
Bitcoin Treasury Unternehmen: Risiken, Verluste und die verlangsamte Adoption
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Bitcoin Treasury Unternehmen, die große Mengen der Kryptowährung Bitcoin auf ihren Bilanzen halten, stehen zunehmend im Fokus. Ihre Strategie, oft unter Einsatz von Fremdkapital, birgt erhebliche Risiken, die sich in jüngster Zeit durch die Volatilität des Bitcoin-Kurses manifestiert haben. Während die Gesamtadoption von Bitcoin durch Unternehmen wächst, zeigt sich eine deutliche Verlangsamung des monatlichen Zuwachses.
Bitcoin Treasury Unternehmen: Eine Definition
Bitcoin Treasury Unternehmen sind öffentlich gehandelte Firmen, deren Geschäftsmodell oder Bilanz stark an Bitcoin (CRYPTO: BTC) gekoppelt ist. Dies kann Unternehmen umfassen, die Bitcoin minen, Krypto-Börsen betreiben oder große Bitcoin-Bestände auf ihren Bilanzen halten. Investoren kaufen deren Aktien, um indirekt von Bitcoin-Kursbewegungen zu profitieren, nehmen dabei aber zusätzliche Unternehmens-, Betriebs- und Regulierungsrisiken in Kauf.
MicroStrategy (NASDAQ: MSTR), ein Softwareunternehmen, änderte im August 2020 sein Geschäftsmodell, indem es begann, Bitcoin zu kaufen. Im Februar 2025 firmierte es offiziell als Bitcoin Treasury Unternehmen um, und über 100 weitere Firmen folgen diesem Ansatz.
Die Strategie: Bitcoin-Akkumulation mit Fremdkapital
Die Hauptstrategie von Bitcoin Treasury Unternehmen ist es, so viel Bitcoin wie möglich auf ihren Bilanzen anzuhäufen. Viele dieser Unternehmen nutzen nicht nur vorhandenes Bargeld, sondern auch Fremdkapital, um ihre Kaufkraft zu erhöhen. MicroStrategy hat beispielsweise besicherte Anleihen und Wandelanleihen ausgegeben sowie Aktien verkauft, um mehr Bitcoin zu erwerben.
Diese Strategie hat MicroStrategy geholfen, seinen Bitcoin-Bestand erheblich zu steigern. Das Unternehmen hält 671.268 BTC auf seiner Bilanz (Stand 25. Dezember), was einem Wert von 59 Milliarden US-Dollar entspricht und den größten Bestand unter allen börsennotierten Unternehmen darstellt.
Hebelwirkung und das erhöhte Risiko
Der Einsatz von Fremdkapital erhöht das Risiko erheblich, sowohl für Privatanleger als auch für Unternehmen. Während der Einsatz von Leverage zum Kauf eines volatilen Vermögenswerts wie Bitcoin in Bullenmärkten als brillante Strategie erscheinen mag, kann er sich bei Kursrückgängen schnell ins Gegenteil verkehren.
Dies zeigte sich in den letzten sechs Monaten: Bitcoin verlor 17 % seines Wertes, während MicroStrategy um 59 % abstürzte. Im Vergleich dazu stieg MicroStrategy über die letzten drei Jahre um 876 %, während Bitcoin eine Rendite von 420 % erzielte. Bitcoin selbst birgt bereits ein hohes Risiko, und der zusätzliche Einsatz von Hebelwirkung verstärkt dieses Risiko erheblich.
Aktuelle Performance: Unrealisierte Verluste und schwindende Prämien
Die jüngsten Kursrückgänge von Bitcoin, der um den 89.000 US-Dollar notierte, haben Bitcoin Treasury Unternehmen stark getroffen. Viele Firmen, die aggressiv nahe dem Höchststand von über 100.000 US-Dollar akkumuliert hatten, sitzen nun auf massiven unrealisierten Verlusten.
Beispiele für Unternehmen mit erheblichen unrealisierten Verlusten sind:
- Metaplanet: Das Unternehmen, das sich von einem Hotelbetreiber zu einem Bitcoin Treasury Unternehmen wandelte, verzeichnete laut Galaxy Research zum 1. Dezember unrealisierte Verluste von rund 530 Millionen US-Dollar, nachdem es Anfang Oktober noch über 600 Millionen US-Dollar an unrealisierten Gewinnen hatte. Der durchschnittliche Kaufpreis von Metaplanet liegt bei etwa 108.000 US-Dollar pro Bitcoin für seine 30.823 BTC.
- Nakamoto: Dieses Unternehmen hält 5.398 Bitcoin zu einem durchschnittlichen Preis von etwa 118.000 US-Dollar, was zu unrealisierten Verlusten von über 180 Millionen US-Dollar führt. Die Aktienkurse von Nakamoto sind zudem um mehr als 95 % eingebrochen.
- Semler Scientific: Mit 5.048 Bitcoin zu einem durchschnittlichen Preis von etwa 95.000 US-Dollar hat Semler Scientific über 50 Millionen US-Dollar an unrealisierten Verlusten.
Selbst MicroStrategy, das 650.000 Bitcoin zu einem durchschnittlichen Preis von 74.436 US-Dollar hält, sah seine unrealisierten Gewinne von 28,4 Milliarden US-Dollar im Juli auf 6,9 Milliarden US-Dollar sinken.
Die Prämien, zu denen die Aktien dieser Unternehmen im Verhältnis zu ihrem Bitcoin-Nettoinventarwert (NAV) gehandelt wurden, sind ebenfalls stark komprimiert oder vollständig verschwunden. Im Juli, als Bitcoin nahe 118.000 US-Dollar gehandelt wurde, notierte Metaplanet mit einer Prämie von 237 % und MicroStrategy mit 79 % auf ihren Bitcoin-NAV. Heute handelt MicroStrategy mit einem Abschlag von 15,5 % auf seinen Bitcoin-NAV, während Metaplanets Prämie auf nur 6 % gefallen ist. Scientific handelt mit einem Abschlag von 29 % und Nakamoto mit über 50 %. Diese Entwicklung spiegelt einen Vertrauensverlust in das Treasury-Modell wider.
Verlangsamung der Unternehmensadoption
Obwohl die Gesamtzahl der Unternehmen, die Bitcoin in ihre Bilanzen aufnehmen, weiter steigt, hat sich das monatliche Tempo der Adoption im Jahr 2025 deutlich verlangsamt. Neue Daten von CryptoQuant zeigen, dass insgesamt 117 neue Firmen im Jahr 2025 Bitcoin adoptierten, die Aktivität jedoch im Juli ihren Höhepunkt erreichte.
Das vierteljährliche Wachstum verdeutlicht die Verlangsamung:
- Q1: 16 Unternehmen
- Q2: 39 Unternehmen
- Q3: 53 Unternehmen
- Q4: Bisher 9 Unternehmen
Die meisten dieser Bitcoin-Bestände bleiben klein; 147 Unternehmen halten weniger als 500 BTC, und nur eine Handvoll überschreitet 1.000 BTC. MicroStrategy bleibt mit 660.624 BTC ein extremer Ausreißer.
Einige zuvor aktive Käufer haben ihre Aktivitäten pausiert:
- **BitMine Immersion Technologies Inc (NASDAQ: BMNR):** Die monatlichen Käufe sanken von 4,3 Milliarden US-Dollar im August auf 296 Millionen US-Dollar im Dezember.
- Metaplanet (OTC: MTPLF): Hat seit über zwei Monaten keine BTC mehr hinzugefügt.
- Evernorth: Tätigte einen einmaligen Kauf von 950 Millionen US-Dollar, war aber seit etwa sechs Wochen inaktiv.
MicroStrategy ist jedoch auf dem besten Weg, die Gesamtkäufe des Vorjahres zu erreichen, mit Bitcoin-Käufen im Wert von 21,48 Milliarden US-Dollar bisher.
Die Debatte um das Bitcoin-Treasury-Modell
Die Verlangsamung der Adoption und die sinkenden Kryptopreise führen zu einer verstärkten Prüfung der digitalen Asset Treasury Unternehmen. Analysten beobachten Anzeichen dafür, ob diese Firmen Gefahr laufen, die nächste spekulative Blase zu werden.
MicroStrategy wehrt sich gegen den Vorschlag von MSCI, Unternehmen mit hohem Digital-Asset-Anteil von globalen Indizes auszuschließen, und warnt, dass ein solcher Schritt Innovationen in diesem Sektor ersticken würde. Die Debatte intensivierte sich nach dem NYSE-Debüt von Twenty-One Capital (NYSE: XXI). CEO Jack Mallers betonte, dass sein Unternehmen kein Bitcoin Treasury Unternehmen, sondern ein Bitcoin-natives Betriebsgeschäft sei, das auf Cashflow, Wachstum und BTC-Akkumulation fokussiert ist.