Ray Dalio: Iran-Krieg als Stufe 9 im Weltkriegs-Zyklus und drohender Kapitalkrieg

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Der renommierte Investor Ray Dalio warnt vor einer dramatischen Eskalation des Iran-Konflikts, der sich seiner Einschätzung nach in einen breiteren Weltkriegs-Zyklus einfügt. Während die Märkte auf ein schnelles Ende hoffen, sieht Dalio die Welt bereits in Stufe 9 eines 13-stufigen Prozesses und befürchtet zudem einen drohenden "Kapitalkrieg" mit weitreichenden Folgen für Staatsanleihen, den Dollar und den Aktienmarkt. Er rät Anlegern zu einem diversifizierten "All Weather"-Portfolio.

Dalios Weltkriegs-Zyklus und die aktuelle Eskalation

Ray Dalio, Gründer von Bridgewater Associates, hat einen 13-stufigen Zyklus identifiziert, der historisch allen umfassenden Weltkriegen vorausgeht. Seine Analyse, basierend auf 500 Jahren Geschichte, deutet darauf hin, dass sich die Welt derzeit in Stufe 9 befindet. Diese Stufe ist durch simultane Konflikte auf mehreren Kontinenten gekennzeichnet.

Der Zyklus beginnt laut Dalio mit Handelskriegen und Stellvertreterkonflikten, führt über die Instrumentalisierung von Engpässen und mündet in direkten militärischen Auseinandersetzungen großer Mächte. Die Stufen 10 bis 13 umfassen einen umfassenden Krieg und eine gewaltsame Umstrukturierung der Weltordnung. Dalio betont, dass die Märkte ein schnelles Ende des Iran-Krieges einpreisen, was seiner Einschätzung nach ein Irrtum sein könnte.

Der Konflikt als Teil eines größeren Ganzen

Dalio argumentiert, dass der US-Iran-Konflikt kein isoliertes Ereignis ist, sondern ein Schauplatz in einem umfassenderen globalen Konflikt. Er sieht die Bildung klarer Blöcke: China, Russland, Iran und Nordkorea auf der einen Seite; die USA, Europa, Israel und Japan auf der anderen. Die Leistung der USA gegen den Iran, eine Mittelmacht, werde von Rivalen in Asien und Europa genau beobachtet und könnte die Einschätzung der Glaubwürdigkeit amerikanischer Sicherheitsgarantien beeinflussen.

Historisch gesehen, so Dalio, habe keine dominante Macht erfolgreich an mehreren Fronten gleichzeitig gekämpft. Die jüngsten Drohungen von Präsident Trump, der dem Iran eine Frist bis Dienstag, 20 Uhr ET, setzte, um die Straße von Hormus wieder zu öffnen, und andernfalls mit dem "Tod der gesamten Zivilisation" drohte, passen laut Dalio in dieses Eskalationsmuster.

Was die Prognosemärkte sagen

Die Prognosemärkte spiegeln eine pessimistische Einschätzung der Lage wider. Polymarket gibt lediglich eine 6%ige Chance für einen Waffenstillstand bis zu Trumps selbst gesetzter Frist an. Die Wahrscheinlichkeiten steigen zwar im Frühjahr, bleiben aber gering: 21% bis zum 15. April, 34% bis zum 30. April und nur 50-50 bis zum 31. Mai.

Ein separater Markt für die Normalisierung des Verkehrs in der Straße von Hormus bis Ende April liegt bei 20%. Dies stützt Dalios Argument, dass der Iran bereit zu sein scheint, die USA auszusitzen, und Händler eine längere Störung einpreisen. Angesichts dieser Daten und Trumps Warnungen könnte Stufe 10 des Dalio-Zyklus nicht mehr weit entfernt sein.

Dalios Warnung vor einem "Kapitalkrieg"

Bereits Ende Januar warnte Ray Dalio vor einem drohenden "Kapitalkrieg" im globalen Finanzsystem, noch bevor der Iran-Krieg begann. Er sieht die Welt an der Schwelle zu einer Situation, in der Geld zunehmend "bewaffnet" werden könnte, etwa durch Kapitalkontrollen und das Einfrieren von Vermögenswerten.

Ein zentrales Problem ist die enorme und weiter steigende Verschuldung der US-Regierung. Das Defizit für das aktuelle Fiskaljahr (beginnend am 1. Oktober) hat bereits 1 Billion Dollar überschritten. Die Ausgaben für den Schuldendienst übersteigen mittlerweile die Verteidigungsausgaben. Bislang wurde ein Großteil dieser Schulden von ausländischen Käufern, insbesondere China und Europa, erworben, was die Renditen von US-Staatsanleihen niedrig hielt. Dalio befürchtet, dass dies bald enden könnte.

Die Folgen für US-Staatsanleihen und den Dollar

Sollten geopolitische Spannungen zunehmen und sich die Welt in Richtung Isolationismus bewegen, könnten US-Staatsanleihen für internationale Käufer unattraktiver werden. Wenn weniger Käufer vorhanden sind, sinkt die Nachfrage, was zu steigenden Zinsen und teureren Schulden führt. Die Regierung müsste dann mehr Anleihen ausgeben, um die steigenden Zinszahlungen zu decken, was wiederum das Angebot erhöht und die Zinsen weiter in die Höhe treibt – ein Teufelskreis.

Eine alternative Option wäre, dass die Regierung "sich freidruckt", indem sie ihre eigenen Schulden kauft, um steigende Zinsen zu vermeiden. Dies würde jedoch mehr Geld in das System bringen und zu einer Entwertung der Währung führen. Mehr Dollar im Umlauf bedeuten, dass jeder Dollar weniger wert ist. Dalio sieht in beiden Szenarien keine vorteilhafte Entwicklung.

Auswirkungen auf den Aktienmarkt

Die potenziellen Szenarien eines Kapitalkriegs hätten erhebliche Auswirkungen auf den Aktienmarkt. Im Falle steigender Zinsen und teurerer Schulden würde der Markt laut Dalio "zerschmettert". Investoren würden sich von Aktien abwenden und sich Anleihen zuwenden, da diese eine garantiertere Rendite bieten. Dies würde die gesamte Bewertungsgleichung von Aktien verändern.

Der aktuelle Aktienmarkt ist historisch hoch bewertet. Laut dem Shiller CAPE-Verhältnis war der S&P 500 (^GSPC 0.38%) nur zweimal teurer: auf dem Höhepunkt der Dot-Com-Blase und kurzzeitig während der Pandemie, als die Unternehmensgewinne einbrachen. Sollte die Regierung versuchen, sich durch Gelddrucken aus der Situation zu befreien, könnten die Aktienkurse zwar nominal steigen, aber in realen Begriffen möglicherweise nicht mit dem sinkenden Dollar und der hohen Inflation Schritt halten.

Dalios Anlagestrategie: Das "All Weather"-Portfolio

Angesichts der erhöhten Marktvolatilität durch den Iran-Krieg und die geopolitischen Spannungen warnt Ray Dalio davor, sich auf Bargeld zu verlassen oder zu versuchen, den Markt zu timen. Er bezeichnet dies als kritischen Fehler, der langfristig die Kaufkraft und die Renditen schmälert. Bargeld, einschließlich kurzfristiger Staatsanleihen oder Geldmarktfonds, biete zwar geringes Ausfallrisiko, liefere aber typischerweise die niedrigsten Nachsteuerrenditen und könne bei hoher Inflation erheblich an Kaufkraft verlieren.

Dalio betont, dass die meisten Anleger Schwierigkeiten haben, den Markt konsistent zu timen, selbst wenn sie glauben, es zu können. Stattdessen plädiert der Milliardär für eine diversifizierte "All Weather"-Strategie. Ein solches Portfolio sei darauf ausgelegt, über alle Wirtschaftszyklen hinweg die höchstmögliche Rendite bei geringstem Risiko zu erzielen, ohne auf Markt-Timing angewiesen zu sein. Es soll in guten wie in schlechten Zeiten widerstandsfähig bleiben, im Gegensatz zu konventionellen Portfolios wie dem 60/40-Aktien-Anleihen-Mix.

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