
OnlyFans: Milliardenumsatz mit 42 Mitarbeitern und ohne Middle Management
ℹKeine Anlageberatung • Nur zu Informationszwecken
OnlyFans, die bekannte Abonnement-Plattform, erzielt mit einem erstaunlich kleinen Team von nur 42 Vollzeitmitarbeitern einen jährlichen Umsatz von 7 Milliarden US-Dollar. CEO Keily Blair setzt dabei auf eine unkonventionelle Personalstrategie: den Verzicht auf mittleres Management, um Effizienz und Agilität zu maximieren. Diese Herangehensweise steht im Kontrast zur oft volatilen Realität der Creator Economy, in der Millionen von Content-Erstellern um ihren Lebensunterhalt kämpfen.
OnlyFans: Schlankes Team, Milliardenumsatz
Die 2016 gegründete Plattform OnlyFans hat sich zu einem globalen Phänomen entwickelt, das mittlerweile 400 Millionen Nutzer und 4 Millionen Content-Ersteller zählt. Keily Blair, die 2023 die Position der CEO übernahm, betonte auf der Web Summit Technologiekonferenz in Lissabon die beeindruckende Effizienz ihres Unternehmens. Mit lediglich 42 festangestellten Mitarbeitern generiert OnlyFans einen jährlichen Umsatz von 7 Milliarden US-Dollar – eine Leistung, die von Jeff Berman, dem Moderator des Masters of Scale Podcasts, als "sehr mächtig" bezeichnet wurde. Blair zeigte sich stolz auf ihr Team, das sie als "ziemlich effiziente Truppe" beschrieb.
Die Philosophie hinter dem Erfolg
Der Schlüssel zu dieser außergewöhnlichen Effizienz liegt laut Blair in einer klaren Personalstrategie: dem vollständigen Verzicht auf mittleres Management. "Wir stellen unglaublich erfahrene Talente ein und dann unglaublich hungrige Nachwuchstalente, und wir achten bei der Einstellung auf Einstellung und Begabung statt auf Erfahrung", erklärte Blair. Sie fügte hinzu: "Und wir haben diese Art von schwammiger Schicht des mittleren Managements in der Mitte nicht, denn niemand hatte meiner Erfahrung nach jemals einen wirklich guten mittleren Manager."
Bei OnlyFans wird der Erfolg von Führungskräften nicht an der Anzahl der direkt unterstellten Mitarbeiter gemessen. Stattdessen wird der Wert individueller Beiträge betont: "Wir haben unseren Teams gesagt: 'Man kann ein Ein-Personen-Team sein und außergewöhnliche Ergebnisse liefern, und das wird sehr geschätzt'", so Blair. Es gibt keine "Manager-Laufbahn" für die Karriereentwicklung der Mitarbeiter; jeder OnlyFans-Mitarbeiter ist ein individueller Leistungsträger.
Ein Trend in der Tech-Branche
Die Personalstrategie von OnlyFans ist kein Einzelfall, sondern spiegelt einen breiteren Trend in der Tech-Branche wider. Große Technologieunternehmen wie Microsoft, Meta, Amazon, Intel und Google haben in den letzten Jahren ebenfalls den Personalbestand im mittleren Management reduziert. Ziel ist es, flachere Hierarchien zu schaffen und die Effizienz zu steigern, um in einem sich schnell entwickelnden Markt wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die Kehrseite der Creator Economy
Während OnlyFans intern auf maximale Effizienz setzt, ist die Creator Economy, deren Teil die Plattform ist, von einer komplexeren Realität geprägt. Vor einem Jahrzehnt war "Content Creator" noch keine anerkannte Berufsbezeichnung; heute ist es eine globale Milliardenindustrie mit schätzungsweise über 200 Millionen Teilnehmern auf Plattformen wie YouTube, TikTok, Instagram, Twitch, Substack, Patreon und OnlyFans. Teenager nennen "YouTuber" als ihren Top-Berufswunsch, und Unternehmen bauen Marketingstrategien um Influencer auf.
Doch hinter dem rasanten Aufstieg verbirgt sich eine wachsende Frage nach der Nachhaltigkeit dieser Karrierewege. Die Creator Economy schafft zwar Reichtum und Chancen, ist aber auch von Volatilität, Einkommensungleichheit, Burnout und Plattformabhängigkeit geprägt.
Nachhaltigkeit und Herausforderungen
Die Erfolgsgeschichten der Mega-Creator verdecken eine unbequeme wirtschaftliche Realität: Die Mehrheit der Content-Ersteller verdient sehr wenig. Studien zeigen, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Creator genug zum Leben verdient. Die meisten sind auf Sponsoring angewiesen, dessen Einnahmen mit Trends und Markenbudgets schwanken. Werbeeinnahmen sind volatil und stark von der Algorithmus-Exposition abhängig. Zudem schmälern Plattformgebühren, Steuern, Ausrüstungskosten und der hohe Zeitaufwand das Nettoeinkommen erheblich.
Selbst auf YouTube verdienen viele Creator mit über einer Million Abonnenten nur bescheidene Einkommen, da die Monetarisierung von der Wiedergabezeit, den CPM-Raten und den Werbetrends abhängt – nicht von der Followerzahl. Diese Verteilung ähnelt einem klassischen Power-Law-Prinzip: Eine kleine Gruppe von Mega-Creatorn dominiert die Einnahmen, während die große Mehrheit um die Reste kämpft. Diese Dynamik schürt die Befürchtung einer Blase in der Creator Economy, gekennzeichnet durch hohe Beteiligung, begrenzte finanzielle Rentabilität und immensen Druck auf die Plattformen, die Monetarisierung aufrechtzuerhalten. Creator scherzen oft, dass ihr eigentlicher Chef "der Algorithmus" sei.