
US-Zoll: Milliarden-Rückerstattung für IEEPA-Tarife nach Supreme-Court-Urteil
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Die US-Zoll- und Grenzschutzbehörde (CBP) steht vor einer arbeitsreichen Zeit, da sie sich darauf vorbereitet, geschätzte 166 Milliarden US-Dollar an Importeure zurückzuerstatten. Dies folgt auf ein Urteil des Supreme Court, das die Erhebung bestimmter Tarife im Rahmen des International Emergency Economic Powers Act (IEEPA) für illegal erklärte. Ein neues Online-System zur Abwicklung dieser Zollrückerstattungen verzeichnete bis zum 26. März bereits 26.664 Anmeldungen.
Hintergrund der Rückerstattungen
Die Rückerstattungsbemühungen sind eine direkte Folge einer Entscheidung des Supreme Court im Februar, die von der Trump-Administration verhängte IEEPA-Tarife für ungültig erklärte. Dieses Urteil veranlasste das US-Handelsgericht (Court of International Trade, CIT), die CBP anzuweisen, Zölle neu zu berechnen und Rückerstattungen vorzunehmen. Richter Richard Eaton, der die Rechtsstreitigkeiten beaufsichtigt, erweiterte seine Anordnung am 27. März 2026, um klarzustellen, dass auch bereits liquidierte Tarife erstattungsfähig sind, nachdem Unternehmen Bedenken geäußert hatten.
Der CAPE-Rückerstattungsmechanismus
Als Reaktion auf die gerichtliche Anweisung entwickelt die CBP eine neue Funktionalität innerhalb ihres Automated Commercial Environment (ACE)-Systems, genannt Consolidated Administration and Processing of Entries (CAPE). Dieses System soll die Einreichung und Bearbeitung von Rückerstattungsansprüchen für IEEPA-Tarife, einschließlich derer aus Importen aus Brasilien und Indien, ermöglichen. Das CAPE-System besteht aus vier Hauptkomponenten:
- Claim Portal: Hier können Importeure CSV-Dateien mit betroffenen Einfuhrzusammenfassungen hochladen.
- Mass Processing: Diese Funktion entfernt automatisch IEEPA HTS-Nummern und berechnet Tarife neu, als ob sie nie existiert hätten.
- **Review and Liquidation/Reliquidation:** Initiiert die Liquidation/Reliquidation und berechnet Zinsen.
- Refund: Bearbeitet die eigentlichen Rückerstattungen.
Fortschritt und Herausforderungen
Laut einer Gerichtsakte der CBP vom Dienstag ist das Hauptportal für Tarifrückerstattungen zu 85 % fertiggestellt und durchläuft "kritische Tests, die vor der Bereitstellung erforderlich sind". Andere Teile des Systems sind zwischen 60 % und 80 % fertig. Brandon Lord, ein hochrangiger CBP-Beamter, erklärte, dass die erste Phase der Portalbereitstellung etwa 63 % der 53 Millionen Einfuhrpositionen abdecken wird, die mit dem Urteil des Supreme Court verbunden sind. Die verbleibenden Ansprüche werden jedoch länger dauern.
Etwa ein Drittel der Ansprüche hat bereits einen Zollprozess namens Liquidation durchlaufen, der normalerweise innerhalb eines Jahres nach der Einfuhr erfolgt und die damit verbundenen Tarife dauerhaft macht. Diese liquidierten Einträge werden in späteren Rückerstattungsphasen bearbeitet, wenn weitere Funktionen verfügbar sind. Richter Eaton stellte in einer Anordnung vom 20. März 2026 fest, dass die CBP "zufriedenstellende Fortschritte" bei der pünktlichen Fertigstellung des IEEPA-Rückerstattungsprozesses macht.
Details zu Phase 1
Phase 1 des CAPE-Systems, die planmäßig bis Mitte April eingeführt werden soll, wird sich auf bestimmte Arten von Einfuhrpositionen konzentrieren. Sie verarbeitet Einträge, die unliquidiert sind oder für die der 90-tägige freiwillige Reliquidationszeitraum noch nicht abgelaufen ist. Dies soll etwa 63 Prozent der Einträge abdecken, für die IEEPA-Tarife gezahlt oder hinterlegt wurden.
Phase 1 akzeptiert auch Erklärungen, die Einträge mit dem Liquidationsstatus "ausgesetzt", "verlängert" oder "unter Überprüfung" sowie Lager- und Lagerentnahmeeinträge enthalten. Die CBP wird bis zu 45 Tage ab der Annahme einer Erklärung benötigen, um die identifizierten Einfuhrzusammenfassungen zu überprüfen und zu liquidieren, es sei denn, es gibt Compliance-Bedenken, die eine weitere Überprüfung erfordern.
Folgende Kategorien von Einträgen werden in Phase 1 des CAPE-Systems nicht akzeptiert:
- Einträge, die für die Abstimmung gekennzeichnet sind, und Eintragstyp 09 (Abstimmungsübersicht)
- Einträge, die in einem Drawback-Anspruch ausgewiesen sind
- Einträge, die von einem offenen Protest betroffen sind
- Einträge, die nicht in ACE eingereicht wurden und Einträge ohne Liquidationsstatus in ACE
- Einträge, die AD/CVD-Zöllen unterliegen, für die das Handelsministerium (DOC) Liquidationsanweisungen erteilt hat, die gemäß 19 USC 1504(d) auf die Liquidation warten
Zukünftige Phasen und Zinszahlungen
Die CBP plant, in späteren Phasen des CAPE-Systems weitere Funktionen zu entwickeln. Dazu gehören verbesserte Tools und Validierungen zur Sicherstellung der Compliance, zur Erleichterung der Bearbeitung von Einfuhrzusammenfassungen und zur Beschleunigung des Überprüfungsprozesses der CBP. Auch erweiterte Finanzberichts- und Sicherheitstools sowie Funktionen zur Straffung der Einnahmendurchsetzung bei ausstehenden Rechnungen für Nicht-IEEPA-Zölle sind vorgesehen.
Gemäß einer früheren Anordnung von Richter Eaton ist die CBP auch für die Zahlung von Zinsen auf die von ihr gehaltenen Tarife verantwortlich. Diese Zinsen werden auf 700 Millionen US-Dollar pro Monat oder 23 Millionen US-Dollar pro Tag geschätzt, für jeden Tag, an dem die Rückerstattungen verzögert werden. Es bleibt jedoch unklar, wann genau die Rückerstattungen für bereits liquidierte Gelder erfolgen werden.