US-Autobauer Q1 2026: GM stabil, Ford kämpft, Stellantis überrascht mit Wachstum

US-Autobauer Q1 2026: GM stabil, Ford kämpft, Stellantis überrascht mit Wachstum

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Die größten US-Automobilhersteller General Motors, Ford und Stellantis bereiten sich auf die Veröffentlichung ihrer Ergebnisse für das erste Quartal 2026 vor. Während GM auf einem stabilen Kurs erwartet wird, kämpft Ford mit Produktionsengpässen und steigenden Kosten, und Stellantis zeigt überraschendes Wachstum durch eine strategische Neuausrichtung. Das Marktumfeld ist geprägt von hohen Rohstoffpreisen, nachlassender Nachfrage und Verlusten im EV-Segment.

Unterschiedliche Wege in einem herausfordernden Marktumfeld

Die US-Automobilindustrie steht im ersten Quartal 2026 vor erheblichen Herausforderungen. Steigende Öl- und Rohstoffkosten, verstärkt durch den Iran-Krieg, belasten die Bilanzen der Hersteller. Hinzu kommen massive Verluste im Bereich der reinen Elektrofahrzeuge (EVs), eine sich verlangsamende Konsumentennachfrage nach Neuwagen und anhaltende Preissteigerungen durch Lieferkettenprobleme.

In diesem komplexen Umfeld verfolgen die drei großen Detroiter Automobilhersteller unterschiedliche Strategien und erleben verschiedene Entwicklungen. Wall-Street-Analysten erwarten, dass General Motors seine Konkurrenten übertreffen wird, während Ford mit Rückschlägen zu kämpfen hat und Stellantis eine bemerkenswerte Erholung zeigt. Die individuellen Umstände der Unternehmen werden durch die aktuellen Marktbedingungen noch verstärkt.

General Motors: Auf stabilem Kurs

General Motors (GM) wird von Wall-Street-Analysten als der stabilste der drei großen US-Autobauer angesehen. Für das erste Quartal 2026 wird ein bereinigter Gewinn pro Aktie (EPS) von 2,61 US-Dollar erwartet, basierend auf durchschnittlichen Schätzungen von LSEG. GM wird mit "Overweight" und einem Kursziel von 94,71 US-Dollar bewertet, laut FactSet.

James Picariello, Senior Analyst und Leiter der US-Automobilforschung bei BNP Paribas Equity Research, lobt GMs "starke, mehrjährige Erfolgsbilanz" in Bezug auf Marktanteilswachstum, solide Margen und starken freien Cashflow, der die Aktionärsrenditen finanziert. GM wird seine Ergebnisse für das erste Quartal am Dienstag, den 28. April, vor Marktöffnung veröffentlichen.

Obwohl die Verkäufe von GM im ersten Quartal 2026 um 9,7 % auf 626.429 Fahrzeuge zurückgingen – mit Rückgängen bei Chevrolet (-8,1 %), Buick (-32,6 %), GMC (-0,2 %) und Cadillac (-25,5 %) – erwartet CFO Paul Jacobson ein "stabilstes Jahresstart seit fünf Jahren". Das Unternehmen hat eine Geschichte konservativer Prognosen und wird voraussichtlich seine Jahresprognose für 2026 beibehalten oder leicht anheben.

Die Jahresprognose 2026 von GM umfasst ein Nettoeinkommen zwischen 10,3 und 11,7 Milliarden US-Dollar, ein EBIT zwischen 13 und 15 Milliarden US-Dollar und ein EPS zwischen 11 und 13 US-Dollar. Potenzielle Zollrabatte, stabile Preise, Wachstum bei Einstiegsfahrzeugen und ein Rückzug aus reinen Elektrofahrzeugen könnten das erste Quartal zusätzlich stützen. Bisher hat GM Abschreibungen in Höhe von 7,6 Milliarden US-Dollar im Zusammenhang mit EVs angekündigt.

Ein wachsender Bereich ist GMs Software- und Dienstleistungsgeschäft. OnStar erreichte 2025 einen Rekord von 12 Millionen Abonnenten, darunter über 620.000 Super Cruise-Nutzer, was einem Wachstum von fast 80 % gegenüber dem Vorjahr entspricht. Die Einnahmen aus Super Cruise werden für 2026 auf 400 Millionen US-Dollar geschätzt, gegenüber 234 Millionen US-Dollar im Jahr 2025.

Ford: Herausforderungen bei Produktion und Kosten

Ford Motor befindet sich auf einem holprigen Weg, der von den Turnaround-Plänen von CEO Jim Farley abweicht. Für das erste Quartal 2026 wird ein bereinigter Gewinn pro Aktie von 19 Cent erwartet, laut LSEG-Schätzungen. Ford wird mit "Hold" und einem Kursziel von 13,67 US-Dollar bewertet. Das Unternehmen wird seine Ergebnisse am Mittwoch veröffentlichen.

Das Unternehmen kündigte kürzlich einen Führungswechsel und eine Geschäftsrestrukturierung an und kämpft mit Lieferkettenstörungen sowie Kostensteigerungen für Aluminium. Im Jahr 2025 verlor Ford 100.000 Einheiten der F-Serie-Produktion aufgrund von Bränden in einem Aluminiumwerk des Zulieferers Novelis in New York. Das Werk wird voraussichtlich erst zwischen Mai und September wieder voll betriebsbereit sein.

Ford plant, mindestens die Hälfte dieser Einheiten im Jahr 2026 wieder aufzuholen, was jedoch schwierig werden könnte. Analyst James Picariello merkt an, dass dies eine nahezu rekordverdächtige Produktion für den Rest des Jahres erfordern würde, ein Niveau, das Ford in den letzten zweieinhalb Jahren nur einmal in einem einzigen Monat erreicht hat. Die Aluminiumpreise sind aufgrund des Iran-Krieges im Quartalsvergleich um 13 % gestiegen, was die Kosten für Ford weiter erhöht, da das Unternehmen das Material in der ersten Jahreshälfte von anderen Lieferanten zu höheren Preisen beziehen musste.

Fords Jahresprognose für 2026 umfasst ein bereinigtes EBIT zwischen 8 und 10 Milliarden US-Dollar, einen bereinigten freien Cashflow zwischen 5 und 6 Milliarden US-Dollar und Investitionsausgaben zwischen 9,5 und 10,5 Milliarden US-Dollar.

Stellantis: Überraschendes Wachstum durch strategische Neuausrichtung

Stellantis, das sich in schwierigem Terrain befand, konnte im ersten Quartal 2026 ein überraschendes Wachstum verzeichnen. Die globalen Fahrzeugauslieferungen stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 12 %. Insbesondere in den USA, einem Fokusmarkt zur Wiedergewinnung von Marktanteilen unter CEO Antonio Filosa, stiegen die Verkäufe um 4 % gegenüber dem Vorjahr.

Dieser Anstieg auf 305.902 ausgelieferte Einheiten zwischen Januar und März markiert eine signifikante Trendwende für den Automobilhersteller, der in den letzten zwei Jahren mit überhöhten Lagerbeständen und einer schmerzhaften Produktumstellung zu kämpfen hatte. Stellantis übertraf damit den breiteren US-Leichtfahrzeugmarkt, der im gleichen Zeitraum um geschätzte 6 % bis 6,5 % zurückging.

Der Erfolg ist auf eine strategische Neuausrichtung zurückzuführen, die auch die Rückkehr des neu gestalteten Jeep Cherokee und die Einführung des Ramcharger umfasst. Die Marke Ram verzeichnete einen Anstieg der Auslieferungen um 20 %, angetrieben durch den Ramcharger, einen Range-Extended-Elektro-Pickup, der einen Benzinmotor als Bordgenerator nutzt und die "Reichweitenangst" adressiert. Der Jeep Grand Wagoneer verzeichnete einen Anstieg von 110 %, während reine Batterie-Elektrofahrzeuge wie der Jeep Wagoneer S mit nur 175 verkauften Einheiten zu kämpfen hatten.

Die "Multi-Energy"-Plattformstrategie von Stellantis, die Verbrennungsmotoren, Hybrid- und Elektrooptionen auf derselben Basis anbietet, scheint besser mit der aktuellen amerikanischen Konsumentennachfrage übereinzustimmen als die starreren EV-Strategien einiger Wettbewerber. Nach einem Nettoverlust von 26,3 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr 2025 aufgrund übermäßiger Händlermargen und Lagerüberbeständen, hat das Unternehmen unter Filosa im Winter 2025/2026 Preise gesenkt und Produktionspläne neu ausgerichtet.

Trotz des positiven Verkaufsanstiegs bleiben Investoren vorsichtig, da die Aktien von Stellantis zuletzt nahe ihrer 52-Wochen-Tiefs gehandelt wurden, belastet durch die Aussetzung der Dividende für 2026 und anhaltende Margenbedenken. Die durchschnittliche Prognose für das EPS im Gesamtjahr 2026 liegt bei 73 Eurocent (85 US-Cent).

Analystenmeinungen und Ausblick

Während einige Analysten optimistisch hinsichtlich der "Detroit Three" sind und potenzielle Zollrabatte sowie Preisstabilität als positive Faktoren sehen, bleiben andere aufgrund des Iran-Krieges und der damit verbundenen steigenden Rohstoff-, Fracht- und Energiekosten skeptischer. Colin Langan, Analyst bei Wells Fargo, prognostiziert in einer Investorennotiz vom 31. März, dass alle drei Unternehmen die Konsensschätzungen für das EBIT im ersten Quartal verfehlen könnten, da die Automobilhersteller letztendlich die Kosten tragen müssen.

Die unterschiedlichen Entwicklungen von GM, Ford und Stellantis im ersten Quartal 2026 spiegeln die Herausforderungen und Chancen in einem sich wandelnden Automobilmarkt wider. Die kommenden Tage mit den Quartalsberichten werden weitere Klarheit über die finanzielle Performance und die zukünftigen Strategien der US-Autobauer bringen.

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