Bond Vigilantes im Fokus: Japan unter Druck, USA stabil, Konzerne als sicherer Hafen

Bond Vigilantes im Fokus: Japan unter Druck, USA stabil, Konzerne als sicherer Hafen

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Analysten warnten jahrelang vor einer möglichen Gegenreaktion der Anleihemärkte auf steigende Defizite, doch diese blieb in den USA und Großbritannien weitgehend aus. Trotz einer nationalen Verschuldung von 38 Billionen US-Dollar und ambitionierter Ausgabenprogramme der Regierung, sowie einer Kerninflation von über 3 %, bleiben die langfristigen Renditen in den USA unter Kontrolle.

Stabilität im Westen trotz struktureller Herausforderungen

Die Anleihemärkte in den USA und Großbritannien zeigen sich bemerkenswert stabil. In den USA liegen die 10-Jahres-Renditen deutlich unter dem nominalen BIP-Wachstum und den Niveaus vor der Krise von 2008. Auch Zweifel an der Unabhängigkeit der Federal Reserve haben sich in der Marktbewertung nicht manifestiert.

Ein ähnliches Muster ist in Großbritannien zu beobachten. Trotz steigender Ausgabenverpflichtungen belohnte der Gilt-Markt Kanzlerin Rachel Reeves für den Ausbau der fiskalischen Puffer und eine orthodoxere Haushaltsstrategie. Die Renditen langfristiger Gilts fielen nach dem jüngsten Haushalt, und das Pfund Sterling legte zu. Investoren werteten dies als Vertrauensbeweis in das kurzfristige Fiskalmanagement. Diese Stabilität ist angesichts struktureller Belastungen wie alternder Bevölkerungen, erhöhter Verteidigungsausgaben und der Energiewende, die den langfristigen Kreditbedarf erhöhen, besonders auffällig.

Druck im Fernen Osten: Japan im Visier der Bond Vigilantes

Anders stellt sich die Lage in mehreren anderen G-10-Volkswirtschaften dar, insbesondere in Japan. Dort haben sich die langfristigen Renditen deutlich verschärft. Die Situation hat sich unter der neuen Regierung von Premierministerin Sanae Takaichi zugespitzt, die ein Konjunkturpaket von 21,3 Billionen Yen (137 Milliarden US-Dollar) ankündigte, das weitaus größer ausfiel als erwartet.

Die unmittelbare Folge war ein starker Ausverkauf japanischer Staatsanleihen, wobei die Renditen für 20- und 40-jährige Anleihen Rekordhöhen erreichten. Begleitet wurde dies von einem abstürzenden Yen und fallenden Aktienkursen. Investoren sind nicht nur besorgt über die Substanz von Takaichis Politik, sondern auch über Japans Schuldenquote von 264 % des BIP, die weltweit höchste. Während die Bank of Japan langsam ihre ultralockere Geldpolitik beendet, befürchten die Märkte eine Flut neuer Anleihen bei zu wenigen Käufern.

Unternehmensanleihen als sicherer Hafen

Die Landkarte der sicheren Häfen für Anleihen schrumpft. Deutschland und Japan bieten Anlegern keinen zuverlässigen langfristigen Rückzugsort mehr. Lediglich die Schweiz hält diese Position noch, wobei ihre Forward-Renditen wieder nahe Null gefallen sind. Investoren zahlen effektiv für Sicherheit – nicht wegen eines aufregenden Schweizer Wachstums, sondern weil die Schweiz eine der wenigen großen Volkswirtschaften mit einer wirklich niedrigen Staatsverschuldung und glaubwürdigen Fiskalinstitutionen bleibt.

Diese Entwicklung hat zu einer seltenen Situation geführt: Märkte behandeln einige Unternehmensanleihen als sicherer als die der Staaten, in denen diese Unternehmen ansässig sind. Konzerne wie Microsoft, Airbus, L'Oréal und Siemens leihen sich Geld zu niedrigeren Renditen als die USA, Frankreich oder Deutschland. Pilar Gomez-Bravo, Co-CIO bei MFS Investment Management, kommentierte gegenüber Bloomberg: „Es ist die Erosion der Wahrnehmung der Rechtsstaatlichkeit, die Investoren fernhält… Die Menschen bevorzugen Unternehmensbilanzen, die in besserer Verfassung sind als einige Staaten.“

Ein Blick auf Airbus: Unternehmensnachrichten und Herausforderungen

Airbus SE, dessen Anleihen als sicherer gelten als die einiger Staaten, hat seine Finanzprognose für das Geschäftsjahr 2025 beibehalten. Das Unternehmen erwartet weiterhin ein bereinigtes EBIT von rund 7,0 Milliarden Euro und einen freien Cashflow vor Kundenfinanzierung von rund 4,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig wurde jedoch das Lieferziel für Verkehrsflugzeuge im Jahr 2025 von ursprünglich rund 820 auf etwa 790 Flugzeuge reduziert. Diese Anpassung wird auf ein kürzlich aufgetretenes Qualitätsproblem bei Zulieferern von Rumpfsegmenten zurückgeführt, das den Lieferfluss der A320-Familie beeinträchtigt.

Zusätzlich zu den Lieferkettenproblemen sah sich Airbus mit einem Software-Rückruf für die A320-Familie konfrontiert. Das Problem, das über 6.000 Flugzeuge weltweit betrifft, resultiert aus einer Untersuchung der FAA, die feststellte, dass intensive Sonnenstrahlung kritische Daten für die Flugsteuerung beschädigen könnte. US-Verkehrsminister Sean Duffy versicherte jedoch, dass der Software-Rückruf keine größeren Störungen für Reisende verursachen werde. Er teilte mit, dass nur ein kleiner Prozentsatz der fliegenden Flugzeuge in den USA das Software-Update benötige und die betroffenen Fluggesellschaften "große Fortschritte" bei der Behebung der Probleme machten. American Airlines, die größte Betreiberin von Airbus A320-Flugzeugen, meldete, dass 209 ihrer ursprünglich 340 betroffenen Flugzeuge bereits repariert wurden. United Airlines meldete sechs betroffene Flugzeuge und Delta Airlines etwa 50.

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