
World Liberty Financials WLFI-Token: Allzeittief durch Insider-Kredite
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Der WLFI-Token, das native Kryptowährungsprodukt der von Donald Trump unterstützten Plattform World Liberty Financial, ist am Freitag auf ein Allzeittief gefallen. Dies geschah, nachdem Berichte bekannt wurden, wonach das Unternehmen Token auf einer Plattform verliehen hatte, die mit einem seiner Führungskräfte verbunden ist. Die Entwicklung hat bei Anlegern und Marktbeobachtern erhebliche Besorgnis ausgelöst.
WLFI-Token im freien Fall: Ein Überblick
Der WLFI-Token notierte am Freitagmittag bei 0,08 US-Dollar, was einem Rückgang von rund 82 % gegenüber seinem Allzeithoch von 0,46 US-Dollar im September letzten Jahres entspricht. Dieser drastische Kursverfall erfolgte im Zuge von Nachrichten, die die Kreditaktivitäten des Unternehmens beleuchteten. Am 9. April fiel der WLFI-Token bereits um fast 10 % auf 0,0885 US-Dollar, sein niedrigstes Niveau seit Handelsbeginn im September 2025.
Die wöchentlichen Verluste des Tokens belaufen sich auf 15 %, die monatlichen auf 17 %. Dies steht im Gegensatz zu einem generell positiven Trend am breiteren Kryptomarkt, der in den letzten 24 Stunden um 0,67 % zulegte, wobei Bitcoin über 71.000 US-Dollar und Ethereum über 2.100 US-Dollar notierten.
Kontroverse um Insider-Darlehen
Im Zentrum der Kontroverse steht Corey Caplan, der CTO von World Liberty Financial. Das 2024 von einem Team, zu dem auch mehrere Mitglieder der Trump-Familie gehören, gegründete Unternehmen soll die WLFI-Token-Reserven des Projekts genutzt haben, um Darlehen auf einer Drittanbieter-Krypto-Plattform namens Dolomite zu vergeben, die Caplan mitbegründet hat. Blockchain-Daten zeigen, dass von World Liberty Financial kontrollierte Wallets WLFI-Token im Wert von Hunderten Millionen US-Dollar an Dolomite verliehen und im Gegenzug eine Mischung aus Stablecoins geliehen haben.
Laut DeFiLlama-Daten ist Dolomite lediglich die 13. größte Krypto-Kreditplattform, was die Wahl dieses Protokolls für World Liberty Financials umfangreiche Kreditaktivitäten ungewöhnlich erscheinen lässt. On-Chain-Daten belegen, dass das offizielle Treasury-Multisig von WLFI über die letzte Woche etwa 3 Milliarden WLFI-Token über eine Zwischen-Wallet geleitet und dann als Sicherheit bei Dolomite hinterlegt hat. Zuvor wurden bereits etwa 2 Milliarden WLFI direkt bei Dolomite hinterlegt.
Umfang der Darlehen und Stablecoin-Engpässe
Die Sicherheitenpositionen hatten am 9. April laut Dolomite-Statistikseite einen Wert von rund 460 Millionen US-Dollar. Das Team lieh sich in der neuen Wallet 65,4 Millionen USD1 und 10,3 Millionen USDC, insgesamt etwa 75,7 Millionen US-Dollar, wovon 15 Millionen US-Dollar am 7. April zurückgezahlt wurden. Arkham-Daten zeigen, dass ein Projekt-Wallet 5 Milliarden WLFI-Token bei Dolomite hinterlegte, um 75 Millionen US-Dollar in USDC und USD1 Stablecoins zu leihen.
Kurz nach einer außenpolitischen Ankündigung der USA wurden über 40 Millionen US-Dollar der geliehenen Gelder an Coinbase Prime transferiert. Diese massiven Transaktionen haben die Aufmerksamkeit von Analysten auf sich gezogen und Spekulationen über die Positionierung von Insidern sowie erhöhte Governance-Risiken angeheizt.
Risiken und Bedenken der Analysten
Nicolas Vaiman, CEO der Krypto-Analysefirma Bubblemaps, äußerte gegenüber Fortune Bedenken hinsichtlich der Größe der Darlehen von World Liberty Financial auf Dolomite. Etwa 5 % des gesamten WLFI-Angebots dienen nun als Sicherheit auf Dolomite. Sollte der Wert von WLFI erheblich sinken, könnten diese Sicherheiten liquidiert werden. Dies würde World Liberty Financial wahrscheinlich dazu zwingen, WLFI-Token zu verkaufen, um die Darlehen zurückzuzahlen, was zusätzlichen Abwärtsdruck auf den Token-Preis ausüben würde.
DeFi-Analyst Ethan beschrieb das Vorgehen von WLFI als einen Mechanismus, um Liquidität zu entziehen, ohne Token direkt zu verkaufen. Ignas warnte, dass die WLFI-besicherten Darlehen letztendlich möglicherweise nicht zurückzahlbar sein könnten. Marktbeobachter sehen in dieser Struktur eine hohe Konzentration des Risikos bei einem kleinen Netzwerk von Marktteilnehmern. Die dünne Markttiefe verschärft das Liquidationsrisiko zusätzlich.
World Liberty Financials Reaktion und institutionelle Beteiligung
World Liberty Financial bestätigte seine Kreditaktivitäten in einem Post auf seinem X-Account, versuchte jedoch, die Sorgen der Anleger zu zerstreuen. Das Unternehmen betonte, dass seine Kreditpositionen "nirgendwo in der Nähe einer Liquidation" seien. World Liberty bezeichnete sich selbst als "Anker-Kreditnehmer" für WLFI und argumentierte, dass es "die Rendite generiert, die WLFI Markets für alle anderen attraktiv macht".
Das Unternehmen zeigte sich am Donnerstag in den sozialen Medien zuversichtlich: Selbst "wenn sich die Märkte dramatisch gegen uns bewegen würden, würden wir einfach mehr Sicherheiten bereitstellen", schrieb World Liberty Financial. "Das ist kein Risiko. So funktioniert das."
Mehrere Krypto-Stiftungen könnten WLFI-Token nach Token-Swap-Vereinbarungen mit World Liberty Financial erworben haben. Das an der Nasdaq gelistete Unternehmen Alt5 Sigma sammelte im letzten Sommer zudem 1,5 Milliarden US-Dollar, um WLFI-Token zu kaufen, und zog dabei Investitionen von institutionellen Käufern wie Point72 und ExodusPoint an.
Weitere Sorgen und Marktperspektiven
Einige Anlegerängste rühren auch von der Menge des USD1-Stablecoins von World Liberty Financial her, den das Team gegen seine WLFI geliehen hat. World Liberty Financial lieh so viel USD1 von Dolomite, dass kaum noch etwas zum Leihen übrig ist, was bedeutet, dass Benutzer, die den Stablecoin zuvor bei Dolomite hinterlegt hatten, Schwierigkeiten beim Abheben haben könnten, so Vaiman.
Analysten warnen, dass WLFI nun über die Hälfte der Liquidität von Dolomite ausmacht, was ein erhebliches Konzentrationsrisiko schafft. Sollte der WLFI-Preis fallen, könnte dies eine "unliquidierbare" Position auslösen, die massive uneinbringliche Forderungen für Kreditgeber verursachen und das Vertrauen in die Stabilität des Ökosystems untergraben könnte. Dies wird als bärisch für WLFI interpretiert, da es eine extreme Abhängigkeit von einem einzigen Sicherheitenwert innerhalb eines Schlüsselprotokolls hervorhebt.