
US-Staatsschuld: CBO-Direktor Swagel optimistisch trotz Rekorddefiziten
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Dr. Phillip Swagel, Direktor des parteiunabhängigen Congressional Budget Office (CBO), überrascht mit einer optimistischen Einschätzung zur US-Wirtschaft und der nationalen Verschuldung, obwohl seine Behörde regelmäßig alarmierende Zahlen zur Staatsverschuldung veröffentlicht. Trotz eines öffentlichen Schuldenstands von über 39 Billionen US-Dollar und jährlichen Zinskosten von mehr als einer Billion US-Dollar glaubt Swagel, dass eine Fiskalkrise vermieden werden kann.
Der Optimismus des CBO-Direktors
Dr. Phillip Swagel, Direktor des Congressional Budget Office (CBO), ist von Natur aus und in Bezug auf die US-Wirtschaft ein Optimist. Diese Haltung mag überraschen, da das CBO als parteiunabhängige Behörde dem Kongress unabhängige Haushalts- und Wirtschaftsanalysen liefert und dabei oft die nationale Verschuldung in den Mittelpunkt rückt.
Die alarmierenden Zahlen der US-Staatsschuld
Die vom CBO veröffentlichten Zahlen zur US-Staatsschuld sind beachtlich: Die öffentlichen Schulden belaufen sich auf über 39 Billionen US-Dollar. Die Zinsaufwendungen für diese Kredite übersteigen mittlerweile eine Billion US-Dollar pro Jahr. Allein zwischen Oktober 2025 und März 2026 zahlte die Regierung laut vorläufigen Schätzungen fast 530 Milliarden US-Dollar an Zinsen, was über 88 Milliarden US-Dollar pro Monat oder mehr als 22 Milliarden US-Dollar pro Woche entspricht. Diese Daten werden von Politikern, Think Tanks und Lobbyisten häufig als beunruhigender Beweis für die Notwendigkeit eines nachhaltigeren Fiskalpfads angeführt.
Warum Swagel trotz allem optimistisch bleibt
Swagel teilt nicht die Ansicht, dass die USA eine selbstverschuldete Krise erleben werden. Sein Optimismus wurzelt in seiner Erfahrung: Er war während der Finanzkrise 2008 im Finanzministerium tätig und kam Monate vor Beginn der COVID-Pandemie zum CBO. Er hat miterlebt, wie sich die US-Wirtschaft scheinbar allen Widrigkeiten zum Trotz aus früheren Wirtschaftskrisen befreit hat. Er vertraut darauf, dass die Entscheidungsträger handeln werden, wenn die Zeit reif ist, und betont, dass Politiker "klug und nachdenklich" sind, auch wenn die Gesetzgebungsprozesse schwierig sind.
Die Debatte um die Staatsschuld: Kritiker und Befürworter
Zu den besorgten Stimmen bezüglich der nationalen Verschuldung gehören prominente Namen wie JPMorgan Chase CEO Jamie Dimon, Federal Reserve Chairman Jerome Powell und Bridgewater Associates Gründer Ray Dalio. Auch Tesla CEO Elon Musk äußert Bedenken hinsichtlich der Bundesausgaben und unterstützt einen Plan von Berkshire Hathaway Gründer Warren Buffett, der Kongressmitglieder von der Wiederwahl ausschließen würde, wenn Defizite 3 % des BIP überschreiten.
Auf der anderen Seite argumentieren optimistische Ökonomen, dass die Verschuldung trotz ihres Umfangs kein Problem darstellt, da der Anleihemarkt stabil bleibt und somit eine zuverlässige Käuferschaft signalisiert. Zudem kauft die US-Zentralbank große Teile der Schulden auf. Diese Argumentation hat jedoch Schwachstellen, insbesondere da der für den Fed-Vorsitz nominierte Kevin Warsh angedeutet hat, die Bilanz der Fed reduzieren zu wollen, was die Finanzierung von Krediten erschweren könnte. Swagel interpretiert die stabilen Anleihemärkte als Vertrauensbeweis, dass der Markt präventive Maßnahmen des Kongresses einpreist.
Handlungsbedarf: Sozialversicherung und Medicare am Scheideweg
Swagels Optimismus, dass der Kongress zum Handeln gezwungen wird, wird sich voraussichtlich in den nächsten sechs Jahren bewähren müssen. Laut dem Committee for a Responsible Federal Budget (CRFB) werden sowohl die Sozialversicherung als auch Medicare innerhalb dieses Zeitraums zahlungsunfähig. Bereits bis 2029 werden voraussichtlich 50 Cent jedes Budgetdollars für Leistungen an Amerikaner über 65 Jahre ausgegeben.
Swagel betont, dass glaubwürdige Schritte zur Bewältigung der fiskalischen Entwicklung zu niedrigeren Zinssätzen führen und die Anpassung erleichtern würden. Er ist der Meinung, dass die Kongressmitglieder die fiskalische Lage verstehen und wissen, dass "etwas getan werden muss", auch wenn es nicht sofort geschehen muss, aber "vernünftigerweise bald".
Die Rolle des CBO: Ein "Cheesecake Factory"-Menü für Politiker
Die Aufgabe des CBO besteht darin, den Politikern Optionen für den Umgang mit den Bundesdefiziten zu präsentieren. Swagel vergleicht dies mit der Speisekarte eines "Cheesecake Factory"-Restaurants: groß, vielfältig und ohne Wertung serviert. Caleb Quakenbush, Direktor für Fiskalpolitik beim Bipartisan Policy Center, scherzt, dass man derzeit vielleicht drei Gänge wählen kann, aber ein Sechs- oder Sieben-Gänge-Menü vor sich hat. Je länger man zögert, desto mehr muss man hinzufügen und desto teurer werden die Optionen.
Wachstum vs. Ausgabenkürzungen: Eine schwierige Gleichung
Ökonomen und Analysten sind weniger besorgt über die absolute Höhe der Staatsverschuldung als vielmehr über das Schulden-BIP-Verhältnis, das derzeit bei etwa 122 % des BIP liegt. Diese Kennzahl zeigt das Verhältnis der Staatsausgaben zum Wirtschaftswachstum und das Risiko, das mit der Kreditvergabe an eine Nation verbunden ist, die nicht schnell genug wächst, um ihre Ausgaben zu decken. Um dieses Verhältnis auszugleichen, könnte eine Wirtschaft entweder Ausgaben kürzen oder das Wachstum steigern – letzteres ist die weitaus weniger schmerzhafte Option.
Michael Peterson, CEO des Think Tanks Peter G. Peterson Foundation, merkt an, dass die Wachstumsoption immer weniger praktikabel wird, da zu lange gewartet wurde und die aktuellen Defizite bei 6 % des BIP zu hoch sind. Wachstum muss zwar Teil der Lösung sein, aber es ist ein Teufelskreis: Je länger die Verzögerung, desto höher die Schulden und desto langsamer das Wachstum. Eine Kontrolle der Situation könnte hingegen zu niedrigeren Zinsen und mehr Wachstum führen – ein Tugendkreis.
Politische Blockaden und die Dringlichkeit von Reformen
Das Problem Washingtons ist nicht Unwissenheit, sondern die politische Unfähigkeit, schwierige Entscheidungen zu treffen. Bei einer Anhörung des Senats zur Fiskalprognose wurde deutlich, dass die USA in Nicht-Krisenzeiten historisch hohe Defizite aufweisen und man nicht so tun kann, als könne man sich aus dieser Situation herauswachsen. Dies ist keine Krise, die durch Rezession oder Krieg verursacht wurde, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen, denen sich die Gesetzgeber verweigern.
Sen. Ron Johnson (R-WI) kritisierte die politische Pattsituation: Demokraten fordern, dass die Reichen ihren "gerechten Anteil" zahlen, setzen aber keine sinnvollen Steuererhöhungen durch. Republikaner beklagen ein Ausgabenproblem, konnten aber die Ausgaben nicht auf ein vernünftiges Niveau vor der Pandemie zurückführen, als sie die Macht dazu hatten. Die fiskalische Debatte in Washington sei eine "Performance".
Die CBO-Prognosen zeigen, dass die jährlichen Defizite von 1,9 Billionen US-Dollar (5,8 % des BIP) im Jahr 2026 auf 3,1 Billionen US-Dollar (6,7 % des BIP) im Jahr 2036 steigen werden, wenn sich das aktuelle Gesetz nicht ändert. Die Schuldenquote wird von 101 % des BIP im Jahr 2026 auf 120 % im Jahr 2036 steigen und bis 2056 sogar 175 % erreichen – der höchste Stand seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Dr. Swagel bezeichnete die fiskalische Entwicklung als "entmutigend" und "herausfordernd jetzt und nicht nachhaltig in der Zukunft".
Eine weitere Herausforderung sind die Einnahmen: Eine Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, die einen Teil der von Präsident Trump eingeführten Zölle für ungültig erklärte, hat die CBO-Einnahmeprognosen in Frage gestellt. Diese Zölle brachten im letzten Jahr etwa 130 Milliarden US-Dollar ein und sollten das Defizit über zehn Jahre um 3 Billionen US-Dollar senken, wovon etwa die Hälfte durch die Entscheidung des Gerichts entfällt.