
Salesforce: 25 Mrd. $ Schulden für Aktienrückkauf – Risiken & Chancen
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Salesforce hat die ersten Schritte eines schuldenfinanzierten Aktienrückkaufprogramms im Wert von 25 Milliarden US-Dollar eingeleitet. Dies ist die Hälfte der im Februar genehmigten umfassenderen Rückkaufsermächtigung von 50 Milliarden US-Dollar. Die Entscheidung, Schulden zur Finanzierung von Aktienrückkäufen aufzunehmen, verdient eine genaue Betrachtung, da Eigenkapital im Gegensatz zu Schulden keine finanziellen Verpflichtungen oder rechtliche Konsequenzen bei Nichtzahlung mit sich bringt.
Salesforce setzt auf schuldenfinanzierten Aktienrückkauf
Das Unternehmen gab bekannt, dass es 103 Millionen Aktien im Rahmen des beschleunigten Aktienrückkaufplans erworben hat, was 80 Prozent der insgesamt zugesagten Aktien entspricht. Die restlichen Aktien sollen im dritten oder vierten Quartal des Geschäftsjahres 2027 zurückgekauft werden. Zur Finanzierung dieses Vorhabens hat Salesforce Anleihen im Wert von 25 Milliarden US-Dollar ausgegeben, deren Fälligkeiten sich von 2028 bis ins Jahr 2066 erstrecken. Diese Emission wurde von J.P. Morgan Securities LLC, BofA Securities, Inc., Barclays Capital Inc., Citigroup Global Markets Inc. und Wells Fargo Securities begleitet.
Die Logik hinter der Entscheidung: Attraktiver Aktienkurs und Kapitalkosten
Salesforce-CEO Marc Benioff begründet den Schritt mit der Überzeugung, dass der Aktienkurs nach dem "brutal sell-off on AI disruption fears" attraktiv sei. Er erklärte in einer Pressemitteilung vom Montag: "Wir sind so zuversichtlich in die Zukunft von Salesforce." Benioff sieht die aktuelle wirtschaftliche Turbulenz als Kaufgelegenheit und betonte, dass das Unternehmen seine Schulden nicht effektiv nutze und mehr davon anstrebe.
- Insiderkäufe: Auch Salesforce-Insider zeigen Vertrauen. Vorstandsmitglied und Williams-Sonoma CEO Laura Alber kaufte am Donnerstag Salesforce-Aktien im Wert von rund 500.000 US-Dollar, und David Kirk, ebenfalls Direktor und ehemaliger Chefwissenschaftler bei Nvidia, erwarb am Mittwoch Aktien im Wert von rund 500.000 US-Dollar.
- Kapitalstruktur: Ein weiterer Grund ist die Optimierung der Kapitalkosten. Benioff und das Unternehmen wollen möglicherweise Barmittel schonen, aber hauptsächlich geht es um die Kosten von Eigenkapital im Vergleich zu den Kosten von Fremdkapital.
Das Konzept der gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC)
Um die Finanzierungsentscheidung von Unternehmen zu verstehen, ist das Konzept der gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten (Weighted Average Cost of Capital, WACC) zentral. Der WACC ist der gewichtete Durchschnitt der Kosten für Fremd- und Eigenkapital, die zur Finanzierung eines Unternehmens erforderlich sind.
- WACC-Formel: Der WACC berücksichtigt den Marktwert von Eigenkapital (E) und Schulden (D) im Verhältnis zum Gesamtwert (V), die Eigenkapitalkosten (Ce), die Fremdkapitalkosten (Cd) und den Körperschaftssteuersatz (T).
- Ziel: Das übergeordnete Ziel ist es, das Unternehmen mit den niedrigstmöglichen Gesamtkapitalkosten zu finanzieren. Ein niedrigerer WACC führt zu einem höheren Barwert zukünftiger Gewinne und Cashflows. Eine Erhöhung des Anteils des günstigeren Vermögenswerts – sei es Eigenkapital oder Schulden – kann den WACC senken. Dies gilt jedoch nur bis zu dem Punkt, an dem Investoren Bedenken hinsichtlich der Verschuldung äußern und höhere Renditen fordern, was den Aktienkurs senkt und die Eigenkapitalkosten des Unternehmens erhöht.
Fremdkapitalkosten vs. Eigenkapitalkosten bei Salesforce
Für Salesforce ist die Berechnung der Fremdkapitalkosten relativ einfach, da das Unternehmen die Rendite der Anleihen bekannt gegeben hat.
- Fremdkapitalkosten: Die Anleihen, die im Jahr 2066 fällig werden, haben vor Steuern Kosten von etwa 6,7 Prozent. Da Unternehmen Zinszahlungen steuerlich absetzen können, sind die tatsächlichen Kosten nach Steuern niedriger. Unter Annahme eines Körperschaftssteuersatzes von 22 Prozent liegen die Nachsteuerkosten der Schulden bei etwa 5,3 Prozent.
- Eigenkapitalkosten: Zur Bestimmung der Eigenkapitalkosten wird das Capital Asset Pricing Model (CAPM) verwendet. Mit einem risikofreien Zinssatz von 4,24 Prozent (10-jährige Treasury Yield), einem Beta von 1,21 (von FactSet) und einer konservativen erwarteten Marktrendite von 8 Prozent ergeben sich Eigenkapitalkosten von rund 9,27 Prozent für Salesforce.
Da die Eigenkapitalkosten (ca. 9,27 Prozent) deutlich höher sind als die Fremdkapitalkosten (ca. 5,3 Prozent), senkt der Tausch von Eigenkapital gegen Fremdkapital die gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten von Salesforce.
Langfristige Perspektiven und Risiken
Der schuldenfinanzierte Rückkauf markiert eine klare Verschiebung in der Art und Weise, wie Salesforce Wachstumsinvestitionen, Verschuldung und Aktionärsrenditen ausbalanciert. Die höhere Verschuldung und das damit verbundene Kreditrisiko sind nun neben der sich verlangsamenden Umsatzdynamik die Hauptrisikofaktoren.
- **Prognosen:** Salesforce prognostiziert für 2028 einen Umsatz von 51,9 Milliarden US-Dollar und einen Gewinn von 10,3 Milliarden US-Dollar. Dies erfordert ein jährliches Umsatzwachstum von 9,6 Prozent und einen Gewinnanstieg von 3,6 Milliarden US-Dollar gegenüber den heutigen 6,7 Milliarden US-Dollar.
- **Agentforce:** Die Einführung des Agentforce Contact Centers, das KI-Agenten, Sprach- und digitale Kanäle sowie CRM-Daten in einer einzigen Plattform vereint, soll die Kundenbindung vertiefen und ein stetiges, profitables Wachstum unterstützen.
Benioffs Sicht auf die "SaaSpocalypse"
Die Aktienkurse von Software-Schwergewichten wie Microsoft, Oracle, SAP, Salesforce und ServiceNow wurden zuletzt von Sorgen um KI-gestützte Codierungstools und automatisierte Workflows belastet, die Softwareanbieter für Nutzer weniger relevant machen könnten. Dieser dramatische Rückgang wurde als "SaaSpocalypse" bezeichnet.
- Benioffs Reaktion: Marc Benioff wies den Begriff jedoch zurück: "Dies ist nicht unsere erste SaaSpocalypse. Wir haben viele SaaSpocalypsen durchgemacht. Ich erinnere mich an die schreckliche SaaSpocalypse von 2020, als nicht nur die Softwareindustrie starb, sondern wir alle starben, aber wir haben es überstanden."
- Aktienentwicklung: Die Salesforce-Aktie hat sich seit letztem Monat um fast 8 Prozent erholt, liegt aber immer noch 45 Prozent unter ihrem Höchststand vom Dezember 2024.
- Verwässerung: Benioff erklärte, dass die Salesforce-Aktie durch die Übernahme von Slack für 27,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2021 und die Akquisition von Tableau für 15 Milliarden US-Dollar im Jahr 2019 verwässert worden sei.
- Wettbewerber: Salesforce ist nicht das einzige SaaS-Unternehmen, das die "SaaSpocalypse" als Kaufgelegenheit sieht; der Konkurrent ServiceNow kündigte ebenfalls einen Rückkaufplan von 5 Milliarden US-Dollar für dieses Jahr an.