Michael Burrys GameStop-Wette: Warum der "Big Short"-Investor den Meme-Hype verpasste

Michael Burrys GameStop-Wette: Warum der "Big Short"-Investor den Meme-Hype verpasste

Aktualisiert:
6 Min. Lesezeit
AI-Generated
Human-verified
Teilen:

Keine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken

Michael Burry, der durch den Film "The Big Short" bekannt wurde, hat in einem kürzlich veröffentlichten Substack-Beitrag seine GameStop-Wette erneut beleuchtet. Er investierte Jahre vor dem Meme-Aktien-Boom in das Unternehmen, verkaufte seine Anteile jedoch, bevor der Kurs in schwindelerregende Höhen stieg. Burry reflektiert über die verpasste Chance und die komplexen Dynamiken, die den historischen Anstieg auslösten.

Michael Burrys frühe Wette auf GameStop

Burry, der kürzlich seine Rolle als Hedgefondsmanager aufgab und sich dem Online-Schreiben widmet, investierte erstmals im Sommer 2018 in GameStop. Er sah den Videospielhändler als unterbewertet an und identifizierte mehrere Katalysatoren für einen Kursanstieg:

  • Eine Konsolenaktualisierung im Jahr 2020
  • Die Möglichkeit einer Übernahme
  • Der potenzielle Verkauf des Spring Mobile Geschäfts
  • Starke Cashflows und eine große Barreserve, die Spielraum für einen "sehr großen und bedeutsamen Rückkauf" boten

Nachdem die Aktie im zweiten Quartal 2019 nicht reagierte, stieg Burry zunächst aus. Im Juli 2019 reinvestierte er jedoch "mit beiden Händen" und machte GameStop zu einer seiner größten Positionen. Ein frischer Katalysator war dabei das hohe Short-Interesse. Er besuchte sogar eine GameStop-Filiale, um seine Einschätzung zu überprüfen, was ihn jedoch nicht überzeugte.

Burry engagierte sich öffentlich und schrieb an den Vorstand von GameStop, um Veränderungen voranzutreiben. Er forderte unter anderem eine Aktienrückkaufgenehmigung, die 80 % der Stammaktien aus dem Verkehr hätte ziehen können, und kritisierte die "ungeheuerliche" Vorstandsvergütung. Während dieser Zeit erhielt er E-Mails von Keith "Roaring Kitty" Gill, der später zum Gesicht der GameStop-Meme-Manie werden sollte, und von Chewy-Mitbegründer Ryan Cohen, der später CEO von GameStop wurde. Burry veröffentlichte auch E-Mails aus dem Jahr 2019 zwischen sich, Gill und Cohen.

Der Ausstieg vor dem Meme-Hype

Burry kaufte seine GameStop-Aktien beim zweiten Einstieg zu einem split-bereinigten Durchschnittspreis von 83 Cent. Er hielt einen Anteil von fast 5 % für über 16 Monate und verlieh die Aktien die meiste Zeit zu "sehr guten Raten – hohe zweistellige Prozentsätze", was einen lukrativen Teil des Geschäfts ausmachte. Bis Ende November 2020 veräußerte Burry seine Anteile zu einem Durchschnittspreis von 3,38 US-Dollar pro Aktie, was mehr als dem Vierfachen seines Kaufpreises entsprach.

Nur wenige Wochen später, am 28. Januar 2021, führten Kleinanleger auf Foren wie r/WallStreetBets einen historischen Short Squeeze bei GameStop durch. Der Aktienkurs schoss auf ein Intraday-Hoch von über 120 US-Dollar. Burry, dessen Scion Asset Management im vierten Quartal 2020 ausstieg und mittlerweile abgemeldet ist, verpasste damit einen potenziellen Gewinn von einer Milliarde US-Dollar. Er merkte jedoch an, dass dies "nie eine Möglichkeit" gewesen wäre, da er lange vor diesem Punkt verkauft hätte.

Burry führte seinen frühen Ausstieg auf "Execution Risk" zurück. Er hatte das Vertrauen in einen massiven Aktienaufschwung verloren und sah die Umsetzung von Ryan Cohens "Tech-Forward"-Manifest vom November 2020 als risikoreich an. Er bevorzugte die konkreten Ergebnisse von Aktienrückkäufen gegenüber vagen digitalen Transformationsplänen. Zudem sah er sich mit Kundenabzügen bei Scion konfrontiert. Burry nutzte die Gelegenheit zum Ausstieg, nachdem die GameStop-Aktien nach Cohens Offenlegung seiner Beteiligung gestiegen waren. Er hatte "keine Ahnung, was kommen würde", weder von "Roaring Kitty" noch von einem "weit verbreiteten Gamma Squeeze".

Die Anatomie eines "Legal Market Corner"

Burry beschrieb das Ereignis als den einzigen "legalen Market Corner", den er je erlebt habe. Er erklärte, wie Kleinanleger einen "Gamma Squeeze" nutzten, indem sie massive Mengen an Call-Optionen kauften. Dies zwang Market Maker wie Citadel und Virtu, die zugrunde liegenden Aktien zu kaufen, um die Delta-Neutralität aufrechtzuerhalten.

Burry wies die populäre Theorie zurück, dass "Naked Short Selling" der Haupttreiber war. Stattdessen argumentierte er, dass die Volatilität die standardmäßige "Schichtung" synthetischer Positionen durchbrach und einen Panik-Unwind bei legalen Short Sellern erzwang. Er gab zu, die Situation hätte besser analysiert werden können, da er GameStop "in- und auswendig" kannte, aber durch das "Execution Risk" geblendet war.

Burrys Reflexionen und die "Village S**t"-Strategie

Burry, bekannt für seine Vorhersage der Immobilienkrise vor 2008, hatte gemischte Gefühle bezüglich der Meme-Aktien-Manie Anfang 2021: "Es war spektakulär. Es war urkomisch. Es war wiederum tragisch." Er befürchtete, dass Kleinanleger bei diesem "Meme-Ding" "zerfleischt" werden würden, und warnte sie zur Vorsicht. Er sprach sich aus, weil er sich wünschte, er hätte effektiver vor den Ereignissen von 2005-2007 warnen können.

Die "Village S**t"-Strategie, bei der unbeliebte Unternehmen mit tiefem Wert gekauft werden, wandte Burry bereits 2001 bei Avanti an und später bei GameStop. Obwohl seine fundamentale These korrekt war, gab er zu, von traditionellen Bewertungskennzahlen "geblendet" gewesen zu sein und die Retail-Manie nicht vorhergesehen zu haben, die den "schmelzenden Eiswürfel" zu einem globalen Phänomen machte.

GameStop heute: Eine neue Perspektive?

Burry, der als Deep-Value-Investor während seines Medizinstudiums als Investment-Blogger tätig war, kündigte einen kommenden Substack-Beitrag an, der eine "Analyse von GameStop als Investition heute" bieten wird. Er merkte an, dass GameStop als "schmelzender Eiswürfel und eine Kapitalstruktur mit einigen Optionalitäten" heute "ungefähr so ist, wie ich es 2018 angegangen bin, außer dass es nur zu 16 % geshortet ist, alle Zahlen zehnmal größer sind und Ryan es leitet, im Guten wie im Schlechten."

Die GameStop-Aktie hat im Jahr 2025 eine anhaltende Talfahrt erlebt, mit einem Rückgang von 27,95 % seit Jahresbeginn und 24,97 % über das Jahr. In den letzten sechs Monaten sank sie um 5,27 %, legte aber im letzten Monat um 7,76 % zu. Am Montag schloss die Aktie 4,05 % höher bei 22,09 US-Dollar.

Milliardäre im Minus, Retail-Anleger reaktiviert

Burrys jüngste Äußerungen auf X (ehemals Twitter) und Substack, darunter ein Tweet vom 27. November 2025 mit der Bemerkung "It was complicated with $GME. In some ways, I wasn't really done in 4Q 2019", haben die Spekulationen der Kleinanleger erneut angeheizt. Dies geschah kurz vor dem erwarteten Gewinnbericht am 9. Dezember, für den ein EPS von 18 Cent bei einem Umsatz von 987 Millionen US-Dollar geschätzt wird.

Trotz des jüngsten Aufschwungs verzeichneten große Hedgefonds, die im dritten Quartal 2025 Engagements in GME hielten, erhebliche Buchverluste:

  • Jim Simons (Renaissance Technologies): etwa 20,2 Millionen US-Dollar Verlust bei 3,58 Millionen Aktien
  • Ken Griffin (Citadel Advisors): etwa 706.000 US-Dollar Verlust bei 125.000 Aktien
  • Cliff Asness (AQR): etwa 98.000 US-Dollar Verlust bei 17.400 Aktien

Steven Cohens Point72 hingegen verkaufte seine verbleibenden 834.000 Aktien vor Beginn des vierten Quartals vollständig, was sich als vorausschauender Schritt erwies. Die GameStop-Aktie bleibt weiterhin ein Spannungsfeld zwischen der "Kult-Überzeugung" der Kleinanleger und der "brutalen Arithmetik" der Fundamentaldaten.

Erwähnte Persönlichkeiten