
Replit-CEO über Kapitalismus und KI: Vision trifft Kaliforniens Milliardärssteuer
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Amjad Masad, CEO von Replit, vertritt die Überzeugung, dass das wahre Versprechen des Kapitalismus darin liegt, jedem mit Ideen die Möglichkeit zu geben, Wohlstand zu schaffen. Diese optimistische Vision einer demokratisierten Vermögensbildung steht im Kontrast zu aktuellen Debatten über die Umverteilung von Reichtum, wie sie in Kalifornien mit einer vorgeschlagenen Milliardärssteuer geführt werden.
Kapitalismus und dezentrale Macht: Masads Vision
In einem kürzlich veröffentlichten Interview im "Possible"-Podcast mit LinkedIn-Mitbegründer Reid Hoffman und DoSomething Strategic-Gründerin Aria Finger skizzierte Masad seine Vision für die Zukunft. Er betonte, die Stärke des Kapitalismus liege darin, dass jeder mit Ideen, Entschlossenheit und ethischen Standards Vermögen schaffen könne. „Jeder, der Ideen hat und diese umsetzen kann, den Mut und die moralische Integrität besitzt… sollte dazu in der Lage sein. Ich denke, das ist das wahre Versprechen des Kapitalismus.“
Masad stellte dieser optimistischen Perspektive eine dystopische Alternative gegenüber, in der „bestimmte Konzerne alles kontrollieren und die Geschäftsmodelle nicht mit der Menschheit übereinstimmen“. Er hob die Bedeutung einer Welt hervor, in der Werkzeuge dezentrale Macht schaffen und es jedem ermöglichen, sich in die vernetzte globale Wirtschaft einzuklinken. Dies soll Arbeitnehmer dazu befähigen, „mit Freude zur Arbeit zu gehen wie Jeff Bezos“. Der CEO der kalifornischen KI-gestützten Cloud-Softwareentwicklungsplattform Replit betonte zudem die Notwendigkeit, „Arbeit zu belohnen, die menschlicher ist“, Kreativität zu fördern, Büropolitik zu reduzieren und Arbeit zu ermöglichen, die „uns erlaubt, kreativer miteinander in Beziehung zu treten“.
KI als Katalysator für Unternehmertum
Masad ist überzeugt, dass KI-Agenten standardisierte Aufgaben automatisieren werden. Dies ermögliche es den Arbeitnehmern, „unternehmerischer und kreativer“ zu werden, anstatt in traditionellen Unternehmensstrukturen „atomisiert und isoliert“ zu bleiben. Als Beispiel nannte er einen Replit-Unternehmenskunden, bei dem ein Mitarbeiter einen Routing-Algorithmus für einen Immobilienmarktplatz entwickelte, der dem Unternehmen „zig Millionen, wenn nicht Hunderte Millionen Dollar“ einbrachte. Dieser Mitarbeiter erhielt mehrere Beförderungen und hilft nun auf Vorstandsebene bei der Steuerung der KI-Strategie des Unternehmens.
Die Debatte um die kalifornische Milliardärssteuer
Parallel zu Masads Vision einer ideengetriebenen Vermögensbildung wird in Kalifornien eine Debatte über eine sogenannte „Milliardärssteuer“ geführt. Dieser Entwurf sieht eine Verbrauchssteuer vor, die auf „die Aktivität der Aufrechterhaltung exzessiver Vermögensansammlungen durch anwendbare Personen mit einem Nettovermögen von 1 Milliarde Dollar ($1.000.000.000) oder mehr“ abzielt. Für jeden Milliardär in Kalifornien würde sie „5 Prozent des Nettovermögens dieser Person“ besteuern und „das Gesetz sieht eine Besteuerung aller Formen von persönlichem Eigentum und Vermögen vor, ob materiell oder immateriell“, mit einem besonderen Fokus auf „Aktien, Anleihen oder andere Schuldtitel“.
Milliardäre könnten die Steuer jährlich in fünf gleichen Raten zahlen, beginnend im Jahr der Fälligkeit. Dies würde bedeuten, dass sie in einem bestimmten Jahr nur 1 Prozent ihres Gesamtvermögens zahlen müssten. Allerdings würde die Inanspruchnahme des aufgeschobenen Zahlungsplans eine „jährliche nicht abzugsfähige Aufschubgebühr von 7,5 Prozent des verbleibenden unbezahlten Saldos“ auslösen, was eine längere Verzögerung kostspieliger macht.
Details der vorgeschlagenen Steuer und ihre Verwendung
Der wichtigste Aspekt der vorgeschlagenen Steuer ist die Verwendung der Einnahmen: 90 Prozent sollen in das Gesundheitswesen fließen, insbesondere in Kaliforniens Medicaid-Programm, und 10 Prozent in Lebensmittelhilfen und Bildung. Die Gewerkschaft SEIU schätzt, dass dadurch bis zu 100 Milliarden Dollar für diese Zwecke generiert werden könnten.
Kritik und Ausnahmen
Trotz der Empörung, die dieser Gesetzentwurf bei den Superreichen ausgelöst hat, sind seine tatsächlichen Vorschläge für sie recht entgegenkommend. „Immobilien“ wie Häuser und Grundstücke sind nicht in der Definition des Nettovermögens enthalten. Es gibt eine Reihe weiterer Ausnahmen und Freibeträge, darunter:
- Renten
- Roth IRAs unter 10 Millionen Dollar Wert
- Bis zu 5 Millionen Dollar an „anderen Vermögenswerten, einschließlich Kunst und Sammlerstücken, nicht öffentlich gehandelten Finanzinstrumenten, Rechten an geistigem Eigentum, Schulden und anderen Verbindlichkeiten des Steuerpflichtigen [...] sowie Fahrzeugen und anderem persönlichen Eigentum“
Diese Vermögenswerte würden nicht besteuert, was beispielsweise Mark Zuckerbergs 900.000-Dollar-Armbanduhr schützt. Zudem würden „echte Schulden und andere Verbindlichkeiten des Steuerpflichtigen bei der Bestimmung des Nettovermögens berücksichtigt“. Dies bedeutet, dass jemand mit einem Milliarden-Aktienportfolio, aber geringen Schulden, möglicherweise nicht als „Milliardär“ im Sinne des Gesetzes gelten und nicht besteuert würde. Trotz dieser Zugeständnisse stößt der Vorschlag bei der „kapitalistischen Klasse“ auf erheblichen Widerstand.