
EZB bereit für Zinsanhebung: Lagarde warnt vor Inflationsrisiken durch Iran-Konflikt
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Die Europäische Zentralbank (EZB) ist bereit, die Zinsen anzuheben, selbst wenn der erwartete Inflationsanstieg im Euroraum nur vorübergehend sein sollte. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte, dass eine "gemessene Anpassung der Politik" gerechtfertigt sein könnte, um Kommunikationsrisiken zu vermeiden und die Glaubwürdigkeit der EZB zu wahren.
EZB signalisiert Bereitschaft zur Zinsanhebung
EZB-Präsidentin Christine Lagarde erklärte am Mittwoch, dass die Entscheidungsträger bereitstehen, die Zinssätze anzuheben, auch wenn ein erwarteter Anstieg der Inflation im Euroraum sich als nicht allzu hartnäckig erweist. Sie sagte auf der Konferenz "The ECB and Its Watchers" in Frankfurt, dass ein "großer, wenn auch nicht allzu hartnäckiger, Überschuss unseres [Inflationsziels]" eine gemessene Anpassung der Politik rechtfertigen könnte. Lagarde fügte hinzu, dass es ein Kommunikationsrisiko darstellen könnte, einen solchen Überschuss völlig unbeachtet zu lassen, da die Öffentlichkeit eine nicht reagierende Reaktionsfunktion möglicherweise nur schwer verstehen würde.
Die EZB ist bereit, ihre Politik bei jeder Sitzung anzupassen, falls dies notwendig wird. Obwohl Lagarde keinen Zeitplan oder Kriterien für eine Zinsanhebung nannte, unterstrich sie die Wachsamkeit der Zentralbank.
Inflationsdruck durch Iran-Konflikt verstärkt
Vor dem Ausbruch des Iran-Konflikts Ende Februar lag die Inflationsrate im Euroraum unter dem 2%-Ziel der Zentralbank. Im Februar stieg die Rate jedoch auf 1,9 %. Der Konflikt und die fast vollständige Blockade der Straße von Hormus durch Teheran haben die globalen Öl- und Gaspreise in die Höhe getrieben und die Inflationsprognosen in Europa grundlegend verändert.
Neue Inflationsprognosen der EZB
Die EZB hatte in der vergangenen Woche, als sie ihren Leitzins bei 2 % beließ, ihre Erwartungen für die Gesamtinflation im Euroraum angehoben. Im Basisszenario wird nun ein Durchschnitt von 2,6 % im Jahr 2026, 2 % im Jahr 2027 und 2,1 % im Jahr 2028 erwartet.
In einem "ungünstigeren" Szenario warnte die Zentralbank, dass die Inflation in diesem Jahr auf 4 % ansteigen könnte. Im "schwerwiegendsten" Basisszenario, das einen stärkeren und anhaltenderen Energiepreisschock sowie eine weitere erhebliche Zerstörung der Energieinfrastruktur am Golf annimmt, könnte die Rate Anfang nächsten Jahres sogar über 6 % liegen. Lagarde betonte, dass die Reaktion entsprechend energisch oder anhaltend sein müsse, wenn die Inflation erheblich und dauerhaft vom Ziel abweiche.
Wichtige Indikatoren im Fokus der EZB
EZB-Chefvolkswirt Philip Lane nannte am Mittwoch separat die Preiserhöhungserwartungen von Unternehmen und die Löhne für Neueinstellungen als einige der wichtigsten Inflationsindikatoren, die die EZB beobachten wird. Lagarde betonte, dass die Zentralbank die Energiepreise nicht direkt beeinflussen könne, aber deren Auswirkungen auf die Gesamtinflation und die Zweitrundeneffekte durch Löhne und Inflationserwartungen genau beobachten müsse.
Es gibt bereits Anzeichen dafür, dass der Konflikt im Iran das Geschäftsvertrauen und die Aktivität beeinträchtigt. Die Produktion des Privatsektors im verarbeitenden Gewerbe und im Dienstleistungssektor des Euroraums sank im März auf ein 10-Monats-Tief, wie aus den am Dienstag veröffentlichten Flash-Einkaufsmanagerindexdaten von S&P Global hervorgeht.
Aktuell keine sofortige Aktion, aber hohe Wachsamkeit
Trotz der erhöhten Inflationsrisiken betonte Lagarde, dass es "zu früh" sei, Entscheidungen über Zinssätze zu treffen. Die Entscheidungsträger müssten noch "die Art, das Ausmaß und die Dauer des erwarteten starken Inflationsanstiegs, der durch steigende Energiepreise verursacht wird", bewerten. Lagarde erklärte gegenüber Zentralbankbeobachtern, dass die Auswirkungen des Konflikts derzeit nicht ausreichen, um sofortige Maßnahmen der EZB zu veranlassen. Sie fügte hinzu: "Wenn der aktuelle Energiemarktschock eingedämmt werden kann, dürften seine Auswirkungen auf die Gesamtinflation begrenzt sein."