BOJ erhöht Leitzins auf 30-Jahres-Hoch: Japans Wende in der Geldpolitik

BOJ erhöht Leitzins auf 30-Jahres-Hoch: Japans Wende in der Geldpolitik

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Die Bank of Japan (BOJ) hat ihren Leitzins am 19. Dezember auf 0,75 Prozent angehoben, den höchsten Stand seit September 1995. Dieser Schritt markiert eine bedeutende Abkehr von jahrzehntelanger ultralockerer Geldpolitik und zielt darauf ab, die Inflation einzudämmen und die Wirtschaft zu normalisieren. Trotz der historischen Anhebung reagierten die Finanzmärkte weitgehend gefasst.

Historischer Zinsschritt der Bank of Japan

Die BOJ erhöhte ihren Leitzins um 0,25 Prozentpunkte auf 0,75 Prozent. Dies ist der höchste Stand seit September 1995 und die erste Erhöhung seit Januar dieses Jahres. Die Entscheidung war weithin erwartet und erfolgte einstimmig.

Gouverneur Kazuo Ueda betonte, dass Löhne und Preise voraussichtlich moderat steigen werden und die Risiken für die Wirtschaft abgenommen haben, Wachsamkeit jedoch geboten sei. Die Inflation lag im November bei 3 Prozent, was über dem BOJ-Ziel von etwa 2 Prozent liegt.

Hintergründe der Zinsanhebung

Seit dem Platzen der Wirtschaftsblase in den frühen 1990er Jahren kämpfte Japan mit Deflation, also fallenden Preisen aufgrund schwacher Nachfrage. Die Zentralbank hielt die Zinsen über Jahre hinweg nahe oder unter null, um Ausgaben von Unternehmen und Verbrauchern zu fördern und die massive Staatsverschuldung zu managen.

Im Jahr 2013 startete die BOJ eine umfassende monetäre Lockerung, die als „Big Bazooka“ bekannt wurde, um mehr Geld in die Wirtschaft zu pumpen. Während der COVID-19-Pandemie lag der Leitzins bei minus 0,1 Prozent. Die aktuelle Zinsanhebung ist Teil einer Normalisierung der Geldpolitik, nachdem sich die Inflation über dem Zielwert stabilisiert hat.

Obwohl die japanische Wirtschaft im letzten Quartal um 2,3 Prozent auf Jahresbasis schrumpfte, führten eine verbesserte Geschäftsstimmung und der Preisdruck zur Zinsanhebung. Die BOJ äußerte sich nun optimistischer zur Wirtschaftsentwicklung und erwartet ein "moderates Wachstum". Frühere Bedenken bezüglich US-Zöllen auf japanische Exporteure haben sich durch eine Vereinbarung über 15-prozentige Zölle (statt 25%) gelegt.

Auswirkungen auf Wirtschaft und Yen

Höhere Zinsen verteuern Hypotheken und andere Kredite, erhöhen aber auch die Renditen von Spareinlagen. Der japanische Yen hat sich gegenüber dem US-Dollar und vielen anderen wichtigen Währungen abgeschwächt, was Importe wie Lebensmittel und Treibstoff verteuert. Die starke Nachfrage nach Dollar-denominierten Aktien, insbesondere im Zusammenhang mit dem Boom der künstlichen Intelligenz, hat ebenfalls Kapital aus dem Yen abgezogen.

Eine Stärkung des Yen durch höhere Zinsen könnte Investitionen nach Japan locken, die höhere Yen-Renditen suchen. Dies könnte den Yen weiter nach oben treiben, da die BOJ weitere Zinserhöhungen in Aussicht gestellt hat. Kei Fujimoto, Senior Economist bei SuMi Trust, kommentierte, dass die Haltung der BOJ zu Zinserhöhungen widerspiegelt, dass sich die Inflation verfestigt. Eine weitere Yen-Abwertung könnte das Tempo der Zinserhöhungen beschleunigen.

Nach der Ankündigung schwächte sich der Yen zunächst ab, und der Dollar stieg auf 157 Yen. Der Nikkei-Aktienindex stieg, und die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen erreichte ein 26-Jahres-Hoch.

Die Carry-Trade-Strategie und Kryptowährungen

Höhere Zinsen in Japan könnten eine beliebte Anlagestrategie, den sogenannten „Carry Trade“, untergraben. Dabei leihen sich Investoren günstig in Yen und investieren das Geld in höher rentierliche Anlagen anderswo. Diese Strategie ist lukrativ, wenn Aktien und andere Anlagen steigen, doch Verluste können sich schnell summieren, wenn viele Händler gleichzeitig unter Druck geraten, Vermögenswerte zu verkaufen.

Die Erwartung höherer Zinsen in Japan führte bereits zu einem Rückgang des Bitcoin-Preises. Dieser fiel von Rekordhochs nahe 125.000 US-Dollar Anfang Oktober auf unter 86.000 US-Dollar. Am Freitag lag Bitcoin bei etwa 88.000 US-Dollar.

Ausblick und Herausforderungen

Die BOJ signalisierte ihre Bereitschaft für weitere Zinserhöhungen, sofern sich die Wirtschafts- und Preisprognosen materialisieren. Gouverneur Ueda blieb jedoch vage bezüglich des genauen Zeitpunkts und Tempos zukünftiger Anhebungen. Die Zentralbank wird ihre Ansichten zu Wirtschaft, Preisaussichten und Risiken bei jeder Sitzung aktualisieren und entsprechende Entscheidungen treffen.

Hawkishe Vorstandsmitglieder wie Hajime Takata und Naoki Tamura sehen das Inflationsziel bereits erreicht oder in Kürze erreicht. Die BOJ erwartet, dass die zugrunde liegende Inflation in der zweiten Hälfte des dreijährigen Projektionszeitraums bis zum Geschäftsjahr 2027 um das 2-Prozent-Ziel konvergieren wird. Die größte Herausforderung für Zentralbanken ist die Abwägung zwischen der Förderung der Wirtschaftstätigkeit und der Eindämmung der Inflation. Mit einer Inflation von etwa 3 Prozent bleiben die Realzinsen in Japan weiterhin negativ.

Erwähnte Persönlichkeiten