im Jahresvergleich, wobei die stark gestiegenen Energiepreise die Gesamtzahl in die Höhe trieben.
Der Schatten des Iran-Krieges auf die Wirtschaft
Der Iran-Krieg trübt den Wirtschaftsausblick erheblich. Der Konflikt hat die Energiepreise in die Höhe getrieben, da der Verkehr in der Straße von Hormus, einem kritischen Engpass für die globale Ölversorgung, verlangsamt wurde. Iran hat die Straße von Hormus blockiert, durch die ein Fünftel des weltweiten Öls und Flüssigerdgases fließt.
Am Donnerstag erreichte der durchschnittliche Preis für eine Gallone Benzin 4,30 US-Dollar, den höchsten Stand seit Juli 2022. Brent-Rohöl, die internationale Benchmark, überschritt 126 US-Dollar und erreichte damit ein Kriegshoch. Gregory Daco, Chefökonom bei EY-Parthenon, prognostizierte, dass der Krieg das BIP in diesem Jahr um 0,3 Prozentpunkte drücken könnte, was zu einem geschätzten jährlichen BIP-Wachstum von 1,8% für das gesamte Jahr führen würde. Ökonomen erwarten, dass der Krieg die Wirtschaft ab dem zweiten Quartal belasten wird.
Arbeitsmarkt und zukünftige Herausforderungen
Trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten hat sich der Arbeitsmarkt als widerstandsfähig erwiesen. Im März wurden 178.000 neue Arbeitsplätze geschaffen, und die Arbeitslosenquote sank leicht auf 4,3%. Das Beschäftigungswachstum im ersten Quartal lag bei durchschnittlich 68.000 Arbeitsplätzen pro Monat, verglichen mit 20.000 im gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Die Federal Reserve beließ ihren Leitzins am Mittwoch im Bereich von 3,50% bis 3,75% und verwies auf ein "hohes Maß an Unsicherheit", das aus dem Konflikt resultiert. Die hohe Inflation ist weiterhin das Hauptanliegen der Wähler und hat die Verbraucherstimmung stark beeinträchtigt, die im April auf ein Rekordtief fiel. Ökonomen warnen, dass höhere Inflation einige der erwarteten Impulse durch Steuersenkungen zunichtemachen könnte.