
Finanzmärkte 2026: Zwischen Ruhephase und globalen Risiken
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Die letzten Tage des Jahres 2025 sind von einer ruhigen Handelsagenda geprägt, doch die Finanzmärkte bereiten sich auf einen ereignisreichen Start ins Jahr 2026 vor. Während viele Händler ihre Schreibtische räumen, könnten geringe Liquidität und erhöhte geopolitische Spannungen das Risiko von Volatilitätsepisoden wie Flash-Crashes verstärken.
Ruhe vor dem Sturm: Märkte im Winterschlaf
Die festliche Zeit läutet eine Phase mit geringen Handelsvolumen und wenigen Top-Veröffentlichungen ein, da viele Händler bis zur ersten vollen Januarwoche 2026 pausieren. Dies schafft ein Umfeld, in dem plötzliche Bewegungen aufgrund extrem niedriger Liquidität verstärkt werden könnten. Die volle Dynamik kehrt voraussichtlich in der ersten Januarwoche 2026 zurück, wenn der US-Arbeitsmarktbericht wieder seinen üblichen Zeitplan aufnimmt.
Geopolitische Spannungen und KI-Risiken
Die Spannungen zwischen den USA und Venezuela sind weiterhin hoch. Präsident Trump könnte weitere Maßnahmen ergreifen, etwa die Ausweitung militärischer Schläge gegen Drogenhändler auf venezolanisches Land oder eine Verschärfung der Blockade sanktionierter Öltanker. Solche Eskalationen würden wahrscheinlich die Ölpreise und in geringerem Maße auch Gold beflügeln. Geopolitische Instabilität gilt seit drei Jahren als größte Bedrohung für die Weltwirtschaft und die Unternehmensleistung.
Zudem besteht die Gefahr von Panikverkäufen an der Wall Street, falls die Unsicherheit bezüglich Künstlicher Intelligenz (KI) anhält. Obwohl einige Bewertungen überzogen erscheinen, steht die KI-Revolution erst am Anfang. Die leicht verlängerte Dauer der feiertagsbedingten geringen Liquidität erhöht das Risiko, dass eine negative KI-bezogene Schlagzeile eine neue Verkaufswelle bei Tech-Aktien auslösen könnte, falls Zweifel an den Bewertungen aufkommen.
Wichtige Entscheidungen zum Jahresauftakt 2026
Investoren werden sich voraussichtlich zurückhalten und zwei Schlüsselentscheidungen im frühen Januar abwarten. Erstens wird der US Supreme Court über Trumps Zölle entscheiden, was monatelange Unsicherheit beendet. Ein Urteil gegen die Zölle könnte jedoch die Unsicherheit verschärfen und die US-Regierung Milliarden kosten, falls sie zur Rückerstattung von Zolleinnahmen gezwungen wird. Handels politische Änderungen haben sich seit Juni als größte Störung des globalen Wachstums verdoppelt und werden nun von 60 % der Befragten als Top-Bedrohung genannt.
Zweitens wird Präsident Trump seinen Kandidaten für die Leitung der Federal Reserve nominieren, wenn Jerome Powells Amtszeit im Mai 2026 endet. Eine Überraschung ist nicht auszuschließen, doch der neue Fed-Vorsitzende wird voraussichtlich dovish sein als Powell, was das Ereignis für die Märkte als risikoarm erscheinen lässt. Die Fed hielt ihre Zinsen am 28. Januar 2026 stabil.
US-Wirtschaftsdaten im Fokus
Die US-Agenda ist in den kommenden Wochen am dichtesten. Die erste Schätzung des BIP für das dritte Quartal wird am Dienstag erwartet und soll ein annualisiertes Wachstum von 3,2 % zeigen, langsamer als die 3,8 % im zweiten Quartal. Ebenfalls am Dienstag werden die Oktober-Verbraucherpreise (CPI) veröffentlicht.
Am 30. Dezember publiziert die Fed die Protokolle ihrer Dezember-Sitzung. Diese werden auf Hinweise zum Zeitpunkt der nächsten Zinssenkung und zur Stärke der Inflationssorgen unter den Entscheidungsträgern geprüft. Im Januar folgen wichtige Daten wie der ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe (5. Januar), JOLTS-Stellenangebote, der ADP-Arbeitsmarktbericht und der ISM-Dienstleistungs-PMI.
Der Dezember-Arbeitsmarktbericht (NFP) am 9. Januar ist von größter Bedeutung. Nach gemischten Zahlen im November könnte eine weitere Schwäche am Arbeitsmarkt die Erwartungen einer Zinssenkung im Januar befeuern. Insbesondere wenn die Arbeitslosenquote, die im November ein Vierjahreshoch von 4,6 % erreichte, weiter steigt, wird es für die Fed-Falken schwierig, ihre Haltung zu verteidigen. Die vorläufige Umfrage der University of Michigan für Dezember wird ebenfalls am 9. Januar veröffentlicht. Für den US-Dollar dürften die ISM- und NFP-Daten den größten Einfluss haben, wobei die Risiken derzeit nach unten tendieren.
Asien und Australien: Inflations- und Zinsausblick
In Japan geht der Geschäftsbetrieb auch über die Feiertage weiter. Am 26. Dezember werden die Dezember-Daten für die Region Tokio sowie die November-Werte für Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätze veröffentlicht. Nach der Zinserhöhung der Bank of Japan (BoJ) im Dezember liegt der Fokus auf dem Zeitpunkt der nächsten Anhebung. Die BoJ wird am 29. Dezember die Zusammenfassung der Meinungen dieser Sitzung veröffentlichen. Ein Anstieg des Inflationsdrucks könnte die Wahrscheinlichkeit weiterer BoJ-Zinserhöhungen erhöhen und den Yen stärken. Die Inflation in Japan erreichte im Oktober 3 %.
In Australien werden am 7. Januar die November-CPI-Daten erwartet. Ein Rückgang des monatlichen CPI, der im Oktober unerwartet auf 3,8 % im Jahresvergleich gestiegen war, könnte den Zeitpunkt einer potenziellen Zinserhöhung der Reserve Bank of Australia (RBA) nach hinten verschieben und den Australischen Dollar belasten.
Europa: Wenig Bewegung erwartet
In Europa bleibt es weitgehend ruhig, abgesehen von den BIP-Zahlen für das dritte Quartal aus Großbritannien am Montag und der Schnellschätzung der Eurozone für den Dezember-CPI am 7. Januar. Da sowohl die Bank of England (BoE) als auch die Europäische Zentralbank (EZB) ihre letzten geldpolitischen Entscheidungen des Jahres bereits getroffen haben, dürften diese Veröffentlichungen den Euro und das Pfund kaum bewegen. Die EZB pausiert voraussichtlich mindestens bis Mitte 2026.
Globale Risikolandschaft: Handel, Inflation und Schulden
Die Weltwirtschaft steht vor einer Reihe miteinander verknüpfter Bedrohungen. Neben den Handels politischen Sorgen und geopolitischer Instabilität ist die Inflation, die im November bei den Dienstleistungen beschleunigte und in Japan im Oktober 3 % erreichte, wieder unter den Top-Fünf-Risiken. Die Fed riskiert ihre Glaubwürdigkeit, wenn sie sich zu eng auf den Arbeitsmarkt konzentriert, während die Inflation lauert.
Globale BIP-Prognosen zeigen eine Verlangsamung von 3,4 % im Jahr 2025 auf 3,2 % im Jahr 2026. Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession im Jahr 2026 liegt bei 35 %. Die Staatsverschuldung steigt bei höheren langfristigen Zinsen, wobei Japan und Großbritannien Auktionsdruck erleben. Lieferkettenstörungen erreichten den höchsten Stand seit Dezember 2022. Schwellenländer sind besonders anfällig für diese Belastungen, da Währungsvolatilität bestehende wirtschaftliche Fragilitäten verstärkt.
Im Finanzsystem erscheinen regulierte Banken besser kapitalisiert. Risiken könnten jedoch aus den weniger regulierten Bereichen, insbesondere dem Private-Credit-Markt, entstehen. Eine Kombination aus Hebelwirkung und Illiquidität endet selten gut, wenn das Wachstum sich verlangsamt. Ein starker Ausverkauf an den Aktienmärkten, deren Bewertungen sich Dotcom-Niveaus nähern, könnte das Haushaltsvermögen schmälern und Unternehmensbilanzen schwächen. Der Effekt auf die reale Wirtschaft ist jedoch typischerweise moderat; ein 10 %iger Rückgang der Aktienkurse reduziert das BIP in der Regel nur um wenige Zehntelprozentpunkte.