US-Treasury-Renditen auf Mehrjahreshöchststand: Fed, Inflation und Iran-Krieg treiben Anleihemarkt

US-Treasury-Renditen auf Mehrjahreshöchststand: Fed, Inflation und Iran-Krieg treiben Anleihemarkt

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Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen sind am Montag, den 23. März 2026, auf den höchsten Stand seit Juli 2025 gestiegen. Dieser Anstieg, der auch andere Anleihelaufzeiten betrifft, wird maßgeblich durch eine drastische Neubewertung der Zinssenkungserwartungen der Federal Reserve sowie durch die Eskalation des Iran-Krieges angetrieben. Investoren blicken nun gespannt auf kommende Wirtschaftsdaten und die weitere Entwicklung der geopolitischen Lage.

Anstieg der Treasury-Renditen auf Mehrjahreshöchststände

Die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihe stieg am Montag, den 23. März 2026, um mehr als 4 Basispunkte auf 4,435 Prozent und erreichte damit ein Siebenmonatshoch. Auch andere Laufzeiten verzeichneten deutliche Bewegungen: Die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe stieg um knapp 1 Basispunkt auf 4,966 Prozent, während die Rendite der 2-jährigen US-Staatsanleihe um mehr als 10 Basispunkte auf 3,997 Prozent zulegte. Ein Basispunkt entspricht 0,01 Prozent, und Renditen sowie Anleihekurse bewegen sich in entgegengesetzte Richtungen.

Dieser Anstieg ist Teil einer volatilen Entwicklung seit Anfang März, als die Rendite der zehnjährigen Anleihe nach dem Beginn der Iran-Invasion zunächst auf 3,93 Prozent fiel, dann aber schnell auf 4,07 Prozent anstieg und seitdem weiter zickzackförmig nach oben tendiert. Am 9. März 2026 erreichte die zehnjährige Rendite 4,42 Prozent, nachdem sie die psychologisch wichtige Marke von 4,20 Prozent durchbrochen hatte. Laut Bloomberg nehmen Hedgefonds derzeit große Verluste bei komplexen, hoch gehebelten Geschäften hin, was den Ausverkauf am Anleihemarkt und den Renditeanstieg zusätzlich verstärkt.

Geopolitische Spannungen als Haupttreiber

Die jüngsten Bewegungen der Treasury-Renditen folgten auf eine Intensivierung des Iran-Krieges am Wochenende. US-Präsident Donald Trump drohte am Samstag, die iranischen Kraftwerke zu "vernichten", sollte Teheran die Straße von Hormus nicht innerhalb von 48 Stunden vollständig wieder öffnen. Iran reagierte mit der Eskalation von Drohungen, Energieinfrastruktur und Entsalzungsanlagen im Golf anzugreifen. Der iranische Parlamentssprecher Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte zudem, dass Unternehmen, die amerikanische Staatsanleihen kaufen und das US-Militärbudget finanzieren, als legitime Ziele betrachtet würden.

Bradley Saunders, Nordamerika-Ökonom bei Capital Economics, kommentierte die Situation: "Typischerweise würde man in Zeiten erhöhter geopolitischer Risiken erwarten, dass US-Treasurys von der Nachfrage nach sicheren Häfen profitieren. Doch inmitten der allgemeinen Marktrallye der letzten Jahre war der Haupttreiber für die Renditen die Erwartungen an die Fed-Zinssätze." Er fügte hinzu: "Investoren haben sich mehr darauf konzentriert, was der Iran-Krieg für die Ölpreise und den Spielraum der Fed für weitere Zinssenkungen bedeutet, und das spiegelt sich im Anstieg der zehnjährigen Rendite seit Kriegsbeginn wider." Die Schließung der Straße von Hormus hatte bereits am 2. März 2026 die Brent-Rohölpreise über 100 Dollar pro Barrel getrieben.

Inflationssorgen und Fed-Erwartungen

Die Anleihemärkte sind zunehmend besorgt über die Inflation, deren Ängste durch den Iran-Krieg neu entfacht wurden. Die aktuelle Inflationsentwicklung, die noch vor dem Krieg begann, spiegelt den Anstieg der Energiepreise noch nicht vollständig wider. Die Kern-PCE-Preisindex, der von der Fed bevorzugt wird, beschleunigte sich im Januar auf 3,1 Prozent, angetrieben durch einen Anstieg der Dienstleistungsinflation. Auch der Erzeugerpreisindex (PPI) stieg im Februar deutlich an, nachdem er in den letzten sechs Monaten beschleunigt hatte.

Die Erwartungen an die Federal Reserve haben sich drastisch verschoben. Während noch vor drei Monaten Zinssenkungen für die erste Jahreshälfte 2026 eingepreist wurden, haben sich diese Hoffnungen nun zerschlagen. Einige Händler preisen sogar eine mögliche Zinserhöhung gegen Jahresende ein. Die Fed hielt ihren Leitzins in der vergangenen Woche wie erwartet stabil, wobei der Vorsitzende Jerome Powell betonte, es sei noch zu früh, die vollen wirtschaftlichen Auswirkungen des Iran-Konflikts abzuschätzen. Die Europäische Zentralbank (EZB), die Bank of England (BOE) und die Bank of Japan (BOJ) hielten ihre Leitzinsen ebenfalls unverändert, signalisierten jedoch Bereitschaft zu weiteren Straffungen, sollten die Inflationsrisiken anhalten.

Was die aktuelle Situation von früheren Zyklen unterscheidet, ist, dass die Fed ihre Leitzinsen seit September 2024 um 175 Basispunkte gesenkt hat, während die 30-jährige Rendite weitgehend in Reichweite der 5-Prozent-Marke blieb. Dies liegt daran, dass die 30-jährige Rendite auf Anleihemarkt-Themen wie Inflationserwartungen und das Angebot neuer Anleihen reagiert. Die US-Staatsverschuldung hat bereits 39 Billionen Dollar überschritten, ein Anstieg um 2 Billionen Dollar in 7,5 Monaten, was durch die erwartete Kreditaufnahme zur Finanzierung des Iran-Krieges weiter verstärkt wird.

Wirtschaftliche Indikatoren und Marktstimmung

Am Dienstag wird der S&P Global Flash U.S. PMI-Bericht veröffentlicht, der die wirtschaftliche Gesundheit des amerikanischen Fertigungs- und Dienstleistungssektors misst. Der PMI-Bericht vom Februar deutete bereits auf eine Verlangsamung des Geschäftswachstums für Dienstleistungsunternehmen und eine geringere Beschäftigungszunahme hin. Ökonomen erwarten eine weitere Abschwächung, mit einer Prognose von 50,5 gegenüber 51,9 im Februar. Ein Wert über 50 deutet in der Regel auf Wachstum hin.

Ben Emons, CIO und Gründer von Fed Watch Advisors, warnte: "Das Risk-Off-Sentiment könnte sich diese Woche erheblich verschärfen, mit den ersten sichtbaren makroökonomischen Auswirkungen in einer Flut globaler PMI-Daten.... Die Risikoreduzierung in Portfolios könnte sich fortsetzen, wodurch Bargeld wieder zu einem tragfähigen Vermögenswert wird."

Die unmittelbaren Auswirkungen des Renditeanstiegs waren auch an den Aktienmärkten spürbar. Wachstumsstarke Sektoren, insbesondere Technologieunternehmen, gerieten ins Trudeln, da der steigende "risikofreie Zinssatz" Analysten dazu zwingt, zukünftige Gewinne aggressiver abzuzinsen. Der Nasdaq Composite fiel am 9. März 2026 um 2,4 Prozent und verzeichnete damit seine schlechteste Sitzung des Jahres. Unternehmen wie NVIDIA Corporation und Microsoft Corp sahen ihre Aktienkurse deutlich fallen, da der Barwert ihrer prognostizierten Cashflows in einem Umfeld höherer Zinsen sinkt. Dies deutet darauf hin, dass die Ära des billigen Geldes von Anfang 2025 endgültig der Vergangenheit angehört.

Erwähnte Persönlichkeiten