
Novo Nordisk: GLP-1-Pionier kämpft mit Wettbewerb und Preisdruck
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Novo Nordisk, einst Pionier und Europas wertvollstes Unternehmen dank seiner GLP-1-Medikamente zur Gewichtsreduktion, sieht sich zunehmenden Herausforderungen gegenüber. Starker Wettbewerb, Preisdruck und Rückschläge in der Medikamentenentwicklung haben den dänischen Pharmakonzern in den letzten Monaten schwer getroffen. Der Aktienkurs spiegelt diese Schwierigkeiten wider und notiert nur noch bei einem Viertel seines Höchststandes vor weniger als zwei Jahren.
Marktführerschaft unter Druck
Obwohl Novo Nordisk das erste Unternehmen war, das ein GLP-1-Medikament zur Gewichtsreduktion auf den Markt brachte, hat sich sein Marktanteil erheblich verringert. Aktuellen Schätzungen zufolge hält das Unternehmen nur noch etwa 40 % des Marktes, während der Rivale Eli Lilly 60 % für sich beansprucht. Diese Verschiebung unterstreicht den intensiven Wettbewerb in diesem schnell wachsenden Segment.
Wettbewerb und Portfolio-Fokus
Novo Nordisk wird oft als "Diabetes- und Adipositas-Pure-Play" bezeichnet. Im Jahr 2025 umfasste das Portfolio sechs Markenmedikamente mit einem Jahresumsatz von mindestens 1 Milliarde US-Dollar. Im Vergleich dazu verfügt Eli Lilly über acht sogenannte Blockbuster-Medikamente und ein breiteres Portfolio, das auch Onkologie- und Gentherapien umfasst. Die kombinierten Umsätze von Ozempic und Wegovy, den beiden größten Medikamenten von Novo, beliefen sich im letzten Jahr auf etwa 32 Milliarden US-Dollar, was rund 67 % des Gesamtumsatzes ausmachte. Eli Lillys Mounjaro und Zepbound erzielten im gleichen Zeitraum kombinierte Umsätze von etwa 37 Milliarden US-Dollar, was 56 % des Gesamtumsatzes des Unternehmens entsprach. Auch andere große Pharmaunternehmen wie AstraZeneca, Roche, Amgen und Pfizer (durch die Übernahme von Metsera) streben den Eintritt in den Markt für Gewichtsverlustmedikamente an und verfügen über eine deutlich höhere Anzahl von Blockbuster-Medikamenten.
Preisdruck im Schlüsselmarkt USA
Ein wesentlicher Faktor für die Herausforderungen von Novo Nordisk ist der Preisdruck in seinem wichtigsten Markt, den USA. Seit 2023 entfällt mehr als die Hälfte des Gesamtumsatzes von Novo auf die Vereinigten Staaten. Sinkende Preise in dieser Region belasten sowohl den Umsatz als auch die Profitabilität des Unternehmens. Im vergangenen Jahr einigten sich Novo und Lilly mit der Trump-Regierung darauf, die Preise für ihre GLP-1-Medikamente bei Medicare und Medicaid zu senken und die Behandlungen direkt an Verbraucher mit Rabatt anzubieten. CEO Mike Doustdar erklärte anlässlich der Veröffentlichung des Jahresergebnisses Anfang des Monats: "Im Jahr 2026 wird Novo Nordisk in einem zunehmend wettbewerbsintensiven Markt mit Preisgegenwind konfrontiert sein."
Enttäuschende Pipeline und Aktienkursentwicklung
Die Anleger wurden zuletzt am Montag verunsichert, als Novo Nordisk enttäuschende Ergebnisse einer Studie zu seinem Medikament der nächsten Generation zur Gewichtsreduktion, CagriSema, bekannt gab. In dieser Studie trat CagriSema gegen Eli Lillys Tirzepatid, auch bekannt als Zepbound, an. Die Nachricht ließ die Aktie an diesem Tag um über 16 % fallen. Seit ihrem Höchststand von etwas über 1.000 dänischen Kronen pro Aktie Mitte 2024 ist die Novo-Aktie um 75 % gefallen. Über die letzten fünf Jahre stieg der Kurs lediglich um etwas mehr als 10 %, während Eli Lilly im gleichen Zeitraum einen Anstieg von 400 % und der europäische Blue-Chip-Index Stoxx 600 einen Zuwachs von 55 % verzeichneten. Jyske Bank-Analyst Henrik Hallengreen Laustsen kommentierte am Dienstag, das Vertrauen in die Aktie sei "auf dem Tiefpunkt".
Ausblick und Strategie
Trotz der aktuellen Schwierigkeiten zeigt sich CEO Mike Doustdar hinsichtlich der langfristigen Entwicklung zuversichtlich. Er betonte, dass neue Medikamente, die Wegovy-Pille und erhöhte Volumina das langfristige Wachstum vorantreiben werden. Nach der Vorabveröffentlichung der Prognose für 2026, die sinkende Umsätze vorhersagte, sagte Doustdar gegenüber CNBC: "Die Leute sollten erwarten, dass es erst bergab geht, bevor es wieder bergauf geht."