Waffenstillstand und KI-Boom: US-Aktienmarkt erlebt beste Woche seit November

Waffenstillstand und KI-Boom: US-Aktienmarkt erlebt beste Woche seit November

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Der US-Aktienmarkt erlebte die beste Woche seit November, angetrieben durch einen vorübergehenden Waffenstillstand zwischen den USA und Iran. Während die Entspannung im Nahen Osten die Stimmung hob, prägten auch Inflationsdaten, eine Verschiebung im Tech-Sektor und positive Unternehmensberichte das Marktgeschehen. Anleger navigierten zwischen geopolitischer Unsicherheit und neuen Chancen, insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz.

Waffenstillstand beflügelt den Aktienmarkt

Die vergangene Woche war für den US-Aktienmarkt die stärkste seit November, maßgeblich beeinflusst durch die Einigung auf einen zweiwöchigen Waffenstillstand zwischen den Vereinigten Staaten und Iran. Präsident Donald Trump kündigte die Angriffspause am späten Dienstag an, was die Aktienkurse in die Höhe schnellen ließ. Am Mittwoch stieg der S&P 500 um 2,5 %, der Nasdaq sprang um 2,8 % und der Dow Jones Industrial Average verzeichnete seinen besten Tag seit April 2025.

Dieser "Relief Rally" führte dazu, dass der S&P 500 die Woche mit einem Plus von 3,6 % beendete, während der Dow und der Nasdaq um mehr als 3 % bzw. 4,7 % zulegten. Alle drei Benchmarks verzeichneten ihre besten Wochen seit November. Die Entspannung der Spannungen im Nahen Osten ließ die Ölpreise deutlich fallen; West Texas Intermediate (WTI) sank auf rund 93 Dollar pro Barrel und Brent Crude auf etwa 92 Dollar, blieben aber über dem Vorkriegsniveau. Nigel Green, CEO der deVere Group, kommentierte, dass die Märkte auf diesen Moment vorbereitet waren und die defensive Positionierung sowie die erhöhte Volatilität schnell abgebaut wurden.

Die anfängliche Euphorie kühlte sich am Freitag zwar etwas ab, doch die breite Markterholung war spürbar. Tech- und Industrieaktien verzeichneten Zuwächse von fast 5 %, während Small Caps um 4 % stiegen. Jim Cramer betonte die Bedeutung der Diversifikation, da Anleger, die energiebezogene Aktien gemieden hatten, von der Rally in konjunktursensiblen Werten wie Home Depot (+5,5 % am Mittwoch, +4,8 % wöchentlich) profitierten.

Trotz des Waffenstillstands bleibt die Geopolitik eine "Wildcard". Die für das Wochenende in Pakistan angesetzten Friedensgespräche zwischen den USA und Iran wurden von Jim Cramer als nicht ausreichend eingepreist angesehen. Präsident Trump betonte zudem, dass das US-Militär vor Ort bleiben werde, bis Iran "dem echten Abkommen" nachkomme, und drohte mit einer stärkeren militärischen Reaktion bei Nichteinhaltung. Berichte über eine mögliche Aussetzung des Tankerverkehrs in der Straße von Hormus nach israelischen Angriffen im Libanon sorgten für kurzzeitige Unsicherheit, wurden aber vom Weißen Haus als falsch zurückgewiesen.

Inflationsdaten: Energiepreise treiben Gesamt-CPI

Wall Street erhielt die ersten aktualisierten Inflationsdaten seit Kriegsbeginn in Iran am 28. Februar. Die Anleger waren besorgt über steigende Ölpreise und deren Auswirkungen auf die US-Wirtschaft. Der Verbraucherpreisindex (CPI) stieg im März saisonbereinigt um 0,9 %, was die jährliche Inflationsrate auf 3,3 % erhöhte – beides im Einklang mit den Analystenschätzungen.

Dieser Anstieg wurde maßgeblich durch einen Anstieg der Energiekosten um 10,9 % getrieben, wobei die Benzinpreise in einem einzigen Monat um 21,2 % in die Höhe schnellten. Die Kernpreise, die Energie und Lebensmittel ausschließen, fielen jedoch besser aus als befürchtet, was darauf hindeutet, dass die zugrunde liegende Inflation unter Kontrolle blieb. Mit dem Waffenstillstand und den damit verbundenen reduzierten Ängsten vor einer energiegetriebenen Inflation verbessern sich die Aussichten für Zinssenkungen der Federal Reserve. Die Märkte preisen nun eine fast 30%ige Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte bis Dezember ein, mehr als doppelt so hoch wie die 14 % am Vortag.

Tech-Sektor im Umbruch: Software-Abverkauf vs. Hardware-Rally

Der Trend "Hardware kaufen, Software verkaufen" kehrte in der vergangenen Woche mit voller Wucht zurück. Anleger strömten zu Unternehmen, die den Aufbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur unterstützen, während sie sich von jenen abwandten, die sie als bedroht ansahen. Jim Cramer beschrieb die Situation drastisch: "Wenn Sie im Software-Lager sind, werden Sie behandelt, als wären Sie bereit für den Einbalsamierer. Wenn Sie im Hardware- und KI-Lager sind, sind Sie auf dem Weg ins Pantheon der Größe."

Halbleiterhersteller waren die großen Gewinner: Marvell Technology und Intel beendeten die Woche mit einem Plus von 20 % bzw. 23 %. Corning, Hersteller von Glasfasern für KI-Rechenzentren, legte um 15,7 % zu. Auf der anderen Seite des Spektrums stand der Software-Sektor. Salesforce fiel am Freitag zum fünften Mal in Folge und verlor in der Woche fast 12 %. Adobe gab 7,2 % nach. Der IGV Software ETF, der Benchmark-Softwareindex, sank um etwa 7 %. Jim Cramer hob hervor, dass die Performance dieses ETFs ein wichtiger Gradmesser für die Stimmung an der Wall Street sei, da er die primäre Art und Weise darstelle, wie große Institutionen auf oder gegen Software wetten. Auch Cyber- und andere nicht-traditionelle Software-Namen im Fonds wurden in Mitleidenschaft gezogen, darunter CrowdStrike (-5 %) und Palo Alto Networks (-4,5 %).

Metas KI-Offensive und die Auswirkungen

Positive Nachrichten gab es für das Portfolio von Meta Platforms. Das Unternehmen stellte am Mittwoch ein neues KI-Modell namens Muse Spark vor, das erste aus der neuen Muse-Serie, entwickelt von Meta Superintelligence Labs. Obwohl Meta KI bereits für sein Werbegeschäft nutzt, hinkte es bisher beim Aufbau eines eigenen populären KI-Modells hinterher, da der Start von Llama nicht gut aufgenommen wurde.

Meta tritt nun in einen Markt ein, der von Google Gemini, Anthropic's Claude und OpenAI's ChatGPT dominiert wird. Ein Erfolg in diesem Bereich würde das Vertrauen der Wall Street in Metas aggressive KI-Ausgabenpläne stärken. Das Management prognostizierte zuvor Investitionsausgaben zwischen 115 Milliarden und 135 Milliarden Dollar für das Geschäftsjahr 2026, gegenüber fast 70 Milliarden Dollar im Vorjahr. Die Meta-Aktie sprang in der vergangenen Woche um 9,6 % nach oben, teilweise beflügelt durch die breitere Marktrallye.

Starke Berichtssaison stützt die Stimmung

Die laufende Berichtssaison lieferte zusätzliche Impulse für die Marktrallye. Frühe Ergebnisse setzten einen ermutigenden Ton. Das Halbleiterunternehmen Aehr Test Systems (AEHR) stieg um 35 %, obwohl es die Umsatzschätzungen verfehlte. Anleger belohnten die Neuausrichtung des Unternehmens auf das Testen von Hochleistungs-KI-Prozessoren und Silizium-Photonik-Transceivern, eine Schlüsseltechnologie im aktuellen KI-Superzyklus.

Auch andere Unternehmen überzeugten: Das Bekleidungsunternehmen Levi Strauss (LEVI) sprang nach starken Quartalszahlen um 15 % nach oben, und Delta Airlines (DAL) meldete Rekordumsätze. Diese positiven frühen Ergebnisse stimmen optimistisch für die kommende Woche, in der große Banken wie JPMorgan (JPM) und Citigroup (C) – beide vor ihren Berichten um über 6 % gestiegen – im Mittelpunkt stehen werden. Die Wall Street setzt nicht nur auf Frieden, sondern auch auf günstigere Energiepreise, die die Fed zu einer lockeren Geldpolitik bewegen könnten, und auf eine starke Berichtssaison.

Langfristige Perspektive in unsicheren Zeiten

Angesichts der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten ist es für Anleger ratsam, eine langfristige Perspektive einzunehmen. Die Geschichte zeigt, dass Konflikte und Krisen nicht ewig dauern und starke Unternehmen sowie große Indizes sich stets erholen. Ein Blick auf den S&P 500 über die letzten 20 Jahre, einschließlich der Finanzkrise 2008 und des Coronavirus-Marktcrashs 2020, verdeutlicht dies.

Auch wenn kurzfristige Gegenwinde die Aktienperformance beeinträchtigen können, können Qualitätsunternehmen diese schwierigen Zeiten meistern und langfristig wachsen. Dies bedeutet, dass Anleger auch in unsicheren Märkten weiterhin Aktien kaufen und bestehende Positionen halten sollten, sofern es sich um Qualitätsunternehmen handelt. Als "Qualität" gelten Unternehmen, die über Jahre hinweg Wachstum geliefert, eine starke Wettbewerbsposition etabliert und solide Aussichten haben. Eine gesunde Finanzlage ist ebenfalls entscheidend, um in Wachstum zu investieren und schwierige Momente zu überstehen. Beispiele für solche Unternehmen, die ihre Fähigkeit bewiesen haben, schwierige Märkte zu meistern und langfristig erhebliche Renditen zu liefern, sind Amazon (AMZN) und Johnson & Johnson (JNJ). Eine weitere sinnvolle Ergänzung für ein Portfolio können Dividendenaktien sein, die unabhängig von der allgemeinen Marktlage passives Einkommen bieten.

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