Target im Kreuzfeuer: Neue Boykottwelle trifft Einzelhändler inmitten des Turnarounds

Target im Kreuzfeuer: Neue Boykottwelle trifft Einzelhändler inmitten des Turnarounds

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Target, der US-Einzelhandelsriese, sieht sich erneut mit einer Boykottkampagne konfrontiert. Die American Federation of Teachers (AFT) ruft ihre 1,8 Millionen Mitglieder auf, den Händler zu meiden, während Target unter CEO Michael Fiddelke einen ambitionierten Turnaround-Plan verfolgt, um nach drei Jahren Umsatzrückgang wieder auf Wachstumskurs zu kommen. Die neue Kampagne reiht sich in bestehende Proteste ein, die den Konzern aus Minneapolis wegen seiner Haltung zu Einwanderungsfragen und früheren DEI-Entscheidungen belasten.

Neue Boykottwelle durch Lehrergewerkschaft AFT

Die American Federation of Teachers (AFT), eine große Lehrergewerkschaft mit 1,8 Millionen Mitgliedern, hat eine Resolution verabschiedet, die zum Boykott von Target aufruft. Die Gewerkschaft fordert ihre Mitglieder und andere auf, Schulbedarf in lokalen Geschäften statt bei Target zu kaufen.

Grund für den Boykott ist laut AFT-Präsidentin Randi Weingarten Targets unzureichende Reaktion auf die verstärkte Einwanderungsdurchsetzung durch Bundesbehörden in Minneapolis, der Heimatstadt des Einzelhändlers. Die AFT plant, ähnliche Resolutionen bei der AFL-CIO-Tagung in Minneapolis sowie bei Konventionen von Organisationen wie der NAACP und LULAC zu forcieren.

Weingarten betonte in einem CNBC-Interview, dass der größte finanzielle Einfluss der Gewerkschaft während der Schulanfangssaison im Sommer und Herbst erzielt werden kann. Die frühzeitige Verabschiedung der Resolution soll Target Zeit geben, "zur Besinnung zu kommen".

Hintergrund: ICE-Einsätze und Todesfälle in Minneapolis

Die Boykottforderung der AFT steht im Zusammenhang mit einer Welle aggressiver Einwanderungsdurchsetzung in Minneapolis. Bei diesen Operationen wurden zwei US-Bürger, Renee Good und Alex Pretti, von Bundesagenten erschossen.

Zuvor gab es bereits Proteste gegen die Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) vor und in Target-Filialen. In einem Vorfall in einer St. Paul-Filiale wurden zwei Target-Mitarbeiter von Border Patrol-Agenten festgenommen, obwohl einer von ihnen wiederholt rief: "Ich bin ein amerikanischer Staatsbürger!"

Die Department of Homeland Security (DHS) erklärte auf X, der Mitarbeiter sei wegen "Angriffs auf Bundesbeamte" und "Behinderung von Bundesagenten" festgenommen worden, lieferte jedoch keine Erklärung für seine spätere Freilassung.

Targets schwieriger Turnaround-Versuch

Target verzeichnete in den letzten drei Jahren in Folge sinkende Jahresumsätze. Der neue CEO Michael Fiddelke stellte Anfang März einen ambitionierten Plan vor, um die Geschäfte zu modernisieren, attraktivere Waren anzubieten und zum Umsatzwachstum zurückzukehren.

Das Unternehmen erwartet für das laufende Geschäftsjahr einen Anstieg der Nettoverkäufe um etwa 2 % im Vergleich zum Vorjahr und prognostiziert vierteljährliches Wachstum. Fiddelke betonte bei einem Investorentreffen in Minneapolis, dass es "ein neues Kapitel für Target" sei.

Zu den Maßnahmen gehören Preissenkungen bei über 3.000 Artikeln und die Eröffnung der 2.000. Filiale. Fiddelke hob hervor, dass Target daran arbeite, "Vertrauen bei Gästen zurückzugewinnen, die wir enttäuscht haben."

Vielfältige Proteste: Von DEI bis Einwanderungspolitik

Die AFT-Kampagne ist nicht die einzige, die Target trifft. Der Einzelhändler sah sich bereits seit einem Jahr einer landesweiten Boykottkampagne gegenüber, die von Organisatoren als Reaktion auf die "Kapitulation vor Trump und der MAGA-Bewegung" nach der Rücknahme von Diversity, Equity and Inclusion (DEI)-Initiativen gestartet wurde.

Der Pastor Jamal Harrison Bryant aus Atlanta beendete Anfang des Monats einen einjährigen Boykott namens "Target Fast", da Target sein Engagement für die Schwarze Gemeinschaft durch Investitionen in Schwarze Unternehmen und Spenden an Historically Black Colleges and Universities demonstriert habe.

Andere Aktivisten, darunter die ehemalige Senatorin von Ohio, Nina Turner, rufen jedoch weiterhin dazu auf, Target zu meiden. Target selbst führte einige seiner Umsatzverluste auf den Gegenwind gegen seine DEI-Entscheidungen sowie auf Fehltritte bei der Warenpräsentation, ein schwächeres Einkaufserlebnis und geringere diskretionäre Ausgaben zurück.

Die Reaktion von Target und die Kritik

Target war für eine sofortige Stellungnahme zur Boykottresolution der AFT nicht erreichbar. CEO Michael Fiddelke hatte jedoch Ende Januar zusammen mit Dutzenden Führungskräften aus Minnesota-basierten Unternehmen einen Brief unterzeichnet, der eine "sofortige Deeskalation" im Bundesstaat nach der tödlichen Schießerei von Pretti forderte.

Dieser Brief nannte die Opfer Pretti oder Good nicht namentlich und kritisierte weder den Präsidenten, seine Einwanderungspolitik noch die Bundesagenten. Fiddelke teilte auch eine Videobotschaft mit Mitarbeitern, die aktuelle Ereignisse direkter ansprach, aber keine Forderung nach einem Abzug der ICE-Agenten oder Rechenschaftspflicht für die Todesfälle enthielt.

Randi Weingarten bezeichnete den Brief der CEOs als "beleidigend" und sagte, er "schob im Grunde beiden Seiten die Schuld zu". Sie kritisierte, dass Target "mehr besorgt ist, an der Seite der Trump-Regierung zu stehen, als an der Seite der Gemeinschaften, die sie zu einem profitablen Unternehmen gemacht haben."

Ausblick: Druck auf den Einzelhändler bleibt hoch

Es bleibt unklar, wie stark der AFT-Boykott Target schaden könnte, da das Unternehmen versucht, Kunden zurückzugewinnen und Vertrauen aufzubauen. Die vielfältigen und anhaltenden Proteste zeigen jedoch, dass Target weiterhin unter erheblichem Druck steht, seine Positionierung in gesellschaftspolitischen Fragen zu klären.

Während Target Fortschritte bei der Beendigung des "Target Fast"-Boykotts vermeldete und "laufende Gespräche mit den Organisatoren" führte, die "die bedeutsamen Beiträge Targets zur Schwarzen Gemeinschaft anerkannten", muss der Einzelhändler nun eine Strategie finden, um die Bedenken der AFT und anderer Aktivisten bezüglich der Einwanderungspolitik zu adressieren.

Der Erfolg von Fiddelkes Turnaround-Plan könnte maßgeblich davon abhängen, wie Target diese komplexen gesellschaftlichen Herausforderungen meistert und das Vertrauen einer breiten Kundenbasis zurückgewinnt.

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