Novo Nordisk: Kampf um Marktanteile und Vertrauen im US-Abnehmmarkt 2026

Novo Nordisk: Kampf um Marktanteile und Vertrauen im US-Abnehmmarkt 2026

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Nach einem historisch schlechten Börsenjahr 2025 steht Novo Nordisk 2026 vor einer entscheidenden Phase. Der dänische Pharmakonzern, bekannt für seine GLP-1-Medikamente Ozempic und Wegovy, muss das Vertrauen der Investoren zurückgewinnen und sich in einem zunehmend umkämpften US-Markt behaupten. Eine Reihe von Gewinnwarnungen, die aggressive Expansion des Hauptkonkurrenten Eli Lilly, ein Führungswechsel und das Aufkommen günstiger Nachahmerprodukte haben die Aktie stark belastet.

Die orale Revolution: Wegovy als Pille zugelassen

Kurz vor Jahresende 2025 erhielt Novo Nordisk eine wichtige Nachricht: Die orale Version seines Blockbuster-Medikaments Wegovy wurde in den USA zugelassen. Dies markiert die erste orale GLP-1-Behandlung zur Gewichtsreduktion auf dem Markt und ließ die Aktien des Unternehmens um fast 10 % steigen. Analysten werteten dies als ein "frühes Weihnachtsgeschenk", das Novo Nordisk helfen könnte, verlorenen Boden im GLP-1-Segment zurückzugewinnen.

Die orale Wegovy-Pille zeigte in Studien eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von 16,6 % über 64 Wochen. Novo-CEO Mike Doustdar betonte, dass die Pille die gleiche Wirksamkeit wie ihr injizierbares Pendant aufweisen werde. Pillen bieten zudem Vorteile wie einfachere Lagerung ohne Kühlung und eine leichtere Markteinführung in neuen Regionen, was sie für Verbraucher attraktiver macht.

Intensiver Wettbewerb und neue Strategien

Der Wettbewerb im Abnehmmarkt verschärft sich zusehends. Eli Lilly wird voraussichtlich im zweiten Quartal 2026 die Zulassung für seine eigene orale Abnehmpille Orforglipron erhalten. Orforglipron zeigte in Studien eine durchschnittliche Gewichtsabnahme von 12,4 % über 72 Wochen. Eli Lillys injizierbares Medikament Zepbound hat bereits erhebliche Marktanteile erobert, indem es als die wirksamste Behandlung für Gewichtsverlust positioniert wurde.

Novo Nordisk verfolgte bisher eine andere Strategie, indem es Adipositas als Krankheit und Wegovy als Mittel zur Behandlung von Adipositas-bedingten Begleiterkrankungen (Komorbiditäten) wie Leber-, Nieren- und Herzerkrankungen betonte. Sydbank-Analyst Søren Løntoft Hansen merkte jedoch an, dass dieser Ansatz im US-Markt bisher wenig Resonanz finde. Amerikanische Patienten und der Markt scheinen primär an der maximalen Gewichtsabnahme interessiert zu sein.

Um dieser Nachfrage gerecht zu werden, beantragte Novo Nordisk Ende November 2025 die FDA-Zulassung für eine höhere Dosis der Wegovy-Injektion (7,2 mg). Studien zeigten, dass diese höhere Dosis eine durchschnittliche Gewichtsreduktion von 20,7 % bewirkte, was der Wirksamkeit von Lillys Zepbound entspricht.

Ein weiterer potenzieller Wachstumstreiber für Semaglutid ist die Zulassung für die Behandlung der metabolischen Dysfunktions-assoziierten Steatohepatitis (MASH), einer Lebererkrankung. Wegovys Wirksamkeit bei MASH war vergleichbar mit Rezdiffra, dem ersten von der FDA zugelassenen Medikament für MASH. Angesichts der größeren kommerziellen Reichweite von Novo Nordisk könnte dies erhebliche Umsätze generieren.

Regulierungsdruck und der US-Markt

Der US-Markt für Abnehmmedikamente ist einzigartig, da er stark von den Verbrauchern getrieben wird und viele Medikamente nicht vollständig von Krankenversicherungen abgedeckt sind. Die zweite Amtszeit von Präsident Donald Trump bringt zusätzliche Herausforderungen für Pharmaunternehmen mit sich. Trump hat mit dreistelligen Zöllen gedroht, falls Pharmaunternehmen nicht erheblich in den USA investieren, und einen "Krieg" gegen hohe Arzneimittelpreise geführt.

Im November 2025 erzielte die Trump-Regierung eine Einigung mit Novo Nordisk und Eli Lilly, um die Preise ihrer meistverkauften GLP-1-Medikamente für Medicare- und Medicaid-Patienten zu senken. Zudem wurden Vereinbarungen getroffen, die Medikamente direkt über die im Januar 2026 startende Website TrumpRx.gov mit Rabatten an Verbraucher anzubieten. Diese Maßnahmen, einschließlich der "Most Favored Nation"-Preisgestaltung (MFN), bei der US-Preise an die niedrigsten Preise in anderen wohlhabenden Ländern angepasst werden, könnten die Preise für Ozempic, Wegovy und Zepbound um mehr als 65 % senken. Novo Nordisk hat im Gegenzug zugesagt, 10 Milliarden US-Dollar in die Erweiterung der US-Produktion zu investieren.

Der Direktvertrieb und neue Konkurrenten

Der aufkommende Direktvertrieb an Patienten wird zu einem entscheidenden Faktor für zukünftiges Umsatzwachstum. Karen Andersen von Morningstar merkte an, dass der TrumpRx-Deal Novo Nordisk helfen wird, preislich wettbewerbsfähiger gegenüber Compoundern zu werden, die günstigere Nachahmerversionen der Medikamente herstellen. Orale GLP-1-Medikamente sind besonders gut für diesen Kanal geeignet und könnten den Markt weiter in Richtung Barzahlung verschieben. Eli Lilly hat mit LillyDirect bereits einen Vorsprung in diesem Bereich.

Führungswechsel und Ausblick

Die internen Turbulenzen bei Novo Nordisk sind ebenfalls ein wichtiger Faktor. Im Mai 2025 wurde der langjährige CEO aufgrund "aktueller Marktherausforderungen" und der Aktienkursentwicklung abgesetzt. Sechs Monate später traten alle unabhängigen Vorstandsmitglieder zurück, da sie mit dem Tempo der Veränderungen und der Bewältigung der Herausforderungen im US-Markt unzufrieden waren.

Sydbank-Analyst Søren Løntoft Hansen bezeichnete die Entwicklung im US-Markt als "Show me case" für Investoren und betonte, dass die "vermarktungsfähige Entwicklung für Wegovy und Ozempic ein Kampf ist, den [CEO] Mike Doustdar und der neue Vorstand gewinnen müssen." Er fügte hinzu, dass derzeit keine signifikanten positiven Fortschritte erkennbar seien.

Novo Nordisk muss 2026 den Fortschritt bei der oralen Wegovy-Version und den höher dosierten Injektionen mit diesen vielfältigen Gegenwinden in Einklang bringen. Die niedrigeren Preise durch MFN-Regelungen und Patentabläufe in Ländern wie Brasilien, Kanada und China werden voraussichtlich zu einem "sinkenden Umsatz" führen. Gleichzeitig wird 2026 voraussichtlich mehr Klarheit über das Medikament der nächsten Generation, CagriSema, bringen, das Semaglutid mit Cagrilintid kombiniert. Die Investitionen in Forschung und Entwicklung, die 16,6 % des Gesamtumsatzes ausmachten, belasten zwar die Liquidität, sind aber entscheidend für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit.

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